Jamaika-Sondierungen

Honorar-Gutachten verzögert sich – SPD sauer

Berlin - 08.11.2017, 07:00 Uhr

Die Apothekenexpertin der SPD, Sabine Dittmar, findet, dass die Expertise aus dem Honorargutachten Eingang in die Gespräche der Jamaika-Sondierer zum Apothekenmarkt finden sollte. (Foto: Kuelker)

Die Apothekenexpertin der SPD, Sabine Dittmar, findet, dass die Expertise aus dem Honorargutachten Eingang in die Gespräche der Jamaika-Sondierer zum Apothekenmarkt finden sollte. (Foto: Kuelker)


Die Veröffentlichung des Gutachtens zum Apothekenhonorar verzögert sich offenbar weiter. Ursprünglich wollte das Bundeswirtschaftsministerium die Studie Mitte November vorstellen, nun gilt „dieses Jahr“ als das neue Ziel. Die SPD-Apothekenexpertin Sabine Dittmar befürchtet, dass das Gutachten parteipolitischen Strategien zum Opfer fallen könnte und verlangt, dass die mögliche Jamaika-Koalition das Papier in ihre Überlegungen einbaut.

Das vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) in Auftrag gegebene Gutachten zum Apothekenhonorar lässt weiter auf sich warten. Dem Vernehmen nach hat die beauftragte Agentur die Studie schon vor einiger Zeit an das Ministerium versendet. Das BMWi scheint das Papier aber weiterhin in der Schublade versteckt zu halten. Das Gutachten sollte eigentlich Mitte November vorgestellt werden, unter den Gesundheitspolitikern im Bundestag wurde immer wieder der 14. November als möglicher Vorstellungstermin genannt, während das BMWi immer wieder nur „Herbst 2017“ angab.

Nach Informationen von DAZ.online wurde dieser Termin aber nun wieder gestrichen. Und in der Tat: Das Ministerium will zwar immer noch nicht sagen, wann das Papier genau veröffentlicht wird. Auf Anfragen zu dem Thema heißt es aber inzwischen: „Voraussichtlich dieses Jahr“ werde es eine Vorstellung geben. 

Termin der Gutachten-Veröffentlichung ist nicht zu unterschätzen

Die Inhalte des Papiers könnten für die Apotheker nicht wichtiger sein: Es gilt als politischer Konsens, dass das Apothekenhonorar überarbeitet werden muss. Grüne und FDP wollen den Rx-Versand erhalten und „im Gegenzug“ neue Beratungshonorare einführen, so dass die pharmazeutischen Kompetenzen stärker in der Vergütung abgebildet werden. Und auch einige Unionspolitiker fordern inzwischen Änderungen an der Vergütung, hin zu mehr Honorar-Bestandteilen.

Und auch der Termin der Gutachten-Veröffentlichung ist nicht zu unterschätzen: Am morgigen Donnerstag wollen die vier Parteien der möglichen Jamaika-Koalition erneut über das Thema Gesundheit sprechen. Bei ihrer ersten Sitzung zu sozialen Themen hatten die Jamaika-Sondierer bereits angekündigt, dass der Apothekenmarkt thematisiert werden soll. Verzögert sich die Veröffentlichung der Ergebnisse weiter, könnte es dazu kommen, dass sich Union, FDP und Grüne auf eine Positionierung zum Apothekenmarkt und zum Honorar für den Koalitionsvertrag einigen, ohne dabei die Erkenntnisse des Gutachtens berücksichtigt zu haben. Bei einer späteren Vorstellung würden die Inhalte sehr wahrscheinlich schnell versickern.

SPD-Gesundheitsexpertin will weiter Gesundheitspolitik machen 

Und genau davor fürchtet sich nun die SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmar. Die bayerische Sozialdemokratin ist erneut in den Bundestag gewählt worden und war in der vergangenen Legislaturperiode zuständig für alle Fragen rund um den Apothekenmarkt. Dass Dittmar in der nun begonnenen Wahlperiode wieder Apothekenthemen bearbeitet, steht noch nicht fest, da sich die Ausschüsse im Bundestag noch nicht gebildet haben. Die Medizinerin hat aber bereits angekündigt, dass sie weiterhin Gesundheitspolitik machen möchte.

Korrektur: in einer ursprünglichen Version des Artikels hieß es fälschlicherweise, am heutigen Mittwoch würden Gesundheitsthemen verhandelt. Wir bitten den Dreher zu entschuldigen. 



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Setzen 6

von Hubert Kaps am 08.11.2017 um 13:28 Uhr

Was soll dieses ganze Fragenaufgewerfe, was sollen diese Rufe von der Seitenlinie. Frau Dittmar hat die Grundsatzfrage Heilberufler oder Großkonzerne in der AM-Distribution für sich längst beantwortet. Auch wenn Sie beim Rezepturhonorar nicht untätig war, handelt es sich dabei nur um die kleinen Brösel, die großen Brocken wandern mitlerweile zunehmend woanders hin. Sie hatte lange genug Zeit, um uns substantiell zu helfen. Dies konnte oder wollte sie nicht. Und ihre Vorschläge schlicht untauglich. Allein das Wort Bonusdeckel ist z.B. im Holändischen nicht bekannt.
Vielleicht gibt es ja was anderes zu tun in berlin

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