Versandhandel

Stoppt Amazon die Kooperation mit deutschen Apothekern?

Berlin - 23.11.2017, 12:10 Uhr

Über Amazon kommen die Arzneimittel-Pakete jetzt verstärkt aus Holland: Der Versand-Konzern stoppt die Zusammenarbeit mit vielen deutschen Apothekern. (Foto: picture alliance / AP Photo)

Über Amazon kommen die Arzneimittel-Pakete jetzt verstärkt aus Holland: Der Versand-Konzern stoppt die Zusammenarbeit mit vielen deutschen Apothekern. (Foto: picture alliance / AP Photo)


Der Versand-Konzern Amazon seine Zusammenarbeit mit den meisten deutschen Apothekern offenbar beendet. OTC-Bestellungen waren am heutigen Donnerstagvormittag fast ausschließlich über EU-Versender möglich. Rund 40 Apotheker aus Deutschland hatten mit Amazon kooperiert und über das Portal OTC-Produkte angeboten. Ein Münchener Apotheker war juristisch gegen dieses Vorgehen seiner Kollegen vorgegangen.

Wenn sich Amazon-Kunden derzeit OTC-Arzneimittel bestellen wollen, werden sie ihre Medikamente seit dem heutigen Donnerstag wahrscheinlich von anderen Apotheken beziehen. Eigentlich hatte der Versand-Konzern mit einigen deutschen Versandapothekern kooperiert. Diese Zusammenarbeit scheint der Konzern nun eingestellt zu haben: Sucht man bei Amazon nach OTC-Präparaten, sieht man als Anbieter vornehmlich niederländische Versandapotheken.

Immer wieder tauchen beispielsweise die „Beraterapotheke“ und der „1,2,3 Vitalshop“ aus den Niederlanden auf. Ganz sind die deutschen Versender aus dem Geschäftsmodell aber noch nicht ausgeschieden: Die Juvalis-Versandapotheke aus Bernburg kooperiert beispielsweise noch mit Amazon. Und auch Aponeo verkauft noch einige Arzneimittel über Amazon. Ein Konzernsprecher dementierte die Angelegenheit und erklärte: „Amazon arbeitet weiterhin mit allen Apotheken zusammen, die den geltenden rechtlichen Bestimmungen und unseren Qualitätsstandards entsprechen.“*

Der Münchener Apotheker Hermann Vogel Jr., Inhaber mehrerer Apotheken in München, sieht durch diese Geschäftspraktik den Datenschutz der Kunden in Gefahr und geht seit dem vergangenen Sommer gegen seine Kollegen vor. In seinem Auftrag versendete die Münchener Dependance der Kanzlei Smith, Gambrell und Russell Abmahnungen an bundesweit 41 Apotheken. Nur zwei Apotheken stellten ihr Angebot bei Amazon daraufhin aber ein. Als Konsequenz reichte die Kanzlei gegen einen Apotheker Klage ein.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Was für ein Signal

von Christiane Patzelt am 23.11.2017 um 16:09 Uhr

Nun stelle man sich vor, die Versorgung passiert nur noch über 1 oder 2 Monopolisten. In welche Art „Geiselnahme“ diese die Patienten nehmen können bei Zwistigkeiten mit Krankenkasse oder Politik, kann sich ja jeder so ungefähr ausmalen. Welch Schlaraffenland für Datendiebe dazu...aber hey..digital first...die Bedenken bekommen wir durch cyber-pharma-weeks weggeblasen.

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