Umverteilung

Overwiening: Honorar-Fonds für pharmazeutische Dienstleistungen

Münster - 21.11.2017, 14:07 Uhr

AKWL-Präsidentin Gabriele-Regina Overwiening hat sich mit einem neuen Vorschlag in die Honorar-Debatte eingemischt. Sie will einen neuen Fonds bilden, von dem Apotheken profitieren, die besonders viele Gemeinwohlaufgaben und Dienstleistungen anbieten. (Foto: AKWL)

AKWL-Präsidentin Gabriele-Regina Overwiening hat sich mit einem neuen Vorschlag in die Honorar-Debatte eingemischt. Sie will einen neuen Fonds bilden, von dem Apotheken profitieren, die besonders viele Gemeinwohlaufgaben und Dienstleistungen anbieten. (Foto: AKWL)


Wie könnte das Apothekenhonorar der Zukunft aussehen? Dazu hat die Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Gabriele-Regina Overwiening, auf der Kammerversammlung am heutigen Dienstag in Münster einen Vorschlag präsentiert: Demnach könnte ein Teil des Fixhonorars umverteilt werden – ähnlich wie beim Nacht-und Notdienstfonds. Wie viel jede Apotheke erhält, solle an bestimmte Service-Leistungen geknüpft werden, die die flächendeckende Versorgung verbessern.

Die gesamte Apothekenbranche wartet seit Wochen auf die Veröffentlichung des Honorar-Gutachtens des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi). Ganz unabhängig vom Inhalt der Studie sind sich Politik und Apotheker sicher: Es muss was passieren beim Apothekenhonorar. Nur was? Von der ABDA liegen bislang keine konkreten Vorschläge vor, in einer „AG Honorierung“ berät man aber seit Jahren schon über andere Honorar-Modelle. Nun prescht die Apothekerkammer Westfalen-Lippe mit einem Vorschlag vor, bei der alle Apotheker in einen Fonds einzahlen würden, von dem insbesondere die Apotheken profitieren, die viele Gemeinwohlaufgaben und Dienstleistungen übernehmen.

Bei der Kammerversammlung in Münster erklärte Präsidentin Overwiening am heutigen Dienstag, dass das schwierige an der Honorar-Debatte dabei sei, dass so viele unterschiedliche Ziele zu bedienen sind. „Jeder will mehr, gerechter verteilt soll es sein, es soll Honorare für Dienstleistungen geben und dem Versandhandel soll es weniger Spaß machen. Wir wollen die eierlegende Wollmilchsau.“

Das wichtigste Argument für ein neues Honorarmodell sei, dass es dem Erhalt der flächendeckenden Versorgung dient, erklärte die Kammerpräsidentin. Einer der Kritikpunkte am derzeitigen Verfahren, auch aus der Politik, sei, dass es eine Verteilung nach dem Gießkannenprinzip ist. Der Erfolg einer Apotheke hänge an der Lage, so Overwiening. Sie hält daher eine Umverteilung für unerlässlich. Diese sollte aber von den Apothekern selbst kontrolliert und nicht von der Politik übergestreift werden.

Ihr Vorschlag: Ein Teil des Fixums – Overwiening nannte 50 Cent als „exemplarische“ Summe – solle abgezogen und durch einen Fonds umverteilt werden. Wie viel die einzelne Apotheke erhält, solle aber an gewisse Parameter gebunden sein, zum Beispiel Rezepturen, Fortbildungszertifikate, Inkontinenzversorgung oder ein bestimmtes BtM-Aufkommen. Diese Parameter könnten in Euro-Punkte umgerechnet werden. So könnte die Apotheke stärker für ihren Beitrag zur flächendeckenden Versorgung  vergütet werden.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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12 Kommentare

Vernichtungsfeldzug

von Karl Friedrich Müller am 22.11.2017 um 6:22 Uhr

Unsere sogenannten Vertreter (Zertreter?) überlegen sich, wie sie ihre Apotheken sanieren. Von KK und Staat gibt es nix, also holt man es bei den Kollegen.
2 Fliegen mit einer Klappe. Man hat mehr und die lästige Konkurrenz verschwindet...
Wenn ich den Kunden keinen Rabatt geben kann, geht das auch nicht für einen Honorar Fonds. Geht das in die Köpfe?
Unsere Vertretung vernichtet uns.

