Amsterdam statt London

Wie sind die Reaktionen auf den neuen EMA-Standort?

Remagen - 21.11.2017, 15:20 Uhr

Die Reaktionen auf den Umzug der EU-Arzneimittelbehörde, von den Gewinnern bis hin zu den Siegern. (Foto: AP / dpa)

Die Reaktionen auf den Umzug der EU-Arzneimittelbehörde, von den Gewinnern bis hin zu den Siegern. (Foto: AP / dpa)


„And the winner is Amsterdam.” Dies war die Botschaft, die gestern Abend von Brüssel aus in die EU ging, mit Spannung erwartet vor allem von den Ländern, die selbst ins Rennen um den neuen Sitz der prestigeträchtigen EU-Arzneimittel-Agentur gegangen waren. DAZ.online hat ein paar Stimmen eingefangen, von dem glücklichen Gewinner und den Verlierern. Letztere kritisieren das Wahlverfahren.

Am gestrigen Montag wurde im Rat für Allgemeine Angelegenheiten der EU über den neuen Sitz der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) abgestimmt, in einem komplizierten Verfahren. Da drei Kandidaten (Valletta, Dublin und Zagreb) ihre Bewerbung kurz vor der Sitzung zurückgezogen hatten, blieben 16 im Wettbewerb, unter anderem auch Deutschland, dem allerdings nur Außenseiter-Chancen eingeräumt worden waren.

Die Abstimmung, ein Drama in drei Akten

Die Abstimmung sah ein dreistufiges Verfahren vor. Im ersten Wahlgang hatten die Mitgliedstaaten jeweils sechs Stimmen, die komplett verteilt werden mussten. Dabei sollte der Kandidat mit der höchsten Präferenz drei Stimmen bekommen, der zweite zwei und der dritte eine. Nach der ersten Runde entfielen auf Mailand 25 und auf Amsterdam und Kopenhagen jeweils 20 Stimmen, womit diese drei Städte in Runde 2 einzogen. Auf den Verliererplätzen folgten Bratislava (15), Barcelona und Stockholm (jeweils 12), Athen und Porto (jeweils 10), Warschau und Bukarest (7), Brüssel und Helsinki (jeweils 5) und Wien (4). Abgeschlagen landeten Bonn, Lille und Sofia mit lediglich jeweils drei Stimmen am Ende der Skala. 

Nach einer Pause, in der die Mitgliedstaaten sich neu positionieren konnten, hatte jedes Land im zweiten Wahlgang nur noch eine Stimme. Keiner der Kandidaten erreichte die für eine einfache Mehrheit erforderlichen 14 Stimmen. Mailand (12) und Amsterdam (9) zogen in die dritte Runde der Abstimmung ein, während Kopenhagen mit fünf Stimmen auf der Strecke blieb.

Im dritten Wahlgang kam es zu einem Pari von jeweils 13 Stimmen, was nur möglich war, weil die Slowakei sich in den Wahlgängen 2 und 3 der Stimme enthalten hatte. So entschied am Ende das Los, zum Nachteil von Mailand, das in den zwei Vorrunden die höchste Punkteanzahl bekommen hatte.

Freude und Stolz in den Niederlanden

Der Botschafter für die niederländische Bewerbung um den Sitz der EMA Wouter Bos soll seinem Land zunächst gar keine allzu großen Chancen eingeräumt haben. Nun glaubt er, dass die Niederlande vor allem mit den angebotenen Räumlichkeiten, der hervorragenden Verkehrsverbindung und den Lebensbedingungen für die EMA-Mitarbeiter punkten konnten.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte betont in einer Reaktion auf seiner Facebook-Seite die zu erwartenden positiven Effekte der EMA auf die Wirtschaft: „Eine gute Nachricht für die Niederlande. Wir können zu Recht von einem Erfolg für die niederländische Diplomatie sprechen." Außenminister Halbe Zijlstra spricht von einem „phantastischen Ergebnis“ und dankt den anderen Mitgliedstaaten, die die Niederlande mit ihrer Stimme unterstützt haben.

Der niederländische Gesundheitsminister Bruno Bruins ist überzeugt, dass die EMA ihre anspruchsvolle Tätigkeit am neuen Standort Amsterdam in derselben Qualität fortsetzen kann. „Wir sind bereit, loszulegen und werden dafür sorgen, dass die Arbeit der EMA nicht unterbrochen wird“, sagt Bruins.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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