Influenzasaison

Vierfach-Impfung gegen Grippe: Ändert die STIKO ihre Empfehlung?

Stuttgart - 17.10.2017, 07:00 Uhr

Kommt die Vierfach-Grippeimpfung ab 2018/2019 als standardmäßig? Die STIKO diskutiert ihre aktuelle Empfehlung. (Foto: AZP Worldwide / stock.adobe.com)

Kommt die Vierfach-Grippeimpfung ab 2018/2019 als standardmäßig? Die STIKO diskutiert ihre aktuelle Empfehlung. (Foto: AZP Worldwide / stock.adobe.com)


Dreifach- oder Vierfachimpfung gegen Grippe – was wirkt besser? Bislang hat die STIKO keinen Vorteil in der tetravalenten Grippeschutzimpfung gesehen. Auch die Krankenkassen hatten in Zeiten der Impfstoff-Rabattverträge nur trivalente Grippeimpfungen rabattiert. Gehört die Dreifach-Impfempfehlung mal der Vergangenheit an? Die STIKO denkt darüber nach.

Derzeit bevorzugt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI) in ihren Empfehlungen zur Grippeschutzimpfung keine bestimmte Kombination. Sie hat bislang keine Vorteile in einer Vierfachimpfung im Vergleich zu einer dreifachen Influenza-Impfung gesehen. Doch der Dreifach-Grippeschutz wackelt: Die STIKO diskutiert aktuell mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), ihre Impfempfehlung für die Influenzasaison 2018/2019 zu novellieren und dem Vierfachschutz den Vorzug zu geben.

Was empfiehlt die STIKO aktuell bei Grippe?

Die Geschichte der quadrivalenten Influenzaimpfstoffe ist noch jung: Bis zur Saison 2012/2013 gab es ausschließlich trivalente Grippevakzine. Erst mit der Grippesaison 2013/2014 kamen auch quadrivalente Impfstoffe in den Arzneimittelmarkt Deutschlands. Diese enthalten eine zusätzliche B-Virus-Variante. „In Saisons, in denen der B-Stamm in nennenswertem Umfang zirkuliert, der nicht im trivalenten Impfstoff enthalten ist, erscheint es plausibel, dass der quadrivalente Impfstoff einen umfassenderen Schutz bietet. Dies ist jedoch nicht in jeder Saison der Fall", lautete seither die Einschätzung der STIKO zur Vierfachimpfung. Das Problem ist nur: Es ist nicht möglich, eine Voraussage zu treffen, in welchem Verhältnis die jeweilig aktuellen Grippestämme zirkulieren. Auch die Impfkommissionen anderer europäischer Länder setzen – wie die STIKO – aktuell auf die Dreifach-Grippeschutzimpfung.

Falls jedoch die B-Viren dominieren, wäre es ja sinnvoll, vor diesem Fall standardmäßig zu schützen. Laut der Ständigen Impfkommission diskutiert sie derzeit diese Überlegungen mit den Fachkreisen und dem Gemeinsamen Bundesausschuss. „Eine möglicherweise geänderte STIKO-Empfehlung würde ab der Influenzasaison 2018/2019 in Kraft treten", heißt es beim RKI.

Wie impft man aktuell gegen Grippe?

Die meisten Menschen in Deutschland erhalten – sofern sie sich gegen Influenza impfen lassen – einen Dreifach-Impfstoff zum Schutz vor Grippe. Die trivalente Influenza-Impfung schützt vor zwei A-Stämmen des Influenzavirus und einem B-Stamm. Der für die Grippesaison 2017/2018 angepasste Grippeimpfstoff setzt sich entsprechend der WHO-Empfehlungen aus

  • A/Michigan/45/2015 (H1N1) – ähnlicher Stamm
  • A/Hong Kong/4801/2014 (H3N2) – ähnlicher Stamm
  • B/Brisbane/60/2008 – ähnlicher Stamm

zusammen. Der tetravalente Impstoff bietet einen zusätzlichen Schutz vor einem weiteren B-Stamm, dem Influenzaviren B/Phuket/3073/2013 – ähnlicher Stamm.

Grippe: Rabatt-Impfstoffe waren immer nur dreifach

Bis zum Inkrafttreten des Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetzes (AMVSG) hatten die Krankenkassen exklusive Rabattverträge über Grippe-Impfstoffe geschlossen. Diese umfassten allerdings ausschließlich trivalente Influenza-Vakzine. Für die impfwilligen gesetzlich Versicherten hatte sich somit die Frage – tri- oder tetravalente Impfung – erledigt. Die Krankenkassen erstatteten lediglich die rabattierten Dreifach-Grippeimpfstoffe. Und auch jetzt sind Ärzte angehalten, im Regelfall weiter rabattierte und somit trivalente Impfstoffe zu verwenden. Andernfalls haben sie Regresse zu befürchten. 



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
cmueller@daz.online


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