Österreich

Vier Jahre Haft für Apothekenüberfall

Düsseldorf - 21.09.2017, 11:02 Uhr

Einen Drogenabhängigen aus Österreich erwartet eine vierjährige Haftstrafe, weil er eine Apotheke mit einer Waffe überfallen hat. (Foto sebra7fotolia)

Einen Drogenabhängigen aus Österreich erwartet eine vierjährige Haftstrafe, weil er eine Apotheke mit einer Waffe überfallen hat. (Foto sebra7fotolia)


Am 15. Mai 2017 hatte ein Drogenabhängiger eine Apotheke in Wörgl im österreichischen Tirol überfallen, um Drogenersatzmittel zu bekommen. Jetzt verurteilte das Landgericht Innsbruck den Mann zu einer Haftstrafe.

Im österreichischen Bundesland Tirol liegt rund 50 Kilometer östlich der Landhauptstadt Innsbruck im Bezirk Kufstein gelegen die 13.000-Einwohner-Stadt Wörgl – und in deren Zentrum die Central-Apotheke. Am 15. Mai 2017 wurde die Offizin Schauplatz eines Verbrechens: Mit einem Strumpf als Maskierung über dem Kopf betrat ein Mann um 14.50 Uhr die Apotheke und bedrohte die Angestellten mit einer vorgehaltenen Gaspistole.

Doch statt Geld zu fordern, bat der Mann – höflich, wenn man von der Bedrohung mit der Pistole einmal absieht – um Tabletten: „Ich brauche bitte Substitol, ich möchte niemandem etwas tun.“ Mit diesen Worten zitiert die österreichische Kronenzeitung die Aussage beim Prozess gegen den Mann, der jetzt im Landgericht Innsbruck stattgefunden hat. Substitol ist ein orales retardiertes Morphin, das bei der Substitutionstherapie von Drogensüchtigen eingesetzt wird.

Mit Spezialkommando und Fotos nach Täter gefahndet

Drei Packungen soll der Mann verlangt haben und bekam schließlich eine ausgehändigt. Anschließend verließ er die Apotheke, verletzt wurde niemand. Seine Flucht währte allerdings keine 24 Stunden. Mit einem Hubschrauber, Hundestaffeln und dem österreichischen Spezialkommando „Cobra“ fahndete die Polizei nach dem 39-Jährigen – und veröffentlichte auch Fotos aus der Überwachungskamera der Apotheke.

Pistole und Strumpf habe er dann weggeworfen, als er den Hubschrauber auf dem Heimweg bemerkte, sagt der Mann jetzt vor Gericht. Dennoch fasste die Polizei den Mann bereits am nächsten Morgen nach zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung.

Auch Lebensgefährtin erhält Strafe

„Ich hatte solche Schmerzen, ich brauchte etwas“, zitiert der Reporter der Kronen-Zeitung die Aussage des Mannes, dem die Tat offensichtlich leidtat. Seine verschriebenen Medikamente hätten nicht gewirkt, und auf legalem Weg habe er sich nicht zu helfen gewusst. Zuvor war der Mann nicht durch Beschaffungskriminalität in Erscheinung getreten. Er sei in einer Ausnahmesituation gewesen und es täte ihm furchtbar leid, sagte er vor dem Landgericht Innsbruck.

Bis zu 15 Jahre sieht das österreichische Gesetz bei bewaffnetem Raubüberfall vor – der Schöffensenat verhängte schließlich eine bislang nicht rechtskräftige Strafe von vier Jahren gegen den Mann. Auch seine Lebensgefährtin erhielt in dem Prozess eine Strafe. 1440 Euro Geldstrafe muss die 51-Jährige zahlen, weil sie dem Täter zunächst ein falsches Alibi gegeben hatte.


Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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