DAZ.online-Serie Die Besonderen

Bayerns älteste Apotheke – schön, aber ein bisschen unpraktisch

Düsseldorf - 12.09.2017, 17:45 Uhr

Apotheker Wolfgang Zormaier in seiner Hofapotheke zum Schwarzen Adler - die schönste Apotheke Deutschlands und älteste Offizin Bayerns. (Foto: Jäger)

Apotheker Wolfgang Zormaier in seiner Hofapotheke zum Schwarzen Adler - die schönste Apotheke Deutschlands und älteste Offizin Bayerns. (Foto: Jäger)


Für die „Hofapotheke zum Schwarzen Adler“ im bayrischen Passau findet sich eine erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1384, was sie zu Bayerns ältester Apotheke macht. Im Jahr 2010 errang sie bei einem Online-Voting die Auszeichnung als „Schönste Apotheke Deutschlands“. Dennoch fürchtet Inhaber Wolfgang Zormaier, dass mit ihm in der achten Apotheker-Generation die Tradition wohl enden wird.

Wo die Flüsse Donau, Inn und Ilz sich treffen, liegt die 50.000-Einwohner-Stadt Passau – das Venedig Bayerns, wie es auch manchmal genannt wird. Zahlreiche schmucke historische Gebäude vor allem aus der Zeit nach den beiden großen Stadtbränden 1662 und 1680 besitzt die Stadt, viele von italienischen Baumeistern der Barock-Zeit Ende des 17. Jahrhunderts errichtet. Ein Zentrum der barocken Pracht ist dabei sicherlich der Residenzplatz im Herzen der Stadt, an dem sich nicht nur denkmalgeschützte Patrizier-Häuser und die Residenz des Bischofs von Passau befinden, sondern auch ein wahres Schmuckstück unter den Apotheken Deutschlands. Die im Jahr 2010 in einem Online-Voting zur „Schönsten Apotheke Deutschlands“ gekürte „Hofapotheke zum Schwarzen Adler“ trägt die Adresse „Residenzplatz 12“.

Barocke Pracht entfaltet sich dann auch, wenn man die Offizin betritt. Ein venezianischer Lüster hängt von der stuckverzierten Gewölbedecke und gemalte Verzierungen sowie zahlreiche Wappen schmücken die Decke. Eines der Wappen, das in dem Fall außen über der Eingangstür prangt, ist der schwarze Doppeladler der Habsburger Dynastie, mit dem rot-weiß-roten Brustschild, das für Österreichs frühere Herrscher steht. Um die Zeit des 30-jährigen Kriegs (1618-1648) war es das erste Wappen der Apotheke, angebracht wohl vom damaligen Apotheker Stephan Gmainwieser – und bis heute namensgebend für die „Hofapotheke zum Schwarzen Adler“. Hofapotheke wurde sie bereits 1589 für den damaligen Herrscher des Fürstentums, den Fürstbischof, der nicht weit entfernt in der Residenz wohnte. Der Titel Hofapotheker ging auf alle Nachfolger über – und dieser Status erlaubte es auch überhaupt, das Wappen des Herrschenden am Haus anzubringen. Von 1598 bis 1625 war das eben Leopold V. Erzherzog von Österreich als 61. Fürstbischof von Passau – sowie sein Nachfolger von 1625 bis 1662, Leopold Wilhelm Erzherzog von Österreich, als 62.

Einrichtung aus massiver Eiche von 1860

Zur Schönheit der Apotheke trägt ebenfalls die Einrichtung aus massiver Eiche bei, die im Jahr 1860 entstand. Mit den historischen Schildern auf den Schubladen und ebenso historischen Apothekergefäßen dekoriert, verbreitet sie geschichtsträchtiges Ambiente, in dem auch die modernen Medikamente hinter dem HV-Tresen nicht stören. Eine noch historischere Einrichtung gibt es im Übrigen auch – sie stammt aus dem Jahr 1650 und ist heute allerdings im Oberhausmuseum Passau ausgestellt.

1384 fand die Apotheke mit dem Apotheker Niclo ihre erste urkundliche Erwähnung – und gilt damit als die älteste Bayerns. Alt ist auch die Familientradition, auf die der heutige Inhaber Wolfgang Zormaier zurückblicken kann. Seit sein Urahn Franz Sebastian Röttler am 1. Oktober 1753 die Apotheke übernahm, ist sie – mit durch Heiraten wechselnden Nachnamen – im Besitz der Familie. Der jetzt 52-Jährige ist nun Apotheker in der achten Generation. „Aber mit mir wird die Tradition wahrscheinlich enden“, sagt der Pharmazeut. Denn auch wenn der bislang Kinderlose erst vor kurzem ein weiteres Mal geheiratet hat und Kinder wohl geplant sind, will er eigentlich nicht, dass seine Nachkommen einmal hinter dem Tresen der Hofapotheke stehen. „Zumindest nicht als selbstständige Apotheker. Wenn sie doch Pharmazie studieren wollen, würde ich ihnen heute raten, es dann lieber als angestellte Apotheker zu versuchen“, sagt Zormaier.



Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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