Neues bei Asthma

Inhalatives Cortison sofort

Stuttgart - 10.10.2017, 11:30 Uhr

Bei inhalativen Corticoiden sollten Ärzte und Apotheker es den Asthmapatienten einfach machen. (Foto: beltado / stock.adobe.com)

Bei inhalativen Corticoiden sollten Ärzte und Apotheker es den Asthmapatienten einfach machen. (Foto: beltado / stock.adobe.com)


Die neuen Asthma-Leitlinien kommen, allerdings erst im Januar 2018. Was ändert sich? Inhalative Corticoide können Ärzte bereits bei Asthmatikern mit mildem Asthma der Stufe 1 einsetzen. Die Devise lautet also: Mehr Cortison inhalieren. Bei den unterschiedlichen Asthma-Inhalatoren dürften es allerdings eher weniger sein, findet Professor Roland Buhl der Uniklinik Mainz, der eine kleine Leitlinien-Vorschau beim KlinPharm Update in Wiesbaden gegeben hat.

Auch Patienten mit leichtem Asthma können von inhalativen Corticoiden (ICS) profitieren. Das hat eine Studie an etwa 7000 Asthmatikern gefunden, die im Lancet publiziert wurde. 400 µg Budesonid täglich reduzierten schwere Exazerbationen mit Tod oder notfallmäßigen Krankenhauseinweisungen bei Patienten mit mildem Asthma um 50 Prozent.

Die Konsequenz, die sich davon ableitet? Der Nutzen einer frühzeitigen Therapie mit inhalativen Corticosteroiden (ICS) soll Patienten auch mit leichten asthmatischen Beschwerden künftig nicht vorenthalten werden. Ärzte können eine Therapie mit ICS bereits bei Asthma der Stufe 1 erwägen. Zu dieser Einschätzung ist GINA – Global Initiative für Asthma – gekommen. Die Änderungen, die Anfang 2018 in den neuen Leitlinien zur Asthma-Therapie Eingang finden, wurden jüngst beschlossen. Eine einmal begonnene Therapie verdammt den Patienten allerdings nicht lebenslang zur Inhalation von Budesonid, Fluticason oder anderen Corticoiden.

Kann man eine Asthma-Medikation reduzieren?

Die ICS können nicht nur früher zum Einsatz kommen – sie können auch wieder reduziert werden. Wann ist der optimale Zeitpunkt, eine Asthma-Therapie auch wieder zu deeskalieren? Auch mit dieser Frage hat sich die Leitlinienkommission der neuen Therapieempfehlungen bei Asthma beschäftigt. Professor Roland Buhl von der Universitätsmedizin Mainz ging beim jüngst in Wiesbaden stattfindenden KlinPharm Update ebenfalls auf diese Frage ein. „Wenn die Asthma-Kontrolle stimmt“, erklärt der Pneumologe. Nur – wann gilt ein Asthmatiker als gut eingestellt, und wann können Ärzte es wagen, die Medikation zu reduzieren? Der Patient ist dann „stabil“, wenn er in den letzten vier Wochen keine Aktivitätseinschränkungen wegen seines Asthmas hat, nachts nicht aufgrund von Asthmabeschwerden erwacht, weniger als zweimal täglich überhaupt asthmatische Symptome zeigt und auch seine Bedarfsmedikation nur zwei Mal pro Woche benötigt.

Adhärenz bei Asthmapatienten ist Pferdefuß der Therapie

Problematisch bei Asthma- und auch COPD-Patienten ist zumeist die Therapietreue. Wie sieht Buhl die Einnahmetreue bei den Patienten? Asthma- und COPD-Devices zählen mit zu den Klassikern für non-adhärente Patienten. „Das ist ein ganz entscheidender Punkt“, bestätigt Buhl. „Wir haben einen Punkt erreicht, an dem es keinen Sinn macht, noch mehr Bronchodilatatoren in noch mehr unterschiedliche Inhalatoren zu packen“, mahnt Buhl und appelliert hier wohl an die Pharmaindustrie. Die Vielfalt der verschieden anzuwendenden Inhalatoren, die Patienten im Laufe ihrer Asthma- oder COPD-Erkrankung erhielten – weil Apotheken verpflichtet seien, ständig neue Rabattverträge zu erfüllen, – sei nicht zuletzt ein Grund, dass der Patient keinen Durchblick mehr habe und non-adhärent werde. „So wenig wie möglich Inhalatoren – machen Sie es dem Patienten so einfach wie nur möglich“, empfiehlt Buhl den Apothekern. 


Celine Müller (cel)
redaktion@daz.online


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