HIV-PrEP-Modellprojekt

Rund 60 Apotheken sind schon mit an Bord

Stuttgart - 24.11.2017, 16:45 Uhr

In mehr als 60 Apotheken ist die PrEP im Rahmendes Modellprojekts bereit zu haben. (Foto:dpa)

In mehr als 60 Apotheken ist die PrEP im Rahmendes Modellprojekts bereit zu haben. (Foto:dpa)


Was Ende September in Apotheken in sieben deutschen Städten begann ist mittlerweile an etwa 60 Standorten zu haben: eine HIV-Präexpositions-Prophylaxe, kurz PrEP, im Rahmen eines Modellprojekts für einen erschwinglichen Preis von 50 Euro in Monat. Inzwischen sind bereits mehr als 1000 Rezepte eingelöst worden. 

Bis vor kurzen mussten Menschen, die medikamentös einer HIV-Infektion vorbeugen wollten, tief in die Tasche greifen – und zwar in die eigene. Denn übernommen wird die sogenannte PrEP von den Kassen bislang nicht. Und auch in der generischen Variante der Kombination von Emtricitabin und Tenofovir, die für die PrEP eingesetzt wird, fallen noch 18,22 Euro pro Tablette an. Seit kurzem ist das Ganze aber günstiger zu haben – für knapp 50 Euro im Monat. Dahinter steckt der Kölner Apotheker Erik Tenberken. Er konnte den Generika-Hersteller Hexal gewinnen, sein Truvada-Generikum im Rahmen eines PrEP-Projektes zu vertreiben. Die Tabletten werden dann individuell für jeden Patienten verblistert – in Einheiten à 28 Stück.

Geschulte Ärzte und kooperierende Apotheken

Der Weg zur PrEP führt bis jetzt nur über eigens geschulte Ärzte und 20- bis 30-minütige Beratungen in einer der Apotheken, die sich an am Pilotprojekt beteiligen. Anfangs waren das außer Tenberkens Kölner Birken-Apotheke Apotheken in sechs weiteren deutschen Städten: nämlich in Düsseldorf (Albert-Schweitzer-Apotheke), in Hannover (Leibniz-Apotheke), in Hamburg (Alexander-Apotheke Sankt Georg), in Berlin (Witzleben-Apotheke, Apotheke in der Axel-Springer-Passage), in München (Marien-Apotheke) und in Frankfurt am Main (Eichwald-Apotheke). Nun, gut zwei Monate später, sind es bereits um die 60, die teilnehmen. Sie sind allesamt Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheke. Eine aktuelle Übersicht, welche Apotheken dabei sind, findet sich auf der Webseite. Beim Kauf bekommen Kunden neben Info-Material und Antworten auf Fragen rund um die korrekte Einnahme auch den Hinweis auf die Begleitstudie. Inzwischen sollen bereits mehr als 1000 Rezepte eingelöst worden sein. Das schreibt die Deutsche Presseagentur (dpa) unter Berufung auf den Leiter eben dieser Begleitstudie Hendrik Streek von der Universität Duisburg-Essen. Dieser weiß dank Online-Fragebogen einiges über die Nutzer. 

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Wer sind die Nutzer?

Bislang seien es eher Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen, die sich die PrEP leisteten, sagt Streeck gegenüber der dpa. Sie hätten sie teils schon aus dem Ausland bezogen, teils aber auch noch keine Erfahrung damit. Befragte hätten oft angegeben, schon vorher keine Kondome benutzt und bereits andere sexuell übertragbare Erkrankungen gehabt zu haben, sagt Streeck. Als Grund für den Kondom-Verzicht würden Erektionsstörungen genannt, aber auch der Wunsch des Partners. Die Motive für das Interesse an der PrEP seien gemischt. „Viele wollen zusätzlichen Schutz“, sagt der Forscher. Spätestens in einem Jahr will er Bilanz ziehen.

Ein in Teilen anderes Bild zeichnet die Berliner Apothekerin Claudia Neuhaus gegenüber der dpa. „Das sind sehr gewissenhafte Menschen“, sagt sie über die PrEP-Nutzer. Sie gäben an, trotz der Medikamente Kondome zu benutzen. Gerade in Beziehungen, in denen ein Partner HIV-positiv ist, gehe es um zusätzliche Absicherung, falls zum Beispiel das Kondom reißt. Am Arzneimittel verdienten Apotheken rund zehn Euro, sagt Neuhaus. Wegen der aufwendigen Beratung bleibe unter dem Strich nichts liegen. „Das ist Pionierarbeit. Wir möchten die Verbreitung von HIV minimieren.“


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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