Gegen Rhinoviren und Co. 

Warum Händedesinfektion meist nicht vor Erkältung schützt

Stuttgart - 14.11.2017, 10:30 Uhr

Ohne Wasser und Seife – damit werden Gele zur Händehygiene beworben. Vor Erkältungen schützen sie jedoch in der Regel nicht. (Foto: galitskaya / stock.adobe.com)                                      

Ohne Wasser und Seife – damit werden Gele zur Händehygiene beworben. Vor Erkältungen schützen sie jedoch in der Regel nicht. (Foto: galitskaya / stock.adobe.com)                                      


Winterzeit ist Erkältungszeit. Um sich nicht anzustecken, wird eine ganze Reihe von Maßnahmen empfohlen, zum Beispiel Händeschütteln zu vermeiden. Manche verfallen gar in einen wahren Händedesinfektionswahn. Sterilium®, Sagrotan®-Tücher oder Handdesinfektionsgele, die es auch in vielen Apotheken gibt, haben Hochkonjunktur. Die bringen aber in der Regel gegen die üblichen Verursacher einer Erkältung nichts, gegen Influenza-Viren hingegen nützen sie. 

Hinter einem grippalen Infekt, umgangssprachlich auch Erkältung genannt, können verschiedene Erreger stecken. In den meisten Fällen sind Rhinoviren die Übeltäter, aber auch Adeno- oder Coxsackie-Viren können die Ursache sein ebenso wie Corona- oder Paramyxoviridae. Eine kausale Therapie existiert nicht. Um sich vor einer Ansteckung zu schützen, mutiert der eine oder andere zum Desinfektionsjunkie. Das Sterilium-Fläschchen in der Handtasche ist am Mann bzw. der Frau. Im Bad steht natürlich auch eins – keine Frage. Nur ist das im Fall der meisten Erkältungserreger völlig überflüssig. Denn viele der üblichen Desinfektionsmittel wirken gegen die häufigsten Erreger gar nicht. 

Hülle oder keine Hülle? Das ist hier die Frage

Warum das so ist? Bis vor Kurzem gab es bei Händedesinfektionsmitteln zwei Wirkkategorien: viruzid und begrenzt viruzid. Letztere wirken gegen behüllte Viren. Diese sind nämlich relativ instabil und daher gegen die gängigen Händedesinfektionsmittel mit alkoholischen Komponenten empfindlich. So lassen sich zum Beispiel die behüllten Ebola-Viren mit als begrenzt viruzid ausgelobten Produkten inaktivieren. Das „normale“ Sterillium und viele andere gängige Händedesinfektionsmittel gehören in diese Kategorie. 

Gegen unbehüllte Viren „viruzid“

Die viruziden Mittel machen auch den hartnäckigeren unbehüllten Viren den Garaus. Unter den unbehüllten Viren gibt es aber solche, die sich leichter inaktivieren lassen als andere. Deswegen wurde vor Kurzem ein dritter Wirkbereich festgelegt: begrenzt viruzid plus. Er liegt zwischen den zwei bisherigen und inaktiviert bestimmte unbehüllte Viren. Dazu gehören zum Beispiel Noroviren. 

Sagrotan® und andere Mittel für den Alltag, die ohne Wasser und Seife angewendet werden, werben damit, 99,9 Prozent der Bakterien zu entfernen, von Viren ist keine Rede. Auf den offiziellen Listen, zum Beispiel der des Robert-Koch-Instituts, auf der sich Informationen über den Wirkbereich finden (siehe Tabelle am Ende), sind solche für den Haushalt und Alltag konzipierten Produkte nicht. Sie umfasst nur Präparate, die vom RKI auf Wirksamkeit und vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie vom Umweltbundesamt auf Unbedenklichkeit für Gesundheit und Umwelt geprüft wurden.

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Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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2 Kommentare

1 Frage

von Jan am 14.11.2017 um 16:57 Uhr

Guter Text! Eine Frage ist bei mir dennoch offen geblieben. Sie schreiben, das begrenzt viruzide Mittel z.B. Ebola -oder Influenza-Viren abtöten. Viruzide Mittel tun dies demnach auch? Also kann ich quasi alle viruziden Mittel nehmen, um alles zu eliminieren?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: 1 Frage

von Julia Borsch /DAZ.online am 14.11.2017 um 18:27 Uhr

Genau, viruzid schließt begrenzt viruzid mit ein. Was unbehüllte Viren tötet, tötet auch behüllte. Ist vermutlich unter anderem eine Frage der Verträglichkeit und der Kosten, warum man nicht ausschließlich Mittel nimmt, die gegen alle Viren wirken.

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