Digitalisierung

Die digitale Rezeptsammelstelle – eine Revolution für die Landversorgung?

Düsseldorf - 14.09.2017, 16:00 Uhr


Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg hat auf der diesjährigen Expopharm die digitale Rezeptsammelstelle vorgestellt. Das Gerät soll in den letzten drei Monaten dieses Jahres in einem baden-württembergischen Ort als Pilotprojekt eröffnet werden. Der Rezeptsammler kann mehr als gedacht: Patienten können sich telefonisch beraten lassen und per SMS OTC bestellen. Über die Kosten wollten die Hersteller des Gerätes nichts verraten.

Die Apotheker seien Digitalisierungs-Gegner, verhinderten innovative Versorgungskonzepte und seien nur darauf aus, den Status quo irgendwie zu erhalten. Diese Vorwürfe müssen sich die Pharmazeuten und ihre Standesvertretungen derzeit nicht selten gefallen lassen, zumeist aus den Reihen der Versandapotheker, Krankenkassen, aber auch aus der Politik. Schon vor Monaten hatte der Landesapothekerverband Baden-Württemberg angekündigt, dass er – auch um diesen Vorwürfen entgegen zu treten – eine digitale Rezeptsammelstelle plane, die die Versorgung für den Patienten, aber auch für den Apotheker vereinfachen solle.

Aber warum gerade Baden-Württemberg? Ganz einfach: Im Südwesten der Republik kommt es derzeit zu Entwicklungen, die die Zukunft des Apothekenmarktes nachhaltig beeinflussen könnten. Man nehme nur die Arzneimittel-Abgabestelle von DocMorris in Hüffenhardt, die derzeit zwar geschlossen ist, aber nach einem für DocMorris positiven Gerichtsurteil wieder eröffnen könnte. Zudem ist Baden-Württemberg eines der Länder, die den Rückgang der Apothekenzahl besonders intensiv miterleben. Fast jede dritte Gemeinde im Ländle ist derzeit ohne Apotheke, seit 2007 ist die Apothekenzahl um mehr als zehn Prozent geschrumpft. Die Zulassungen von Rezeptsammelstellen mehren sich daher zwangsläufig – derzeit gibt es ganze 112 Sammelstellen im Südwesten. Auch politisch bewegt sich im Ländle viel: Das Land hat ein eigenes Digitalministerium. Und: LAV-Präsident Fritz Becker ist gleichzeitig Chef des Deutschen Apothekerverbandes – alles, was Becker macht, hat daher automatisch eine große Strahlkraft.

Fritz Becker will die Versorgung schneller machen

Geht es nach LAV-Präsident Fritz Becker, werden diese Briefkästen nach und nach alle mit der am heutigen Donnerstag auf der Expopharm vorgestellten digitalen Rezeptsammelstelle ausgetauscht. Becker erklärt, er habe lange darüber nachgedacht, wie man die Arzneimittelversorgung auf dem Land vereinfachen, schneller und digitaler gestalten könnte. Auch nach Gesprächen mit der Politik sei er zu dem Schluss gekommen, dass es eine gute Idee sei, die schon vorhandenen Sammelstellen zu digitalisieren. Was sich dadurch verbessert? Dazu sagt Becker: „Für Patienten ist der Vorgang transparenter, sie erhalten eine Quittung für die Rezeptabgabe. Außerdem können die Patienten mit dem Apotheker Kontakt aufnehmen, über Telefon oder per SMS auf dem Bildschirm eine Nachricht eingeben.“ So seien beispielsweise zusätzliche OTC-Bestellungen möglich.

Auch für den Apotheker ergeben sich laut Becker gleich mehrere Vorteile: „Die gesamte Rezeptbearbeitung läuft viel schneller ab. Der Apotheker muss nicht erst zur Sammelstelle fahren, sondern kann das Medikament sofort beim Großhandel bestellen, falls es nicht da ist. Eventuelle Lieferprobleme lassen sich früher erkennen und schneller beheben. Außerdem muss der Apotheker auch nur noch einmal zur Sammelstelle fahren, um alle Rezepte gemeinsam abzuholen.“ Und genau hier liegt laut LAV auch der große Unterschied zu anderen Anbietern: „Das Rezept liegt im Original vor, und zwar vor der Auslieferung“, so Frank Eickmann, Kommunikationschef des LAV. Becker ergänzt: „Außerdem werden Auslieferungen durch pharmazeutisches Fachpersonal durchgeführt.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

VSA und die digitale Rezeptsammelstelle

von Nachdenker am 17.09.2017 um 16:02 Uhr

Dass VSA und Awinta das Projekt vorstellen, verwundert mich nicht. VSA stand doch schon mal in Erklärungsnot, weil Patientendaten in die Staaten verkauft wurden - ungenügend verschlüsselt. Wenn ich mich nicht irre, bekommt VSA pro Datensatz Geld. Eine digitale Rezeptsammelstelle ist "ideal" um Patientendaten abzufassen und WAS bitteschön ist eigentlich der Unterschied zu Doc Morris, Hüffenhardt etc.? Warum verbietet man Hüffenhardt, Doc Morris & Co wenn plötzlich das fast geiche Modell mit Online Beratung etc. so attraktiv ist???

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