Medienberichte

Millionenschwerer Rezeptbetrug mit Remicade?

Berlin - 11.09.2017, 13:00 Uhr

Schwere Vorwürfe: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 2 Apotheker und 4 Ärzte wegen des Verdachts auf Falschabrechnung mit sterilen Injektionslösungen. (Foto: Barmer)

Schwere Vorwürfe: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 2 Apotheker und 4 Ärzte wegen des Verdachts auf Falschabrechnung mit sterilen Injektionslösungen. (Foto: Barmer)


In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass gegen mehrere Ärzte und Apotheker wegen falsch abgerechneter Rezepte ermittelt wird. Bislang war zu den Vorwürfen nur wenig bekannt. Einem Bericht der Märkischen Allgemeinen Zeitung soll es um Falschabrechnungen von sterilen Injektionslösungen mit dem TNF-alpha-Blocker Remicade® (Infliximab) gehen. Den Krankenkassen soll ein Schaden von 3,8 Millionen Euro entstanden sein.

Schwere Vorwürfe waren in der vergangenen Woche gegen einige Ärzte und Apotheker erhoben worden: Die Staatsanwaltschaft hatte im gesamten Bundesgebiet mehr als 20 Objekte durchsucht, darunter Apotheken, Arztpraxen und eine Klinik in Brandenburg. Es bestehe der Vorwurf, dass eine Krankenkasse möglicherweise bei der Abrechnung um mehrere Millionen Euro geschädigt worden sei, erklärte der Sprecher der federführenden Potsdamer Staatsanwaltschaft, Christoph Lange. Details zum vermeintlichen Tathergang gab die Staatsanwaltschaft bislang nicht bekannt.

Ein Bericht der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) bringt nun etwas mehr Licht ins Dunkel: Laut MAZ stehen zwei leitende Ärzte eines Potsdamer Klinikums im Zentrum der Ermittlungen. Im Auftrag der Klinik soll eine Potsdamer Apotheke Injektionslösungen des hochpreisigen Antikörper-Präparates Remicade angefertigt haben. Die Barmer GEK soll laut MAZ aufgrund von Abrechnungsdaten auf die Apotheke aufmerksam geworden sein. Offenbar hatte der beschuldigte Apotheker für die hergestellten Lösungen dauerhaft zu viel abgerechnet. Aufgefallen sei die Apotheke auch, weil sie laut MAZ nicht über die nötige Ausstattung verfüge, um Remicade anzufertigen und abzugeben.

Ermittlungen gegen zwei Apotheker und vier Ärzte

Remicade wird in der Regel nur stationär verabreicht und innerhalb der Kliniken von den Krankenhausapotheken aus einem Pulver patientenindividuell zubereitet. Laut MAZ ist die ambulante Verordnung und Anwendung von Remicade nur in Ausnahmefällen möglich, etwa wenn der Klinikarzt auch gleichzeitig eine Niederlassung besitzt. Dies soll bei dem beschuldigten Potsdamer Arzt der Fall gewesen sein.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam wollte zum Tathergang, zum genauen Tatvorwurf und auch zum weiteren Verfahren keine genauen Angaben machen. Nur so viel: Insgesamt werde gegen sechs Personen ermittelt, darunter vier Ärzte und zwei Apotheker. Derzeit werte seine Behörde die sichergestellten Dokumente aus. Erst danach könne man sich ein Bild darüber machen, wie der vermeintliche Abrechnungsbetrug funktioniert haben soll.

Laut MAZ ist das Thema nun auch in der Politik angekommen. In der vergangenen Woche soll sich die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung damit befasst haben.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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