Arzneimittelbehörde

Chancen auf EMA-Umzug nach Bonn gesunken

Remagen - 02.10.2017, 10:15 Uhr

Bald in Bonn? Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bewertet die Bewerbung von Bonn und anderer Städte. Bonn ist kein Favorit der Behörde. (Foto: dpa)

Bald in Bonn? Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bewertet die Bewerbung von Bonn und anderer Städte. Bonn ist kein Favorit der Behörde. (Foto: dpa)


Die Europäische Kommission hat am Samstag ihre Bewertung der Kandidaten für den Sitz der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) veröffentlicht. Der deutsche Bewerber Bonn kommt dabei nicht gut weg. Die Chancen, dass die EMA bald in Deutschland ansässig ist, sind somit also gesunken. Und auch die EMA-Mitarbeiter wollen lieber nach Amsterdam.

Die Entscheidung über den neuen Sitz der Europäischen Arzneimittel-Agentur, die infolge des Brexits in London ihre Koffer packen muss, rückt näher. Am Samstag hat die Europäische Kommission ihre Bewertungen der Länder bekannt gemacht, die ihren Hut hierfür in den Ring geworfen haben. Wie einer Pressemitteilung zu entnehmen ist, wurden sämtliche Angebote der Mitgliedstaaten objektiv und auf der Grundlage der vorab festgelegten Kriterien geprüft. Es wird betont, dass die Bewertung ausschließlich auf den von den Mitgliedstaaten übermittelten Informationen beruht. Konkret stellt die Kommission folgende Dokumente zur Verfügung:

Kein Ranking, keine „Shortlist“

Die Kommission hat bewusst auf ein Ranking oder eine “shortlist” verzichtet. Hierzu sei sie von den Mitgliedstaaten nicht ausdrücklich aufgefordert worden, wird als Begründung angegeben.

Die Angaben in den Übersichten sind teilweise sehr detailliert im Wesentlichen deskriptiv, so dass es schwerfällt, hier Trends zwischen den Zeilen abzulesen. Für die meisten Bewerber wird festgestellt, dass die Informationen, inwieweit die geplanten Räumlichkeiten hinsichtlich der konkreten Bedarfslage der EMA entsprechen, unzureichend sind. Dies gilt auch für die deutsche Bewerbung. Als Alleinstellungsmerkmal will die Bundesstadt mit ihren Erfahrungen durch den Umzug des BfArM von Berlin nach Bonn punkten.

Prioritäten der Geschäftstätigkeit der Agentur

Um auf einen möglichweise erheblichen Verlust an Personal gerüstet zu sein, hat die EMA einen Geschäftsplan zur Fortführung ihrer Geschäftstätigkeit (business continuity plan, BCP) entwickelt, in dem ihre Aktivitäten priorisiert werden. Er beinhaltet drei Levels, je nach Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit und die Funktionalität der Agentur. Dabei wird der Personalbedarf für die Kategorie 1 mit 462, in Kategorie 2 mit 140 und in Kategorie 3 mit der niedrigsten Priorität mit 110 Vollzeitäquivalenten angegeben. Bei einem drohenden Engpass wird die EMA zunächst ihre Aktivitäten und damit den Personaleinsatz auf der Prioritätsstufe 3 (niedrigste Priorität) reduzieren, gefolgt von Stufe 2 und schließlich Stufe 1 mit der höchsten Priorität.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Entscheidung fällt voraussichtlich im November

Bonns Chancen als EMA-Sitz sinken

Warum der EMA-Standort mehr ist als eine Frage der Lage

Brexit: Der Fall EMA

Europäische Arzneimittel-Agentur

Rasi ist wieder Chef

Standortsuche nach dem brexit

Auch Hannover will die EMA

Betrugsbekämpfung bei Arzneimitteln

EMA richtet Whistleblower-Adresse ein

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.