Apotheker ohne Grenzen

Neues Handbuch für die Katastrophenpharmazie

30.10.2017, 16:20 Uhr

Die Apothekerin Carina Vetye hat Handbuch für  Katastropheneinsätze verfasst. (Foto: Eugen Wagner und Dr. Carina Vetye)

Die Apothekerin Carina Vetye hat Handbuch für  Katastropheneinsätze verfasst. (Foto: Eugen Wagner und Dr. Carina Vetye)


Apotheker und Ärzte können in Katastropheneinsätzen rund um den Globus ab sofort ein neues Handbuch nutzen. Es enthält erstmals für jeden Wirkstoff alle wesentlichen Indikationen, Dosierungen, Altersgruppen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen auf jeweils einer Seite einfach und praktisch zusammenfasst. Die Autorin ist eine erfahrene Projektkoordinatorin bei „Apotheker ohne Grenzen“.

Ab November steht für Apotheker und Ärzte, die sich weltweit in Hilfsprojekten für die Arzneimittelversorgung vor Ort engagieren, ein neues Handbuch zur Verfügung. Geschrieben hat es die deutsche Apothekerin Carina Vetye. Sie leitet hauptamtlich die Projekte von Apotheker ohne Grenzen Deutschland (AoG) in Slums von Argentinien und ist für die pharmazeutische Ausbildung und Qualifizierung der zukünftigen AoG-Einsatzkräfte verantwortlich. „Die Katastrophenhilfe glich bislang einer Schnitzeljagd, um alle wichtigen Informationen zu den mitgenommenen und vor Ort eingesetzten Arzneimitteln zu erhalten", erklärt Vetye. „Bisher konnten weniger Patienten mit Medikamenten versorgt werden, als dies wünschenswert gewesen wäre. Bei einer Katastrophe zählen jedoch Sicherheit und Schnelligkeit.  Mit dem neuen Handbuch lässt sich die Patientenzahl pro Tag mindestens verdoppeln“, so hofft sie . 

Basis für das Handbuch ist das so genannte Interagency Emergency Health Kit (IEHK) der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In diesem standardisierten Großpaket befinden sich diejenigen Arzneimittel, die im Fall einer Katastrophe wie Erdbeben oder Wirbelsturm schnell und problemlos in jedes betroffene Land dieser Erde mitgenommen werden dürfen. Es ist auf die Grundversorgung von 10000 Menschen über rund drei Monate ausgelegt. In dem Arzneimittelsortiment, das auf der „Essential Medicines List“ der WHO basiert, befinden sich auch Wirkstoffe wie z.B. Albendazol, die den meisten westlichen Ärzten und Apothekern bei Nothilfeeinsätzen kaum geläufig sind. 

Für Apotheker und Ärzte enorm hilfreich

In den Schulungen der Einsatzkräfte der Apotheker ohne Grenzen sowie in deren Katastropheneinsätzen in Nepal und Haiti werde das Manual bereits seit zwei Jahren erfolgreich getestet, teilt AoG mit. Der Vorstandsvorsitzende der Hilfsorganisation Jochen Schreeck meint sogar, dass es die Katastrophenpharmazie „revolutionieren“ könne. „Carina Vetye ist seit vielen Jahren für Apotheker ohne Grenzen tätig und kennt die spezifischen Anforderungen im Einsatz“, bekräftigt er. „Deshalb ist das Manual ist für Apotheker und Ärzte enorm hilfreich.“



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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