Umstrittene Kampagne gegen Hodenkrebs

„Kronjuwelen“ im Apothekenschaufenster – originell oder total daneben?

Stuttgart - 09.11.2017, 14:10 Uhr

Ihre Schaufenster-Deko bringt einer englischen Apothekerin viel PR, sogar in deutschen Zeitungen. (Screenshot: bild.de)

Ihre Schaufenster-Deko bringt einer englischen Apothekerin viel PR, sogar in deutschen Zeitungen. (Screenshot: bild.de)


„Wie gut kümmern Sie sich um Ihre Kronjuwelen?” Darunter, schön drapiert auf einem roten Kissen, ein paar dieser „Kronjuwelen“, also Hoden. Damit wollte eine Apothekerin aus dem englischen Ivybridge ihre männlichen Kunden auf das Thema Hodenkrebs aufmerksam machen. Allerdings kam ihre Idee nicht bei allen gut an. 

Eigentlich wollte Apothekerin Lynda Kelley aus dem englischen Ivybridge nur in irgendeiner Weise die Movember-Bewegung, eine jährliche Kampagne, die auf das Thema Männergesundheit aufmerksam machen soll, hinweisen. Nun hat sie es mit ihrer Idee sogar in die Presse geschafft – und zwar nicht nur national, sondern auch international: Die „Bild“ hat darüber berichtet. Doch was hat sie Aufsehenerregendes getan?

Eines der Männergesundheitsthemen, das während des „Movember“ ins Bewusstsein rücken soll, ist Hodenkrebs – neben Suiziden und Prostatakrebs. Daher hat die 36-jährige Apothekerin Medienberichten zufolge die naturgetreue Nachbildung eines Hodenpaars im Schaufenster ausgestellt. Sie wollte bewusst etwas machen, das ungewöhnlich ist und Aufsehen erregt, heißt es. Präsentiert wurde das Ganze wie ein wertvolles Schmuckstück – Kronjuwelen eben – auf einem roten Kissen. Darüber befand sich ein Plakat „Wie gut kümmern Sie sich um Ihre Kronjuwelen?” zudem eine Abwandlung des bekannten Slogans „Keep calm and carry on“, nämlich „Keep calm and check your balls.“ Doch bald kamen die ersten Beschwerden. Ein Anwohner sorgte sich um die Kinder, die dort vorbeigehen. 

Apothekerin ärgert sich über die Beschwerden

Die Apothekerin, die selbst nahe Angehörige durch Krebs verloren hat, hat sich den Berichten zufolge über die Beschwerden sehr geärgert. Es mache sie traurig, dass sich jemand durch eine Kampagne gestört fühlt, die auf Krebs aufmerksam machen soll. Wenn man verhindern kann, dass jemand an Krebs stirbt, müsse man das tun  – und im Falle von Hodenkrebs könne man das. Sie räumt aber auch ein, dass die Kampagne durchaus gewagt war. Aber mit einem einfachen Poster hätte man nicht diese Aufmerksamkeit erlangt.

Ursprünglich war geplant, dass die Kampagne den ganzen November läuft. Aber der Apothekerin wurde offenbar nahegelegt, sollte es noch mehr Beschwerden geben, die Aktion vorzeitig zu beenden.

Kinder lachen übrigens beim Vorbeigehen, heißt es in der britischen Zeitung. Aber es habe laut der Apothekerin auch schon Jungs gegeben, die das Schaufenster zum Anlass genommen hätten, ihre Hoden zu Hause zu untersuchen. Und genau das sei ja das Ziel gewesen. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

Why not?

von Helga Blasius am 09.11.2017 um 18:48 Uhr

Also bislang habe ich immer gedacht, gerade die Briten hätten Sinn für schrägen Humor. Wobei das ja durchaus ein ernstes Thema ist. Immerhin hat die Kampagne offenbar die Aufmerksamkeit erzeugt, die das Thema verdient hat. Was mich ja nur noch interessieren würde, ist, ob sich mehr Männer oder Frauen darüber aufgeregt haben...

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