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Baa-Zonggggg

von Wolfgang Müller am 22.11.2017 um 1:01 Uhr

Angenommen, Becker, Overwiening und ein paar andere setzen sich nun begeistert zusammen. Und überlegen sich, was für einen Teil von den 5 Mrd. Fixhonorar man denn WIRKLICH bräuchte (also nicht nur entspr. "50 Cent pro Packung"), um alles das hintenrum quer zu subventionieren, was niemand sonst den Apothekern profitabel bezahlen will. Bzw das, wofür die Apotheker sich noch nicht einmal trauen, eine auskömmliche Honorierung zu fordern, weil sie berechtigte Angst haben, dass die Ärzte es nicht mehr verordnen würden (ein Großteil der Rezeptur).

Das Resultat wäre aus Sicht eines halbwegs klarsichtigen Ökonomen zunächst mal nichts Anderes als das, was diese selbstmörderische Gruppe selber als "Luft im System" gefunden hat. Also der Art nach genau das, was auch 2HM offensichtlich präsentieren will.

Als Politiker oder GKVler würde ich sagen: "Perfekt, lass die mal machen. Das sehen wir uns dann mal in Ruhe an und fordern erstmal eine Kürzung des Fixhonorars um - sagen wir mal - das 1,7-fache."

1,7 Mrd.?

Besser kann man nicht offenbaren, wie gefährlich uns normalen Apotheken der innige Wunsch nach Zwangsfortbildung in WL-Manier und "AMTS um jeden Preis" werden kann. Denn um nichts Anderes geht es hier in Wirklichkeit ja, das unterstelle ich mal.

Dass das Ganze den "umsatzschwächeren" Apotheken und damit der "Flächendeckung" helfen soll, ist jedenfalls so diskutabel wie die Propaganda, dass Trump ein Präsident sei, der die Interessen der "Einfachen Leute" wahrnimmt.

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Das sogenannte ..

von Karl Friedrich Müller am 21.11.2017 um 20:23 Uhr

... Honorar ist sowieso zu niedrig. Davon auch noch etwas abgeben?
Um andere zu subventionieren? Mit meiner Arbeit?
Wer besondere Leistungen erbringt, soll sie bezahlt bekommen. Aber nicht von Kollegen, die nun ihre Arbeit für noch weniger Geld machen sollen.
Bezahlen muss der Staat, die Kassen, der Beitragszahler
Diese Idee ist indiskutabel und schwächt uns weiter.
Außerdem ist das eine Entwertung unserer täglichen Arbeit. Unverschämt!

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den Sozialismus in seinem Lauf....

von Andreas Grünebaum am 21.11.2017 um 19:07 Uhr

halten weder Ochs noch Eselauf?

"Sie (Overwiening) hält daher eine Umverteilung für unerlässlich. Diese sollte aber von den Apothekern selbst kontrolliert und nicht von der Politik übergestreift werden."

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den Sozialismus in seinem Lauf....

von Andreas Grünebaum am 21.11.2017 um 19:07 Uhr

halten weder Ochs noch Eselauf?

"Sie (Overwiening) hält daher eine Umverteilung für unerlässlich. Diese sollte aber von den Apothekern selbst kontrolliert und nicht von der Politik übergestreift werden."

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Nicht aus bestehender Vergütung

von Franz Sedlmayr am 21.11.2017 um 19:00 Uhr


1.) Freiwillige Leistungen der Apotheke können nur erbracht werden, wenn diese auch ausreichend vergütet werden.
2.) Auch wenn eine Honorarordnung nicht erwünscht ist, ist ein Verteilungsschlüssel / Punktwert für jede einzelne Leistung Voraussetzung für eine gerechte Verteilung.
3.) Es macht keinen Sinn das gleiche Geld von der rechten in die linke Kitteltasche zu stecken und dafür noch eine hochwertige und aufwändige Leistung zu erbringen..

