Welt-Osteoporosetag 2017

Romosozumab - Hoffnung für die Knochen, teuflisch fürs Herz?

20.10.2017, 07:00 Uhr

Morsche Knochen bei Osteoporose: Romosozumab baut den Knochen auf, hat offenbar aber kardiotoxische Wirkungen. (defpics / stock.adobe.com)

Morsche Knochen bei Osteoporose: Romosozumab baut den Knochen auf, hat offenbar aber kardiotoxische Wirkungen. (defpics / stock.adobe.com)


Wird der Knochen spröde, gibt es eigentlich zwei therapeutische Ansatzpunkte: Arzneimittel können den Knochenaufbau stimulieren oder den Knochenabbau hemmen – osteoanabol oder antiresorptiv wirken. Romosozumab schafft beides, die osteoanabole und die antiresorptive Strategie – mit einem völlig neuen Angriffspunkt: Sclerostin. Ein idealer Kandidat gegen Osteoporose? Klingt so, aber es zeigen sich auch schon graue Wolken am rosa Romosozumab-Himmel.

Erwartet Osteoporose-Patienten nach Bisphosphonaten, Teriparatid und Denosumab seit Langem wieder ein neues Arzneimittel? Bislang nur „vielleicht". Denn der potenzielle Kandidat Romosozumab hat die Hürden der Zulassung bislang noch nicht gemeistert. Amgen lässt seinen innovativen Hoffnungsträger bei Osteoporose derzeit in Phase-III-Untersuchungen bis auf die Knochen prüfen – und aufs Herz. Innovativ ist Romosozumab, weil der Antikörper einen völlig neuen, in der Behandlung der Osteoporose noch nicht genutzten Therapieansatz verfolgt. Wurde seither der Fokus der Osteoporose-Behandlung meist auf die Hemmung der Osteoklastenaktivität gelenkt, könnte sich der pharmakotherapeutische Ansatz bei Osteoporose mit Romosozumab um die Osteoblasten-aktivierende Option erweitern.

Sclerostin-Antikörper neuer Therapieansatz bei Osteoporose

Sclerostin ist das Zauberwort und der Angriffspunkt des humanisierten Antikörpers Romosozumab. Osteozyten sezernieren das Glycoprotein Sclerostin, das die Differenzierung knochenaufbauender Osteoblasten hemmt und die knochenabbauenden Osteoklasten aktiviert – genau das, was bei Osteoporose unerwünscht ist. Aufmerksam wurden Forscher auf Sclerostin durch Mäuse, denen dieses Glykoprotein fehlte und deren Knochenmasse höher war, als die von Sclerostin-positiven Nagern.

Sclerostin wurde zum Ziel der Forschung. Und in Zeiten, in denen Antikörper mit immer unaussprechlicheren Namen wie Pilze aus dem Boden schießen, entwickelten Amgen und UCB mit Romosozumab den ersten Sclerostin-Antikörper. Die Idee hinter dem innovativen Sclerostin-Antikörper ist, den Knochenaufbau aktiv zu fördern, indem Romosozumab die Proliferation und Aktivität der Osteoblasten durch Hemmung von Sclerostin fördert.

Auch Lilly widmet sich Sclerostin. Der Antikörper in der Pipeline des Bad Homburger Pharmakonzerns, Blosozumab, ist allerdings noch nicht so weit gediehen. Lilly änderte die Formulierung von Blosozumab im vergangenen Jahr nochmals, und der Antikörper fiel von der Phase-II wieder zurück in Phase-I.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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