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Erkältungssymptom Husten – Trocken oder verschleimt?

Hamburg - 22.11.2017, 13:50 Uhr

(Foto: nikodash / stock.adobe.com)

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Egal ob produktiv oder unproduktiv: Husten nervt! Welche Arzneimittel bei dem lästigen Erkältungssymptom helfen, und wie man leichte von schweren Fällen unterscheidet, lesen Sie in folgendem Artikel.

Husten ist ein Reinigungsmechanismus und an sich keine Krankheit. Aber der Schutzreflex beeinträchtigt oft erheblich Wohlbefinden, Nachtschlaf und Leistungsfähigkeit. In den ersten Tagen kommt es zu einem trockenen Reizhusten, der im weiteren Verlauf in einen schleimigen, produktiven Husten übergeht. Grund hierfür sind entzündungsbedingte Veränderungen der Bronchialschleimhaut und des Bronchialsekrets, welches vermehrt gebildet und zunehmend zäher wird. Mithilfe des produktiven Hustens soll der Schleim mitsamt Erkältungserregern aus den Atemwegen hinausbefördert werden. Da die mukoziliäre Clearance (siehe Kasten) aufgrund der veränderten Sekretkonsistenz stark beeinträchtigt ist, gelingt dies nicht immer auf Anhieb. Charakteristisch für den akuten Erkältungshusten ist die auf acht, höchstens 14 Tage begrenzte Dauer.

Mukoziliäre Clearance 

Mit der Atemluft inhaliert man neben Sauerstoff auch Staubpartikel und Erreger, die teilweise bis in die unteren Atemwege gelangen. Um derartige Fremdbestandteile aus dem Bronchialsystem zu entfernen und die Leistungsfähigkeit der Lunge langfristig zu gewährleisten, benötigt man effiziente Reinigungsmechanismen. Einer der wichtigsten ist die mukoziliäre Clearance. Sie funktioniert folgendermaßen: 

Das respiratorische Epithel kleidet den größten Bereich der Atemwege aus und besteht vorwiegend aus schleimbildenden Becherzellen (ca. 20%) und Flimmerzellen (ca. 80%). Letztere tragen an ihrer Oberfläche feine Härchen (Zilien). Diese sind von dünnflüssigem Sekret (periziliäre Flüssigkeit, Solphase) umgeben. Darauf befindet sich eine zweite, visköse Schicht (Mukus, Gelphase), in der Fremdbestandteile haften bleiben. Durch koordinierte Zilienbewegungen innerhalb der Solphase erfolgt der Abtransport des zähen Mukus mitsamt seiner Fracht in Richtung Rachen. Der Mukus wird verschluckt oder abgehustet. Diesen Vorgang bezeichnet man als mukoziliäre Clearance. 

Wann zum Arzt?

Nicht immer lässt sich Husten im Rahmen der Selbstmedikation behandeln. Ein Arztbesuch ist beispielsweise angezeigt, wenn der Ratsuchende unter Erkältungshusten leidet, der länger als zwei Wochen anhält, dem Husten keine klare Ursache zuzuordnen ist, Atemnot, Atemgeräusche (Giemen, Keuchen) oder Bluthusten auftritt, oder die Beschwerden mit hohem oder plötzlich einsetzendem Fieber einhergehen. Auch bei Verdacht auf bakterielle Infektion oder auf Fremdkörperaspiration – an letzteres ist gerade bei Kleinkindern zu denken – ist ein Arztbesuch Pflicht. Personen mit Grunderkrankungen wie z.B. Asthma, COPD oder Herzinsuffizienz – also Krankeiten, die mit Husten in Verbindung stehen – sollten ebenso an einen Arzt verwiesen werden wie solche, bei denen der Husten möglicherweise medikamentenbedingt ist (z.B. UAW eines ACE-Hemmers).

