Rechtstreit

Schlammschlacht um Sanicare eskaliert weiter

Stuttgart - 17.10.2017, 17:30 Uhr

Die Versandapotheke Sanicare in Bad Laer steht im Mittelpunkt mehrerer juristischer Auseinandersetzungen. (Foto: DAZ.online)

Die Versandapotheke Sanicare in Bad Laer steht im Mittelpunkt mehrerer juristischer Auseinandersetzungen. (Foto: DAZ.online)


Während Sanicare kürzlich die Zusammenarbeit mit dem langjährigen kaufmännischen Leiter, Detlef Dusel, beendet hat, eskaliert die Auseinandersetzung um die Versandapotheke derzeit. Nachdem Dusel eine Klage der Witwe des früheren Betreibers Volkmar Schein als „völlig bescheuert“ bezeichnet hatte, unterstellt sie ihm, ihren Mann als „Totalversager“ hingestellt zu haben – und thematisiert Vorwürfe wegen Rezeptbetrugs gegen ihren Mann, die die Staatsanwaltschaft Saarbrücken untersucht hat.

Im Streit um die Versandapotheke Sanicare und die BS Apotheken OHG, die die Apotheke betreibt, wird wohl in absehbarer Zeit keine Ruhe einkehren. Nach dem Tod des Sanicare-Gründers Johannes Mönter hatte sie im Jahr 2013 der Saarländische Apotheker Volkmar Schein übernommen – und dabei auf vielfältige Weise mit dem Kaufmann Detlef Dusel zusammengearbeitet, der auch kaufmännischer Leiter von Sanicare wurde. Im September 2014 stieg der Apotheker Christoph Bertram mit 50 Prozent der OHG-Anteile in die Apotheke ein, später überließ ihm Schein weitere 45 Prozent.

Insbesondere seit dem Suizid Scheins im Sommer 2016 hat sich der juristische Streit um die Geschäfte zugespitzt. Die Witwe Ingrid Schein will vor Gericht die Geschäftsunfähigkeit ihres Mannes nachträglich feststellen lassen, um die Übertragung der Anteile für unwirksam erklären zu können. Gleichzeitig argumentiert sie, die Übertragung der Markenrechte und Domain von Sanicare an ein von Bertram geführtes Unternehmen namens Mercator Services, hinter dem auch Dusel steht, sei unzulässig gewesen. Sie argumentiert, Sanicare sei durch die Abhängigkeit von der Firma „fremdgesteuert“, und hat sich diesbezüglich an die Apothekerkammer Niedersachsen gewandt.

„Jetzt spricht Witwe Ingrid Schein“

Gleichzeitig geht sie dagegen vor, dass der frühere leitende Apotheker von Sanicare, Heinrich Meyer, mit 5 Prozent als Gesellschafter der OHG eingestiegen ist: Die Kammer habe dem bereits seit 17 Jahren für Sanicare tätigen Meyer die Betriebserlaubnis nicht genehmigen dürfen, argumentiert Schein – da ihrer Ansicht nach ihre Zustimmung nötig gewesen sei. Dusel hatte die Klage laut der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) als „völlig bescheuert“ hingestellt, da Meyer eine halbe Million Euro in die Apotheke eingebracht habe und Schein durch die Vorgänge nicht betroffen sei.

Obwohl die Anwälte Scheins sich bereits vielfach gegenüber Medienvertretern geäußert hatten, veröffentlichten die NOZ sowie am heutigen Dienstag das Branchenportal „Apotheke Adhoc“ zwei Artikel mit der Überschrift „Jetzt spricht Witwe Ingrid Schein“. Hiernach hätten Bertram, Dusel und ein weiterer Apotheker ihren Mann schon bei der Übernahme von Sanicare zu Geschäften gedrängt, die er nicht überblickt hätte – und in die sie selber nicht eingeweiht worden wäre. Schon Ende 2013 sei ihr Mann „völlig verzweifelt“ gewesen, sagte Schein gegenüber dem Branchendienst.



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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