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wie aus Kassenfeder...

von Andreas Flöter am 21.11.2017 um 18:46 Uhr

... liest sich diese Idee.
Die rieben sich die Hände.
Anstatt für in längst vergangenen Vorzeiten mal im Rahmen einer Mischkalkulation quersubventionierbare Gemeinwohlaufgaben mal endlich kostendeckende Vergütung durch die (immer noch so genannten) Kostenträger zu fordern, werden Fehlanreize gesetzt, unterfinanzierte und somit hochgradig defizitäre Leistungen vermehrt zu erbringen und sich das von den verbliebenen, dank "Marktbereinigung" noch rentabel arbeitetenden Kollegen bezahlen zu lassen.

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AW: wie aus Kassenfeder

von Andreas Grünebaum am 21.11.2017 um 19:11 Uhr

Das haben Sie exzellent formuliert und ich kann Ihnen nur zustimmen!

AW: wie aus Kassenfeder

von Bernd Jas am 25.11.2017 um 9:46 Uhr

Super Andreas!

Das Credo: Wir haben zwar nichts, aber das teilen wir gerne noch auf und glauben alle können satt werden.

Gefährlicher Vorschlag

von Friedemann Ahlmeyer am 21.11.2017 um 16:52 Uhr

So sehr ich meine Kammerpräsidentin sonst auch schätze, hier liegt Frau Overwiening einmal daneben.
Grundsätzlich halte ich Vorschläge, die das bestehende Honorar der Apotheken umverteilen, anstatt zusätzliche Gelder einzufordern, für keine geschickte Verhandlungsführung. So beraubt man sich mit dem Vorschlag gleich zusätzlicher Spielräume. Wir haben ja mit dem Notdienstfonds bereits eine erhebliche Umverteilung von packungsstarken Apotheken hin zu Apotheken im ländlichen Bereich, die durch viele Notdienste belastet sind. Aber: Diese Gelder sind zusätzlich geflossen.
Die Subventionierung von stark belasteten Apotheken durch diese zusätzlichen Gelder halte ich für sehr sinnvoll. Man sollte eine derartige Umverteilung aber nicht übertreiben. 50 Cent entsprechen 7,6 % aus dem Fixzuschlag abzüglich Kassenrabatt. Es erschließt sich mir nicht, warum ich mit 7,6% meines Honorars andere Apotheken subventionieren soll. Dieses Geld fehlt bitter, um hochwertig arbeiten zu können. Auch die Parameter, nach denen umverteilt werden soll, halte ich für diskussionswürdig. Die Inkontinenzversorgung bspw. ist von den Kassen so miserabel bezahlt, dass sie seitens einer Apotheke nicht kostendeckend durchgeführt werden kann. Mit einem Betrag von 15 € im Monat ist es wirtschaftlich unmöglich, jeden Inkontinenten einer Kasse angemessen zu versorgen. Alleine der Lohnaufwand für die Beratung, Bearbeitung, Dokumentation und Belieferung ist höher als diese Pauschale. Und dann muss man als Apotheker auch mal nein sagen können. Seit Anfang 2016 haben wir beschlossen, dass wir die Inkontinenzversorgung innerhalb unserer Apotheke nicht mehr quersubventionieren. Ich finde es höchst befremdlich, dass nun ein Vorschlag auf dem Tisch liegt, wonach meine Mitarbeiter und ich über Bande andere Apotheken subventionieren müssen. Einen derartig angedachten Fond halte ich für leistungsfeindlich.

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hmhm

von Peter Lahr am 21.11.2017 um 16:30 Uhr

"Wenn man am Ende der Meinung sei, die Apotheker erhielten zu wenig, sei ein zusätzlicher Betrag natürlich denkbar. „Aber wer glaubt das schon?“ fragte Overwiening."

Also ich möchte mein Honorar nicht anhand von irgendwelchen Glaubensfragen diskutiert sehen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: hmhm

von Andreas Grünebaum am 21.11.2017 um 19:12 Uhr

Das ist mir auch zu "Grün"!

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