Stehen Erwachsene oder Jugendliche mit akutem Erkältungshusten vor dem HV-Tisch, die ansonsten gesund sind und bei denen keine Besonderheiten vorliegen, kann zu entsprechenden Präparaten gegriffen werden. Abhängig davon, welcher Husten vorherrscht, gibt es verschiedene chemische und pflanzliche Wirkstoffe für die Behandlung von Hustenpatienten. 

Abgrenzung zum akuten Erkältungshusten

Der akute Erkältungshusten ist in der Regel auf höchstens 14 Tage begrenzt. Infektionen durch Adenoviren oder Mykoplasmen (Bakterien) können jedoch eine bronchiale Hyperreaktivität hinterlassen. Dann hält der Husten bisweilen wochenlang an und wird somit chronisch.

Abzugrenzen vom Erkältungshusten ist außerdem Husten durch chronische Grunderkrankungen, Fremdkörperaspiration, oder aufgrund schwerwiegender Ursachen wie Pneumonie oder einem Bronchialkarzinom. Auch Keuchhusten, eine Lungenembolie oder ein Pneumothorax sind bei entsprechenden Symptomen vom Arzt in Betracht zu ziehen. Jeder Verdacht auf Ursachen jenseits banaler Infekte verbietet die reine Selbstbehandlung. Zu bedenken ist, dass hustenauslösende Reize auch von außen kommen können: Rauch, kalte Luft, Chemikalien und ähnliche Noxen aktivieren die Hustenrezeptoren der oberen Atemwege. Diese leiten nervale Reize ans Hustenzentrum weiter, das einen Hustenstoß auslöst. Der wichtigste „Hustenreiz-Leiter“ ist dabei der Nervus Vagus. 

Trockenen Husten dämpfen

Für die Behandlung des Reizhustens stehen verschiedene Antitussiva zur Verfügung. Sie mindern die Häufigkeit und Intensität von Hustenstößen durch Hemmung des Hustenzentrums im Stammhirn und/oder durch Blockade sensibler Hustenrezeptoren in der Peripherie. Wichtig: Antitussiva sind nur bei trockenem Reizhusten angezeigt und verlieren ihre Indikation, sobald der unproduktive in einen produktiven Husten übergeht. Als rein zentral wirkendes Mittel steht in der Selbstmedikation nur Dextromethorphan zur Verfügung (siehe Tabelle 1).

Pentoxyverin hat neben einer zentralen hustenstillenden Wirkung u.a. auch eine leicht bronchodilatatorische Komponente. Beide Substanzen zeichnen sich durch einen raschen Wirkeintritt und eine lang anhaltende Wirksamkeit (DMP: 5-6 Std., Pentoxyverin 3-6 Std.) aus. Die entsprechenden Kontraindikationen und Wechselwirkungen sind zu beachten. Hinweisen sollte man bei der Abgabe beispielsweise auf eine mögliche Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit, dass zentraldämpfende Stoffe in ihrer Wirkung verstärkt werden können, und dass Alkohol tabu ist. Der Verordnung vorbehalten bleiben Levodropropizin, Codein, Dihydrocodein und Noscapin. 

Tabelle 1: Übersicht über synthetische Antitussiva (Beispiele)

Wirkstoff Präparate
Benproperin Tussafug® überzogene Tabletten
Dextromethorphan

Hustenstiller-ratiopharm® Dextromethorphan Kapseln

Silomat® DMP Lutschpastillen

Silomat® DMP Intensiv gegen Reizhusten Hartkapseln

Wick® Husten-Sirup

Wick® Husten-Pastillen

Dropropizin Larylin® Husten-Stiller Saft / Lutschpastillen          
Pentoxyverin

