Analyse

Apothekenzahl sinkt stärker im Westen

Süsel - 08.09.2017, 12:20 Uhr

Alte Bundesländer besonders betroffen: Einer Analyse von DAZ-Autor Thomas Müller-Bohn zufolge ist die Apothekenzahl in den westlichen Bundesländern viel stärker gesunken als im Osten. (Foto: dpa)

Alte Bundesländer besonders betroffen: Einer Analyse von DAZ-Autor Thomas Müller-Bohn zufolge ist die Apothekenzahl in den westlichen Bundesländern viel stärker gesunken als im Osten. (Foto: dpa)


Die Anzahl der Apotheken sinkt im Westen Deutschlands viel stärker als im Osten. Die ABDA konzentriert sich bei der Präsentation der Apothekenzahlen bislang aber auf die gesamtdeutsche Zählung. Das verbirgt allerdings einen Teil des Problems. Eine Analyse von DAZ-Autor Thomas Müller-Bohn.

Die ABDA berichtet seit Jahren über die sinkende Zahl der Apotheken in Deutschland. Doch das Problem ist noch größer, als der erste Blick auf diese Zahlen erkennen lässt. Denn meist steht die gesamte Apothekenzahl in Deutschland im Mittelpunkt der Betrachtung. Diese Zahl zeigt aber nicht, wie lange und wie stark die Zahl der Apotheken in einigen westlichen Bundesländern schon zurückgegangen ist. Der Vergleich mit früheren Apothekenzahlen bringt wenig, wenn dieser in die Zeit vor der Wiedervereinigung zurückreicht. Denn der Neugründungsboom im Osten nach der Wiedervereinigung überlagert den Rückgang im Westen. Einzelne Bundesländer oder die alten und neuen Länder getrennt zu betrachten, sagt daher mehr aus.

Apothekenzahl in ganz Deutschland

Zunächst noch einmal ein Blick auf die Gesamtzahl: Die Apothekenzahl stieg seit der Einführung der Niederlassungsfreiheit (im Westen) im Jahr 1958 deutlich und erreichte im Jahr 2000 ein zwischenzeitliches Hoch (21.592, Ende 2000). Nach einem kurzen Rückgang stieg die Zahl ab 2004 wieder wegen der Filialisierungsmöglichkeit und erreichte 2008 ihren höchsten Wert (21.602, Ende 2008). Seitdem geht die Apothekenzahl zurück. Ende Juni 2017 waren es noch 19.880 öffentliche Apotheken, was etwa dem Stand von 1988 entspricht (19.781, Ende 1988). Der Stand von Ende 2016 (20.023) wurde zuletzt im Jahr 1991 gemeldet (20.108, Ende 1991).

Apothekenanzahl im Westen

Auf Anfrage von DAZ.online stellte die ABDA getrennte Zahlen für die westlichen und die östlichen Bundesländer zur Verfügung. Demnach erreichte die Zahl in den westlichen Ländern schon 1999 ihren höchsten Wert (18.616, Ende 1999), wobei ab 1999 auch die östlichen Teile Berlins zum „Westen“ zählten. Die größte Apothekenanzahl wurde also im Westen nicht durch die Filialen erreicht, sondern schon Jahre vor der Einführung von Filialen. Ab 1999 ging die Zahl der Apotheken im Westen zurück, ab 2005 stieg sie kurzzeitig wegen der Filialisierung auf ein neues Zwischenhoch im Jahr 2007 (18.444, Ende 2007) und fällt seitdem weiter. Ende 2016 gab es im Westen noch 16.901 öffentliche Apotheken.



Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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