Pflanzenporträt 

Bärentraube bei Blasenentzündungen

Hamburg - 23.02.2018, 11:05 Uhr

Echte Bärentraube Arctostaphylos uva-ursi (Foto: Uryadnikov Sergey / stock.adobe.com)
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Echte Bärentraube Arctostaphylos uva-ursi (Foto: Uryadnikov Sergey / stock.adobe.com)


Bärentraubenblätter wirken antibakteriell und finden bei Blasenentzündungen Anwendung. Die Droge wird in Arzneitees und als Extrakt in diversen Präparaten verwendet. Wissenswertes zu dieser Heilpflanze lesen Sie in folgendem Pflanzenporträt.

Der pharmazeutisch relevante Teil der Bärentraube sind die kleinen ledrigen Blätter (Uvae ursi folium). Auf der Oberseite glänzen die Blätter dunkelgrün, auf der netzadrigen Unterseite sehen sie blassgrün und matt aus. Der immergrüne Zwergstrauch mit den roten Früchten gehört zu den Heidekrautgewächsen (Ericaceae). Die Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) ist u.a. in Nord- und Mitteleuropa heimisch, und vornehmlich in trockenen Kieferwäldern, auf Heiden oder in Hochgebirgen zu finden. Da die Verbreitung in Deutschland stark zurückgegangen ist, steht das Gewächs hierzulande unter Naturschutz. 

Antibakterielle Bärentraubenblätter 

Der maßgebliche Inhaltsstoff der Bärentraubenblätter ist Arbutin, ein Prodrug. Dieses besteht aus Hydrochinon, dessen eine Hydroxylgruppe an Glucose gebunden ist. Bei der Metabolisierung wird Glucose abgespalten und das Hydrochinon sofort wieder an Schwefelsäure und Glucuronsäure gebunden. In dieser Form wird es mit dem Harn ausgeschieden. Die bei einer Blasenentzündung vorkommenden Bakterien setzen mit ihren eigenen Enzymen die eigentliche Wirkform Hydrochinon frei. Die Substanz hat bakteriostatische Eigenschaften und kann somit die Vermehrung der Bakterien hemmen.

Bärentraubenblätter werden bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege angewendet, z.B. bei Blasenentzündungen mit Schmerzen beim Wasserlassen. Wichtig für die keimhemmende Wirkung ist, dass die Substanz am Wirkort in ausreichender Menge vorhanden ist. Daher sollte mindestens 400 bis 700 mg Arbutin eingenommen werden. Verwendet wird die Droge als Extrakt in Monopräparaten (z.B. Cystinol® akut Dragees, Arctuvan®), in einem Kombipräparat mit Echtem Goldrutenkraut (Cystinol® N), als Arzneitee (z.B. von Sidroga®, H&S®) oder in Arzneiteemischungen (z.B. H&S® Blasen- und Nierentee).

Präparat Inhaltsstoffe Hinweise (Auswahl)*                 
Cystinol® akut Dragees Bärentraubenblätter 3x 2 Dragees, nach den Mahlzeiten
Arctuvan® Bärentrauben Filmtabletten Bärentraubenblätter 2-4x 2 Filmtabletten
Uvalysat® Bürger überzogene Tabletten/Tropfen Bärentraubenblätter 4x 2-3 Filmtabletten / bis 4x 2-3 ml, Filmtabletten zu den Mahlzeiten, Tropfen enthalten 22 Vol.-% Alk.
Cystinol® N Lösung Bärentraubenblätter, Echtes Goldrutenkraut 3x 10ml, Einnahme nach dem Essen, vor Gebrauch schütteln, enthält 24 Vol.-% Alk.
H&S® Bärentraubenblätter Teebeutel Bärentraubenblätter 3-4x 1 Tasse (mit 1 Beutel)
Sidroga® Bärentraubenblätter Teebeutel Bärentraubenblätter bis zu 4x 1 Tasse (mit 1-2 Beuteln)
Bombastus® Blasen- und Nierentee Teebeutel Bärentraubenblätter, Birkenblätter, Queckenwurzelstock 3-4x 1 Tasse (mit 1-2 Beuteln)
H&S® Blasen- und Nierentee Bärentraubenblätter, Samenfreie Garten-Bohnenhülsen, Schachtelhalmkraut Birkenblätter 3-4x 1 Tasse (mit 1-2 Beuteln)
Sidroga® Blasentee plus Teebeutel Birkenblätter, Orthosiphonblätter, Goldrutenkraut, Bärentraubenblätter 3-4x 1 Tasse (mit 1 Beutel)

*Anwendung ab 12 Jahren, Sidroga® Blasentee plus: ab 18 Jahren, Bombastus® Blasen- und Nierentee Teebeutel: keine Angabe

Arbutin-haltige Arzneimittel sind nicht für eine längerfristige Anwendung vorgesehen. Sie dürfen höchstens eine Woche lang eingenommen werden, und das insgesamt nicht häufiger als fünfmal im Jahr. Die Dosierungsvorgaben der Präparate und Arzneitees sind einzuhalten. Für Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 Jahren sind derartige Präparate nicht geeignet (Sidroga® Blasentee plus: nicht unter 18 Jahren). Nebenwirkungen betreffen hauptsächlich den Gastrointestinaltrakt, da die Droge viele Gerbstoffe enthält. Bei Zubereitung der Teedroge als Kaltmazerat werden weniger Gerbstoffe freigesetzt, wobei die Zubereitungshinweise in den jeweiligen Gebrauchsinformationen zu beachten sind. Eine weitere mögliche Nebenwirkung: Unter der Einnahme kann sich der Urin braungrün verfärben.

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Annette Lüdecke (lue), Apothekerin, Autorin DAZ.online
teamschulung@deutscher-apotheker-verlag.de


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