Silomat® gegen Reizhusten Pentoxyverin Saft / Tropfen

Sedotussin® Hustenstiller Saft / Tropfen

Pflanzliche Hilfe bei Hustenreiz

Pflanzliche Schleimstoffe können gereizte Schleimhäute im Mund- und Rachenraum mit einer Art Schutzfilm bedecken. Diese kann die Reizung lindern und deckt die hustenauslösenden Mechanorezeptoren in den oberen Atemwegen ab. Entsprechende Präparate wirken also antitussiv durch „Einhüllung“ der Hustenrezeptoren. Zu den Schleimstoffpflanzen, die zubereitet als Pastillen, Saft und Sirup verfügbar sind, zählen Spitzwegerich, Isländisches Moos und Eibisch (siehe Tabelle 2). Übrigens: In Hustensäften auf Basis von Zuckersirup trägt auch der Zucker zum „Einlullen“ der Hustenrezeptoren bei.

Tabelle 2: Übersicht über pflanzliche Antitussiva (Beispiele)

Wirkstoff Präparate
Spitzwegerichblätter

Broncholind® Saft

Broncho-Sern® Sirup

Isländisch Moos

Isla moos® Pastillen

Aspecton® Halstabletten

Eibischwurzel

Phytohustil® Hustenreizstiller Sirup / Pastillen

Silomat® gegen Reizhusten Eibisch/Honig-Sirup

Verschleimten Husten lösen

Bei produktivem Husten fördern Expektoranzien das Lösen von zähem Schleim und erleichtern darüber das Abhusten. Als synthetische Stoffe kommen Acetylcystein, Ambroxol, Bromhexin und Guaifenesin infrage (siehe Tabelle 3). Entsprechende Kontraindikationen und Wechselwirkungen sind zu beachten: Bei N-Acetylcystein beispielsweise kann der Hinweis auf den zweistündigen Einnahmeabstand zu Penicillinen, Cefalosporinen und Tetracyclinen (außer Doxycyclin) wichtig sein.

Tabelle 3: Übersicht über synthetische Expektoranzien (Beispiele)

Wirkstoff Präparate
Acetylcystein

ACC® akut Brausetabletten

NAC akut – 1A Pharma® Brausetabletten

NAC-ratiopharm® akut Brausetabletten

Ambroxol

Mucosolvan® Filmtabletten / Saft / Tropfen / Lutschpastillen / Retardkapseln

Wick® Schleimlöser Lösung / Brausetabletten / Tabletten / Retardkapseln

Ambroxol AL® Tabletten / Retardkapseln / Saft / Tropfen

Bromhexin

Bisolvon® Saft / Tabletten

Bromhexin Berlin-Chemie® Tropfen / überzogene Tabletten

Bromhexin Krewel Meuselbach® Tropfen / Tabletten

Guaifenesin

Fagusan® Lösung

Wick® Husten-Löser Sirup

Für Kunden, die ihre Beschwerden gerne mit pflanzlicher Hilfe lindern wollen, stehen entsprechende Phytopharmaka bereit, die das Verflüssigen des zähen Schleims und das Abhusten aus den Atemwegen unterstützen. Es gibt Präparate(kombinationen) aus Thymian, Efeu und Primel, solche mit ätherischen Ölen (z.B. Cineol), sowie standardisierte Pelargoniumextrakte (siehe Tabelle 4). Mögliche Nebenwirkungen der pflanzlichen Mittel sind z.B. allergische Reaktionen oder Magen-Darm-Beschwerden. Patienten mit Atemwegserkrankungen wie Asthma sollten Ätherisch-Öl-Präparate nur nach Rücksprache mit einem Arzt einnehmen. 

