Infektiologen-Verband

Antibiotika-Therapiedauer muss auf Patienten abgestimmt werden

Stuttgart - 07.11.2017, 13:00 Uhr

Im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen stehen derzeit alte Paradigmen auf dem Prüfstand. (Foto: jarun011 / Fotolia)

Im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen stehen derzeit alte Paradigmen auf dem Prüfstand. (Foto: jarun011 / Fotolia)


Immer die Packung aufbrauchen? Laut Studien sind kurze Antibiotika-Gaben für viele Patienten besser, wie jetzt auch die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie betont. Gleichzeitig warnt der Medizinerverband, dass dies nicht für jeden Patienten gilt.

Viele Patienten (und Ärzte und Apotheker) haben gelernt: Bei Antibiotika sollte immer die komplette Packung aufgebraucht werden. „Doch diese Faustregel ist überholt“, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) in einer aktuellen Stellungnahme. Denn wie berichtet ergeben immer mehr Studien, dass Patienten in einer Vielzahl von Fällen von kurzen Antibiotika-Therapien profitieren. „Untersuchungen der letzten Jahre liefern immer mehr Belege, dass bei vielen Infektionen eine kürzere Einnahmezeit genauso wirksam ist“, erklärt die DGI.

Viele Jahre sei man davon ausgegangen, dass eine längere Antibiotika-Therapie die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr der Infektion oder die Ausbildung von Resistenzen verringert, betont der Verband. Doch anders als angenommen böte eine kürzere Therapie den Vorteil, dass weniger resistente Erreger entstehen, schreibt die DGI. So ergeben einige Studien, dass kürzere Antibiotika-Therapien in manchen Fällen überlegen sein können – beispielsweise dadurch, dass sie mit weniger Nebenwirkungen einhergehen. 


Dahinter stand der Gedanke, möglichst alle krankmachenden Bakterien abzutöten. Heute wissen wir: Je länger die Bakterien dem Selektionsdruck eines antimikrobiellen Wirkstoffs ausgesetzt sind, desto wahrscheinlicher überleben überwiegend resistente, also gegen das Mittel unempfindliche Erreger.

Gerd Fätkenheuer, DGI-Vorsitzender und Leiter der Infektiologie am Uniklinikum Köln


„Dennoch sollten Patienten Antibiotika nicht in Eigenregie absetzen, sobald sie sich besser fühlen“, DGI-Vorsitzender Gerd Fätkenheuer. „Vielmehr sollten Antiinfektiva individuell abgestimmt auf die bakterielle Infektion und in enger Absprache mit dem Arzt eingenommen und abgesetzt werden.“ Denn auch eine Pauschalisierung, dass nunmehr immer kurz therapiert werden dürfe, könne für manche Patienten gefährlich sein.



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Antibiotika-Tag am 18. November

Ambulante Antibiotikaverordnungen steigen nicht

Infektiologen und Klinikapotheker warnen

Antibiotika-Engpässe gefährden Patientensicherheit

Mit dem Antibiotic-Stewardship-Programm zu einer rationalen Antibiotika-Therapie

ABS für Antiinfektiva

Der „Berliner Patient“ – Teil 2?

HIV, CCR5 und die Hoffnung auf Heilung

Grundlagen für das Medikationsmanagement

Harnwegsinfektionen

Ursachen und Auswege

Resistenzen überwinden

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.