Auslaufmodell Einzelpraxis?

Mit MVZs gegen den Landärztemangel

Miehlen - 27.12.2017, 13:30 Uhr

Viele Gemeinden suchen händeringend Ärzte. Lösen MVZs das Problem? (Foto: picture alliance / Sven Simon)

Viele Gemeinden suchen händeringend Ärzte. Lösen MVZs das Problem? (Foto: picture alliance / Sven Simon)


Niedergelassene Mediziner zieht es zumeist eher in die Stadt als auf Land. Viele Praxen haben Probleme Nachfolger zu finden. Auf ein Praxisgesuch kommen gerne mehr als 20 Praxisabgaben. Schließt die Arzt-Praxis verschwindet die Apotheke nicht selten auch.  Die Versorgung vor Ort stirbt. Doch es gibt ein Modell, das der drohenden Unterversorgung auf dem Land entgegenwirkt.

67 Jahre, 71 Jahre und 72 Jahre alt sind die Landärzte im Mühlbachtal im rheinland-pfälzischen Taunus. Jahrelang haben sie versucht, ihre Praxen in jüngere Hände zu geben. „Wir haben sogar eine Agentur in Gießen beauftragt und dafür 3000 Euro liegen gelassen. Das Ergebnis: null“, sagt Werner Schwehn, einer der drei Mediziner. Ähnliche Geschichten erzählen Hausärzte überall auf dem Land. Die Ärzteblätter sind voll mit Annoncen, von Ostfrieslands Küste bis zum Bodensee. Auf ein Praxisgesuch kommen gerne mehr als 20 Praxisabgaben. Im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz, in der das Mühlbachtal liegt, ist die Situation besonders dramatisch. Das Durchschnittsalter der Vertragsärzte liegt laut Kassenärztlicher Vereinigung bei 56 Jahren. Fast jeder fünfte Arzt ist 65 Jahre oder älter.

Bis zu 7000 Menschen wären ohne Versorgung gewesen

„Wenn wir drei aufgehört hätten, wären 5000 bis 7000 Menschen ohne Versorgung gewesen», sagt der Arzt Dieter Hoffmann. Die Region an der waldreichen Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen taucht in der Statistik noch nicht als unterversorgt auf, weil die Ärzte beim Erreichen des Ruhestandsalters nicht einfach hingeschmissen haben. „Wir haben doch eine Verantwortung der Bevölkerung gegenüber“, sagt Hoffmann. Seine Praxis liegt in Miehlen, einem attraktiven 2000-Einwohner-Örtchen mit Bäcker und Metzger, Bürobedarf-Laden und Frisör, Sparkasse und Pizzeria. Schließt der Arzt die Tür für immer zu, muss oft auch die Apotheke dichtmachen. Das Leben verlagert sich dann zunehmend in die nächste Stadt, in diesem Fall Lahnstein oder gleich Koblenz, Wiesbaden, Mainz. Die drei Ärzte hielten auch deswegen durch, weil sie über Jahrzehnte eng zusammengearbeitet und sich gegenseitig vertreten haben. „Das wäre katastrophal gewesen, wenn einer aufgehört hätte und ein anderer die Patienten hätte übernehmen müssen“, sagt Schwehn. Sie seien ohnehin mehr als ausgelastet. Und das gelte auch für die Ärzte in den anderen Orten im Umkreis.

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