CVS/Aetna-Übernahme

Von der Erstattung bis zur Arzneimittelabgabe – alles in einem Konzern

Berlin - 04.12.2017, 13:30 Uhr

Der Apothekenketten- und PBM-Konzern CVS will in den USA die Krankenversicherung Aetna übernehmen. (Foto: dpa)

Der Apothekenketten- und PBM-Konzern CVS will in den USA die Krankenversicherung Aetna übernehmen. (Foto: dpa)


Nun steht es fest: Die US-Drogerie- und Apothekenkette CVS will den Krankenversicherer Aetna für rund 69 Milliarden Dollar übernehmen. Eine Einigung gaben die US-Konzerne am Sonntagabend bekannt. Die Vereinbarung sieht vor, dass CVS 207 Dollar je Aetna-Aktie zahlt. 145 Dollar sollen bar fließen, der Rest in eigenen Anteilscheinen fällig werden. Damit würde erstmals ein Konzern von der Erstattung bis zur Arzneimittelabgabe die komplette Lieferkette kontrollieren.

Inklusive übernommener Schulden beziffern die Unternehmen den Kaufpreis auf 77 Milliarden Dollar. Es handelt sich damit um eine der bislang größten Übernahmen des Jahres. CVS und Aetna rechnen damit, den Deal in der zweiten Jahreshälfte 2018 abzuschließen. Aktionäre und Aufsichtsbehörden müssen allerdings noch zustimmen. Nicht zuletzt, weil der Online-Riese Amazon dem Einzelhandel zusetzt, steht CVS unter wachsendem Konkurrenzdruck. Durch den Kauf des Krankenversicherungsriesen Aetna, der über 22 Millionen Versicherte hat, würde die rund 9700 Filialen und etwa 1100 ambulante Kliniken zählende Kette ihr Geschäft deutlich breiter aufstellen.

Auch der US-Versicherungsmarkt ist jedoch hart umkämpft, weshalb Branchengrößen wie Aetna schon länger nach Fusionspartnern Ausschau halten. Erst Anfang 2017 musste der Konzern wegen Bedenken der US-Kartellwächter die Übernahme des Rivalen Humana abblasen. Ob die Wettbewerbshüter dem Aetna-Kauf durch CVS zustimmen, bleibt abzuwarten. Nach Einschätzung von Experten dürften die Chancen diesmal jedoch besser stehen, da es um einen sogenannten vertikalen Zusammenschluss zweier Konzerne geht, die nicht in direkter Konkurrenz stehen und die Versicherungsbeiträge sogar sinken könnten.

CVS: Apothekenkette, PBM, Großhandel und bald Krankenversicherung

CVS Health kontrolliert mit seinem Jahresumsatz von zuletzt 17,5 Milliarden Dollar nicht nur eine der größten US-Drogerie- und Apothekenketten mit 9700 Filialen, sondern führt mit einem eigenen Pharmacy Benefits Management-System (PBM) auch selbst Arzneimittel-Preisverhandlungen mit den Krankenversicherungen.

In den Medien wird darüber spekuliert, ob sich CVS mit der Übernahme auch vor dem drohenden Einstieg von Amazon ins Arzneimittel-Geschäft schützen will. Aber nicht nur im Online-Bereich gerät CVS derzeit unter Druck: Kürzlich hatte die US-Wettbewerbsbehörde FTC dem US-Apotheken- und Großhandelsriesen Walgreens Boots Alliance die Erlaubnis erteilt, im nunmehr vierten Anlauf 1932 Filialen des Wettbewerbers Rite Aid sowie drei Logistikzentren für 4,4 Milliarden Dollar zu übernehmen. Walgreens Alliance Boots hat somit die größte Apothekenkette mit mehr als 10.000 Filialen gebildet.


dpa-AFX / DAZ.online
redaktion@daz.online


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