Welt-Rheuma-Tag

Biologicals sind bei Rheuma bestverträgliche Arzneimittel

Stuttgart / Wiesbaden - 12.10.2017, 10:08 Uhr

Biologicals und Biosimilars sind auf Siegestour bei Rheuma. (Foto: hriana / stock.adobe.com)

Biologicals und Biosimilars sind auf Siegestour bei Rheuma. (Foto: hriana / stock.adobe.com)


Lange Zeit wurde mit Biologicals bei der Therapie der Rheumatoiden Arthritis hinter dem Berg gehalten und die effektive, zielgerichtete Therapie war schwerkranken Rheumatikern vorbehalten. Heute weiß man, Biologicals wie Etanercept oder Adalimumab zählen zu den bestverträglichen Arzneimitteln bei Rheumatoider Arthritis – selbst in der Schwangerschaft.

Biologika finden bislang Einsatz in der Zweitlinientherapie der Rheumatoiden Arthritis. Bei negativer Prognose und bei frühen Zeichen struktureller Veränderungen sollten Patienten jedoch bereits drei Monate nach Therapiebeginn Biologicals erhalten. Mit welchem Präparat sollten Patienten nun als erstes die Therapie starten? „Acht Wirkstoffe, die bei Rheumatoider Arthritis eingesetzt werden, sind gleichwertig“, sagt Klaus Krüger, Münchner Rheumatologe und meint damit: Abatacept, Adalimumab, Certolizumab, Etanercept, Golimumab, Infliximab, Rituximab, Tocilizumab. „Lediglich Anakinra wirkt deutlich schwächer“, erklärt der Rheumatologe. Bis auf Rituximab – das darf man erst nach Gabe eines TNF-alpha-Blockers einsetzen – dürfen alle anderen als erstes Biologikum eingesetzt werden. Wirkt dieses nicht, dann switcht man. Krüger empfiehlt bei Non-Response auf ein anderes Wirkprinzip zu wechseln: „Bei einem Wechsel innerhalb der Wirkstoffgruppe hat man festgestellt, dass die Wirkung nachlässt“.

Biologika zählten zu den bestverträglichen Substanzen, zumindest in der Rheumatologie. Die Diskussion um die Induktion von Malignomen, sowohl Karzinome und Lymphome, sei weitestgehend vom Tisch, nur für die TNF-Inhibition gebe es eventuell ein erhöhtes Risiko für Melanome. Das Infektionsrisiko unter Biologicals wurde bei Erstellung der europäischen Leitlinien zur Rheumatoiden Arthritis neu bewertet. Hatte man früher ausschließlich die schwersten Fälle mit Biologicals behandelt und hier eventuell eine höhere Inzidenz für Infektionen festgestellt, konnte dieser Verdacht durch den nun früheren und breiteren Einsatz von Biologicals nicht erhärtet werden.

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Biologicals bei Kinderwunsch und Schwangerschaft

Frauen mit Kinderwunsch müssen Basistherapeutika vor einer Schwangerschaft absetzen. Wohingegen Biologika in der Schwangerschaft nicht kontraindiziert seien, erklärt Krüger. „Biologika können Sie geben, nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung“. Er habe gute Erfahrung mit TNF-alpha-Blockern gemacht. Seien Patientinnen auf einen TNF-alpha-Blocker eingestellt, werde man zumindest im ersten Trimenon weiter therapieren und dann einen Auslassversuch starten. Leide die Schwangere allerdings dann erneut unter Symptomen, müsse man weiterbehandeln, denn eine schlecht eingestellte Grunderkrankung stelle ein viel größeres Risiko für massive Geburtskomplikationen dar, als die Behandlung mit nicht kontraindizierten Arzneimitteln, gibt Krüger zu bedenken.

Siegestour der Biosimilars

Auch Biosimilars treten eine enorme Siegestour an. Insgesamt sieben Biosimilars bietet der Markt bislang für Infliximab, Etanercept und Rituximab. Am Adalimumab-Kuchen wollen die Biosimilar-Hersteller auch ihr Stück abbekommen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat bereits zwei Adalimumab-Biosimilars zugelassen. Eingang in die Therapie der Rheumatoiden Arthritis werden diese wohl nicht vor 2018 finden.


Celine Müller (cel)
redaktion@daz.online


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