Tabelle 4: Übersicht über expektorierende Phytopharmaka (Beispiele)

Pflanze bzw. Pflanzenextrakt Präparate
Thymian Soledum® Hustensaft / Hustentropfen
Melrosum® Hustensirup
Aspecton® Hustensaft / Tropfen
Hustagil® Thymian Hustensaft
Thymiverlan® Lösung
Bronchicum® Thymian Lutschpastillen
Bronchipret® Thymian Pastillen
Nimopect® Hustensaft
Gelobronchial® Saft
Pertussin® Sirup
Tussamag® Hustensaft N
Thymian + Primel Bronchicum® Kapseln / Saft / Tropfen
Bronchicum® Elixir
Bronchipret® TP Filmtabletten
Phytobronchin® Saft
Thymian + Efeu Bronchipret® Saft TE
Bronchipret® Tropfen
Efeu Bronchoverde® Hustensaft / Hustenlöser Granulat / Hustenlöser Brausetabletten
Bronchostad® Hustenlöser Sirup
Hedelix® Husten- Brausetabletten / Saft / Tropfen
Prospan® Hustensaft / Brausetabletten / Lutschpastilllen / Liquid
Sinuc® Saft / Tropfen / Tabletten
Kapland-Pelargonie Umckaloabo® Filmtabletten / Flüssigkeit
Pelargonium-ratiopharm® Bronchialtropfen
Cineol Soledum® magensaftresistente Weichkapseln
Eukalyptusöl Aspecton® Eukaps Weichkapseln
Eukalyptusöl, Myrtenöl, Süßorangenöl, Zitronenöl Myrtol® magensaftresistente Weichkapseln
Gelomyrtol® forte magensaftresistente Weichkapseln.

Auf Flüssigkeitszufuhr achten

Wichtig ist es, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten – nicht nur unter einer schleimlösenden Therapie. In diesem Zusammenhang lassen sich gut Arzneitees mit Kombinationen aus reizlindernden und sekretolytischen Drogen empfehlen, wie beispielsweise der Husten- und Bronchialtee von Sidroga® bzw. H&S®, oder der Sidroga® Reizhustentee. 

Schniefnase adé 

Gut beraten bei Schnupfen

Zur lokalen Befeuchtung der oberen Atemwege sind Wasserdampfinhalationen geeignet. Entsprechende Zusätze enthalten ätherische Öle. Mit der Druckverneblerinhalation wird die Feuchtigkeit tief in die Bronchien gebracht. Dazu werden elektrisch betriebene Vernebler (z.B. Pari® Compact) mit isotonischer Kochsalzlösung (z.B. Pari® NaCl Inhalationslösung) oder anderen geeigneten Zusätzen beschickt. 

Zum Weiterlesen

Netztipp

Für verschiedene Bereiche, darunter die Beratung im Rahmen der Selbstmedikation, hat die Bundesapothekerkammer Leitlinien und Arbeitshilfen zusammengestellt. Als Anwendungsbeispiel ist unter anderem das Thema „Husten“ zu finden. In einem Flussdiagramm werden die wichtigsten Stationen eines optimalen Beratungsgespräches vorgestellt. Die Leitlinien und Arbeitshilfen finden Sie auf www.abda.de.

Zeitschriften-Tipp

Die November-Ausgabe der Teamschulung 2017 beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema Husten. Das Fortbildungsheft richtet sich mit verschiedenen Selbstmedikationsthemen an das gesamte Apothekenteam. In der Zeitschrift, die der DAZ und der PTAheute beiliegt, werden die Grundlagen des akuten Erkältungshustens erörtert, ausführliche Beratungshilfen mitsamt nützlichen Tipps an die Hand gegeben, und die entsprechenden Arzneimittel in der Selbstmedikation detailliert besprochen. Auch den homöopathischen und anthroposophischen Optionen sowie weiteren Therapieergänzungen werden ausreichend Raum gegeben. Eine übersichtliche Tabelle zu freiverkäuflichen und apothekenpflichtigen Arzneimitteln sorgt für einen guten Überblick. Mit der zertifizierten Fortbildung im Heft lassen sich außerdem Fortbildungspunkte sammeln. Übrigens: Wer eine Ausgabe verpasst hat, kann sie problemlos bestellen: Einfach eine E-Mail an service@deutscher-apotheker-verlag.de schreiben oder den Abo-Service anrufen unter der Telefonnummer 0711 25 82 353.

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Annette Lüdecke (lue), Apothekerin
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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