Beliebt oder nicht beliebt?

Die bunte Umfragen-Welt zum Arzneimittel-Versandhandel

Karlsruhe - 29.09.2017, 14:15 Uhr

Viele Meinungsumfragen, viele Ergebnisse: Zum Rx-Versandverbot und zur Nutzung des Versandhandels liegen Umfragen mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen vor. (Foto: BVDVA)

Viele Meinungsumfragen, viele Ergebnisse: Zum Rx-Versandverbot und zur Nutzung des Versandhandels liegen Umfragen mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen vor. (Foto: BVDVA)


Mehr als jeder zweite Deutsche nutzt den Arzneimittel-Versandhandel nicht – und würde ihn auch nicht nutzen, ergibt eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers (PWC). Dennoch sprechen sich rund 50 Prozent gegen ein Verbot des Rx-Versandhandels aus. Wie passen diese Umfragewerte zusammen? Die PWC-Umfrage ist aber kein Einzelfall. Viele Befragungen zu dem Thema widersprechen sich. Ein Überblick.

Angaben zu der Frage, wie viele Bundesbürger Versandapotheken nutzen, gehen weit auseinander – angesichts der Debatte um das Rx-Versandverbot ist dies aber eine spannende Frage. Schließlich diskutieren die Politik und die Branche seit Monaten darüber, wie groß die Bedrohung des Versandhandels für die Apotheken ist und noch werden kann. Brauchen Patienten den Versand, und greift eine Mehrheit bereits regelmäßig darauf zurück – oder nutzen nur wenige Chroniker ihn, um ihre Arzneimittel etwas günstiger zu erhalten? Zu diesen Fragen gibt es bislang nicht viele repräsentative Umfragen - und die vorliegenden Befragungen kommen dann auch noch zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Jüngstes Beispiel: Unter Bezug auf eine Analyse der US-Beratungsfirma MarkMonitor, erklärte kürzlich der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA), Christian Buse, es sei ein „klares Signal“, dass rund 60 Prozent der Deutschen Medikamente online kaufen. Doch wie belastbar sind diese Angaben? Die Angabe basiert auf einer Befragung von nur 200 Deutschen. In einer Befragung des Instituts EMNID, die im Auftrag des Arzneimittelherstellers AbbVie durchgeführt wurde, erklärten hingegen nur 20 Prozent, Arzneimittel auch im Versand zu bestellen. 78 Prozent gehen ausschließlich in die Apotheke vor Ort. Es zeigt sich also, dass selbst die wenigen Umfragen, die im Markt kursieren, zu erheblich unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Neue Umfrage von PWC

Der Unternehmensberatungs-Konzern PriceWaterhouseCoopers (PWC) legte nun neue Zahlen zum deutschen Gesundheitssystem vor, die unter gut 1000 Internetnutzern erhoben wurden. Nach dieser erklären 53 Prozent, dass sie den Versandhandel weder bereits nutzen noch überhaupt nutzen würden. Da die Umfrage zwar in Bezug auf demographische Faktoren repräsentativ für die Durchschnittsbevölkerung ist, aber Menschen ohne Internetanschluss nicht teilnehmen konnten, dürften die Zahlen noch höher liegen.

In der Altersklasse unter 40 Jahre nutzen laut PWC-Befragung mit rund 55 Prozent besonders viele Personen den Versandhandel, oder stehen ihm zumindest offen gegenüber. In der Gruppe der 40 bis unter 60-Jährigen gilt dies für gut jeden Zweiten, in der Altersklasse der über 60-Jährigen sind es lediglich 36 Prozent – während 64 Prozent den Arzneimittel-Versand für sich ausschließen würden.

Interessant sind auch die Ergebnisse auf die Frage, inwiefern die Befragten das Rx-Versandverbot unterstützen. 54 Prozent der online-Befragten sprechen sich dagegen aus, während 36 Prozent den Rx-Versand verbieten wollen. Erstaunlich ist, dass bei jungen Erwachsenen unter 30 Jahren mit 45 Prozent die größte Anhängerschaft eines Versandverbots bestand. Bei der Gruppe der 40 bis 49-Jährigen sprach sich nur jeder Vierte hierfür aus, während 40 Prozent der über 60-Jährigen den Rx-Versand verboten haben wollen. In einer Allensbach-Umfrage vom Dezember 2016 hatte mit 51 Prozent eine knappe Mehrheit dafür gestimmt, dass zum Schutz von Vor-Ort-Apotheken vor Rx-Boni aus dem Ausland der Versand rezeptpflichtiger Arzneimittel verboten werden sollte. Und auch eine Befragung der apoBank hatte erst kürzlich ergeben, dass nur 32 Prozent der dort Befragten für ein Verbot sind.



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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