Ex-Gesundheitsminister

Philipp Rösler wechselt zu chinesischem Mega-Konzern

Deutschland / China - 10.11.2017, 09:00 Uhr

Philipp Rösler: Der ehemalige Gesundheitsminister beginnt bei HNA, einem chinesischen Konzern. (Foto: Sergei Konkov / picture alliance)

Philipp Rösler: Der ehemalige Gesundheitsminister beginnt bei HNA, einem chinesischen Konzern. (Foto: Sergei Konkov / picture alliance)


Der frühere Gesundheitsminister Philipp Rösler wird seinen Job beim Weltwirtschaftsforum aufgeben und zukünftig für den chinesischen Mischkonzern HNA arbeiten. Das undurchsichtige Großunternehmen übernahm in den vergangenen Jahren viele westliche Firmen – und ist größter Einzelaktionär der Deutschen Bank.

Philipp Rösler war von 2009 bis 2011 Bundesgesundheitsminister, anschließend bis 2013 Bundeswirtschaftsminister, FDP-Bundesvorsitzender und Vizekanzler. Nachdem er seit 2014 beim Weltwirtschaftsforum für politische Beziehungen zuständig war, wird er zum Monatsende diesen Posten aufgeben, erklärte ein Sprecher des Weltwirtschaftsforums gegenüber dem „Spiegel“. „Er geht im Guten“, erklärte der Pressesprecher.

Zukünftig wird Rösler für den staatsnahen chinesischen Mischkonzern HNA arbeiten – genauer gesagt für die im Juli in New York gegründete „Hainan Cihang Charity Foundation“, die mit knapp 30 Prozent größter Einzelaktionär der HNA-Gruppe ist. Letztere hatte in den letzten Jahren durch aggressive Übernahmen Schlagzeilen gemacht – allein 2015 und 2016 hat HNA weltweit rund 50 Milliarden Dollar investiert: Sie ist an der Hotelkette Hilton beteiligt, hat in Fluggesellschaften und Immobilienfirmen investiert und ist mit knapp 10 Prozent größter Einzelaktionär der Deutschen Bank.

Röslers neuer Arbeitgeber: undurchsichtig

Gleichzeitig wird die HNA-Gruppe aufgrund ihrer undurchsichtigen Struktur schon lange kritisch beäugt. So prüft die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA nach Medienberichten von Juli, bei der Deutschen Bank ein Inhaberkontrollverfahren auch in Sachen HNA durchzuführen – obwohl die Regularien dies eigentlich erst ab einem Anteil von 10 Prozent erlauben.  

Wie auch andere chinesische Großkonzerne war die HNA-Gruppe in letzter Zeit unter Druck bekommen: Die chinesische Regierung wies Geldhäuser im Juni an, Kredite an Firmen wie die HNA-Gruppe, die groß im Ausland investieren, zu überprüfen. So musste die Gruppe laut „Spiegel Online“ unter anderem Anteile am Hotelkonzern NH Hotel verkaufen, um Schulden zu refinanzieren.

„Sich als liberal gesinnter Mensch bei einem chinesischen Konzern zu verdingen ist erklärungsbedürftig“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Rösler habe sich die Entscheidung aber womöglich nicht leicht gemacht: Die ersten Gespräche zum Jobwechsel hätten im März begonnen. Rösler beantwortete laut Medienberichten bislang keine Anfragen hierzu, die HNA-Gruppe lehnte eine Stellungnahme ab.


Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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