Nach einem Jahr

ABDA-Präsident erklärt Medikationsplan-Projekt für gescheitert

Berlin - 08.11.2017, 16:00 Uhr

Aus Sicht der Apotheker ist der Medikationsplan in der jetzigen Form gescheitert, sagt der ABDA-Präsident. (Foto: Schelbert) 

Aus Sicht der Apotheker ist der Medikationsplan in der jetzigen Form gescheitert, sagt der ABDA-Präsident. (Foto: Schelbert) 


Der vor einem Jahr eingeführte bundeseinheitliche Medikationsplan für Versicherte, die drei oder mehr Arzneimittel einnehmen müssen, funktioniert aus Sicht der Apotheker nicht. Dabei sei der Plan für die Patienten essenziell zur Erhöhung der Therapiesicherheit, sagte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt am heutigen Mittwoch der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft .

Seit Oktober 2016 hat jeder Versicherte, der drei oder mehr Arzneimittel nehmen muss, Anspruch auf einen Medikationsplan. Zunächst wird er nur auf Papier erstellt. Von 2018 an soll er elektronisch von der Gesundheitskarte abrufbar sein. Dieser werde bisher aber nur selten von Haus- und Fachärzten herausgegeben, sagte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt nun der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft . Eigentlich müsste aber jeder dritte Patient einen solchen Plan besitzen, erklärt er. Apotheker bekämen ihn jedoch selten zu sehen. Aus Sicht der Apotheker sei der Plan in der jetzigen Form gescheitert, so Schmidt. 

Schließlich, unterstreicht Friedemann Schmidt, sterben jedes Jahr Tausende Patienten oder werden ins Krankenhaus eingewiesen, weil die verschriebenen Medikamente falsch oder gar nicht eingenommen werden oder schwere Wechselwirkungen auslösen. Für die Hausärzte sei das alleine kaum zu leisten. „Und dann gibt es Zettel vom Facharzt, den Entlassbrief vom Krankenhaus. Niemand führt das zusammen.“ Im Übrigen sei das, sagt Schmidt, nicht nur wichtig für die Patientensicherheit - die Zahl der benötigten Medikamente ließe sich mit einem eindeutigen Überblick über die tatsächlich genommenen Wirkstoffe auch verringern. Der ABDA- Chef fordert daher diesbezüglich rasches Handeln. Der künftige Bundesgesundheitsminister müsse das Problem schnell angehen.

Umfrage der hkk bestätigt Einschätzung

Offenbar nehmen auch die Patienten den Plan nicht gut an. Das zeigt kürzlich durchgeführte Umfrage der Handelskrankenkasse (hkk). Anhand einer Zufallsstichprobe hat die Kasse 1000 Versicherte zum Plan befragt, 324 von ihnen haben geantwortet. Aus der Befragung geht zunächst hervor, dass nur etwa 38 Prozent der Versicherten, die eigentlich einen Anspruch auf und Bedarf an einem Medikationsplan hätten, ihn auch wirklich erhalten haben. Die Umfrage zeigt auch, dass die Patienten, die den Plan wirklich erhalten haben, alles andere als zufrieden sind. Ein Viertel der Befragten mit Medikationsplan gab demnach an, nicht oder nur unzureichend über den Sinn des Plans aufgeklärt worden zu sein. Knapp 21 Prozent erklärten, dass sie vom verantwortlichen Arzt weder über den Nutzen noch über die Einnahmemodalitäten der verordneten Medikamente informiert wurden.


dpa / DAZ.online
redaktion@daz.online


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