USA

Apothekenkette vor Übernahme einer Krankenversicherung

Berlin - 01.12.2017, 09:50 Uhr

Apothekenkette übernimmt Krankenversicherung. In den USA gibt es solche Konstruktionen. (Foto: dpa)

Apothekenkette übernimmt Krankenversicherung. In den USA gibt es solche Konstruktionen. (Foto: dpa)


Die US-Drogerie- und Apothekenkette CVS kommt laut einem US-Zeitungsbericht beim Buhlen um den Krankenversicherer Aetna voran. Bereits am Montag könnte die mehr als 66 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme angekündigt werden, schrieb das „Wall Street Journal“ am Donnerstag unter Berufung auf Insider. Die Parteien befinden sich demnach in fortgeschrittenen Verhandlungen.

CVS dürfte zwischen 200 und 205 Dollar pro Aetna-Aktie hinblättern, hieß es weiter. Der Kaufpreis solle hauptsächlich in bar und zum Teil in eigenen Anteilscheinen gezahlt werden. Die Konzerne selbst äußerten sich nicht. Anleger reagierten relativ gelassen. CVS-Aktien lagen zuletzt mit 2,5 Prozent im Plus, Aetnas Papiere mit 0,7 Prozent. Am Markt wird schon länger über einen Deal spekuliert.

Sollte der Deal zustande kommen, wäre es nicht nur die bislang größte Unternehmensübernahme in diesem Jahr, sondern er dürfte auch die US-Gesundheitsindustrie kräftig durchrütteln. CVS Health kontrolliert mit seinem Jahresumsatz von zuletzt 17,5 Milliarden Dollar nicht nur eine der größten US-Drogerie- und Apothekenketten mit 9700 Filialen, sondern führt mit einem eigenen Pharmacy-Benefits-Management-System (PBM) auch selber Arzneimittel-Preisverhandlungen mit den Krankenversicherungen. Mit Aetna, einem der größten Versicherer des Landes, hätte CVS damit die Bereiche Erstattung, Lieferungsprozess und -konditionen sowie Abgabe von Arzneimitteln unter einem Dach zusammengefasst.

Erstattung, Lieferung, Konditionsverhandlungen und Abgabe unter einem Dach

Das dürfte zu erheblichen Synergien führen. Millionen von Aetna-Versicherten würden künftig auch Kunden von CVS-Apotheken und -Drogerien werden oder sich in einer der mehr als 1100 MinuteClinics von CVS behandeln lassen. Auf der anderen Seite vermuten US-Medien, dass Aetna durch solch einen Deal einen noch besseren Blick auf den Gesundheitszustand seiner 44,7 Millionen Versicherten bekommen könnte. Über die Kliniken, einen Haus-Infusions-Service und auf Langzeitpflege ausgerichtete Apotheken verfüge CVS nämlich über enge Beziehungen zu den Patienten und damit über Informationen, die Aetna sehr zugute kommen könnten.

Für eine solche Übernahme würde außerdem sprechen, dass US-Versicherer zunehmend versuchen, die Preisverhandlungen für Arzneimittel selbst zu führen anstatt sie den in den USA weit verbreiteten PBM-Unternehmen zu überlassen. Wie CVS verfügt mittlerweile auch der Versicherer UnitedHealth Group bereits über einen eigenen PBM namens Optum. Die Krankenversicherung Anthem kündigte kürzlich ähnliche Pläne an.


dpa-AFX / DAZ.online
redaktion@daz.online


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