Generikamarkt

Fast 27.200 Rabattverträge

Remagen - 14.11.2017, 09:05 Uhr

Die Kassen zahlen immer weniger für immer mehr Versorgung mit Generika. (Foto: weyo / stock.adoe.com)

Die Kassen zahlen immer weniger für immer mehr Versorgung mit Generika. (Foto: weyo / stock.adoe.com)


Der Verband der deutschen Generikaindustrie Pro Generika hat neue Marktdaten für die ersten drei Quartale 2017 vorgelegt. Hiernach entfallen unverändert mehr als drei Viertel der GKV-Arzneimittelversorgung auf Nachahmerpräparate. Dafür wenden die Kassen weniger als 10 Prozent ihrer Netto-Ausgaben für Arzneimittel auf. Die Hersteller-Konzentration im Rabattvertragsmarkt bleibt hoch. 

Nach den Marktdaten für den September 2017 des Branchenverbandes Pro Generika decken Generikaunternehmen mit chemisch definierten Nachahmerprodukten beziehungsweise Biosimilars aktuell 77,2 Prozent des Arzneimittelbedarfs der GKV ab (nach DDD). Den Rest teilen sich patentgeschützte Arzneimittel (5,5 Prozent) und patentfreie Erstanbieterprodukte ohne (10,2 Prozent) beziehungsweise mit Generikakonkurrenz (7,1 Prozent).

Umsatz der Generikaunternehmen durch Rabattverträge halbiert

Die Krankenkassen wenden für immer mehr Generikaversorgung immer weniger Mittel auf, schreibt Pro Generika weiter. Dabei werde der Umsatz der Generika-Anbieter von 5,5 Milliarden Euro nach Herstellerabgabepreisen/HAP (2016) durch Rabattverträge (nach § 130 Abs. 8 SGB V) mehr als halbiert. Diese Berechnung beruht auf der Annahme, dass 85 Prozent der Verträge auf Generika entfallen. Zum Vergleich: Der Umsatz für patentgeschützte Arzneimittel nach HAP zulasten der GKV in 2016 wird mit 10,5 Milliarden und für patentfreie Erstanbieterprodukte (mit und ohne Generikakonkurrenz) mit weiteren 8,4 Milliarden Euro beziffert (ohne Rabattabzüge). Unter dem Strich, so rechnet Pro Generika vor, gibt die GKV für 77 Prozent der Arzneimittelversorgung weniger als 10 Prozent ihrer realen Arzneimittelkosten (21,1 Milliarden Euro nach HAP) aus. Fünf Jahre zuvor, in 2011, hatte der Anteil noch bei knapp 16 Prozent gelegen.

Strukturkomponente treibt die Arzneimittelausgaben

Nach Apothekenverkaufspreisen ist der GKV-Arzneimittelumsatz laut Pro Generika von Januar bis September 2017 um 3,2 Prozent auf über 29 Milliarden Euro gestiegen. Davon entfallen gut 8 Milliarden auf Nachahmerprodukte, die in den ersten drei Quartalen um 1,3 Prozent zugelegt haben. Mengenmäßig verzeichnet der GKV-Absatz der Nachahmer von Januar bis September 2017 dagegen ein leichtes Minus von 0,3 Prozent gegenüber den Vorjahresdaten. Als Hauptursache für den Anstieg der Arzneimittelausgaben in den ersten drei Quartalen des Jahres nennt der Branchenverband die Strukturkomponente mit einem Zuwachs von 5,6 Prozent, gefolgt vom Umsatz mit 3,2 Prozent, während Preis (-1,5 Prozent) und Menge (-0,8 Prozent) rückläufig waren.

Ein bisschen Rabattvertrags-Statistik

Für das gesamte Jahr 2017 geht Pro Generika nach Hochrechnungen von maximal knapp 21,1 Milliarden Euro an Einsparungen durch den verstärkten Einsatz von Generika aus. Bis Ende September sollen schon 13,3 Milliarden Euro realisiert worden sein. Außerdem soll die pharmazeutische Industrie von Januar bis September 2017 bereits gesetzliche Rabatte in Höhe von 1,28 Milliarden Euro geleistet haben. Hinzu kommen Apothekenrabatte in Höhe von 845 Milliarden Euro (-0,6 Prozent).

Die Anzahl der Rabattverträge ist im September 2017 im Vergleich zum Vormonat wieder deutlich angestiegen (von 27.080 auf 27.187, zum Vergleich: Im Januar 2017 waren es rund 25.200). Im September befanden sich knapp 16.600 Handelsformen unter Rabattverträgen. Die Zahl der Krankenkassen mit Rabattverträgen liegt konstant bei 113 und die der Unternehmen bei 170.  

Nur drei Anbieter für wichtige Therapeutika

In den letzten Jahren hat Pro Generika wiederholt davor gewarnt, dass die Marktverengung durch Rabattverträge immer mehr zunehme. Nach den Zahlen des Verbandes für 2016 liegt der Marktanteil der jeweiligen Top 3 Unternehmensgruppen nach Packungseinheiten für das Schmerzmittel Ibuprofen und das Immunsuppressivum Tacrolimus bei rund 98 Prozent, für das Krebs- und Rheumamedikament Methotrexat bei 94 Prozent und für das Schilddrüsenhormon Levothyroxin-Natrium bei 90 Prozent. Eine hohe Marktverengung durch Rabattverträge werde auch bei Antibiotika in Kauf genommen, hebt Pro Generika hervor. Hier sollen nach Daten aus 2016 die Top 3 Unternehmensgruppen nach Packungseinheiten so gut wie den kompletten Rabattvertragsmarkt für Cefixim, Doxycyclin und Clarithromycin unter sich aufteilen. Die Folgen hinsichtlich der Gefahr von Lieferengpässen sind sattsam bekannt.

Hohe Konzentration im Rabattvertragsmarkt setzt sich fort

Auch in diesem Jahr verharrt die Marktkonzentration im Rabattvertragsmarkt laut Pro Generika bislang auf sehr hohem Niveau: 51 Prozent des Absatzes (in Packungseinheiten) im gesamten GKV-Markt entfallen im September 2017 auf die Top 10 Hersteller. In den Marktsegmenten ohne beziehungsweise mit Rabattvertrag herrschen in etwa spiegelbildliche Verhältnisse: So kommen die Top 10 Hersteller in dem Segment ohne Rabattvertrag nach Absatz auf 34 und Marktsegment mit Rabattvertrag auf 70 Prozent. Anfang des Jahres und auch Anfang 2016 hatte die Relation nicht viel anders ausgesehen.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast

von Johann Bader am 14.11.2017 um 9:34 Uhr

Das Thema Marktkonzentration ist nicht ganz so einfach wie hier dargestellt. Wenn man den HHI anwendet, so ist die Marktkonzentration im Generikamarkt niedrig und hat in den letzten 10 Jahren abgenommen (hat auch Pro Generika in der Vergangenheit festgestellt). Ist doch auch logisch, Krankenkassen schließen Verträge mit dem günstigsten Hersteller, das sind oftmals kleinere Unternehmen. Pro Generika vertritt die Interessen der großen Generika-Hersteller. Im Vorstand sitzen etwa Vertreter von Hexal, Mylan und Aliud. Rabattverträge tun genau diesen Unternehmen am meisten weh.

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