Iod-Tabletten

Apotheker bereiten sich auf einen Atomunfall vor

Berlin - 31.08.2017, 13:00 Uhr

Iod aus Apotheken: Im Falle eines Atomunfalls in Belgien soll die Bevölkerung an der belgischen Grenze ausreichend mit Iod-Tabletten versorgt werden. (Foto: dpa)

Iod aus Apotheken: Im Falle eines Atomunfalls in Belgien soll die Bevölkerung an der belgischen Grenze ausreichend mit Iod-Tabletten versorgt werden. (Foto: dpa)


Das angenommene Schreckensszenario: Im belgischen Atomkraftwerk Tihange kommt es zum Atomunfall. Radioaktive Strahlung tritt aus. Mit Westwind treibt die radioaktive Wolke auf die Region Aachen zu. Keine 70 Kilometer liegen zwischen Aachen und dem wegen Sicherheitsbedenken umstrittenen Kernkraftwerk Tihange. Ab dem morgigen Freitag verteilen die Apotheker in der Region im staatlichen Auftrag daher Iod-Tabletten.

Am morgigen Freitag beginnt in der Region um Aachen die Versorgung der Bevölkerung mit Iod-Tabletten durch die dortigen Apotheken vor Ort. Die Aktion soll Mitte November abgeschlossen werden. Grund dafür sind anhaltende Sicherheitsbedenken bezüglich des belgischen Atomreaktors Tihange. Die Iod-Präparate sollen verhindern, dass die Schilddrüse im Falle eines Atomunfalles radioaktives Iod aufnimmt. Eine Maßnahme, die bisher bundesweit nur in Ausnahmefällen und in sehr begrenzten Bereichen zugelassen wurde.

Es gibt viele Unbekannte in den in Aachen durchgespielten Szenarien: Passiert der Unfall tagsüber, nachts, in der Ferienzeit, wie stark ist der Wind, regnet es? „Je nachdem wie das genaue Szenario aussieht, haben wir ganz große Zweifel, dass wir es schaffen, Jodtabletten rechtzeitig zu verteilen“, begründet der Verteilungskoordinator der Stadt Aachen, Markus Kremer, die Maßnahme. Sofort müssten über die ganze Stadt verteilt und an fußläufig zu erreichenden Punkten Ausgabestellen eingerichtet werden, „und das in einer Zeit, wo nicht nur geringe Unruhe entsteht“, beschreibt er die Herausforderung.

Apothekerkammer ist gut vorbereitet

Die Apothekerkammer Nordrhein bereitet sich schon seit Monaten auf die Verteilung der Tabletten vor. Auf ihrer Internetseite stellt sie den Pharmazeuten das zu verteilende Medikament vor (Kaliumiodis, Lannacher, 65 mg). Als Hinweis an die Apotheker fügt die Kammer hinzu, dass die Tabletten nur nach Aufforderung der Katastrophenschutzbehörde eingenommen werden sollten. Und: „Darüber hinaus sollte im Beratungsgespräch besonders auf die altersabhängig stark differenzierten Dosierungshinweise im Fall eines kerntechnischen Unfalls sowie Gegenanzeigen, Warnhinweise und besondere Hinweise zu Schwangerschaft und Stillzeit hingewiesen werden.“

Schon im August hatte die Kammer von Präsident Lutz Engelen eine Fortbildungsreihe zu dem Thema gestartet. Auch im Webinar können sich Pharmazeuten über die richtige Anwendung und die Hintergründe der Strahlengefahr informieren. Die Kammer weist auch darauf hin, dass alle Patienten einen Bezugsschein benötigen, um die Medikamente zu erhalten. Menschen bis zu 45 Jahren, Schwangere und Stillende erhalten einen Bezugsschein zur kostenfreien Abgabe. Um den Schein zu erhalten, müssen sie auf der behördlichen Internetseite ihre Daten eingeben, der Bedarf wird dann automatisch ermittelt. Rund 270 Apotheken nehmen an der Aktion teil. Auf der Internetseite der Kammer wurde eine Apothekensuche etabliert, um Patienten zu zeigen, in welcher Apotheke sie die Iod-Tabletten erhalten können. Die Behörden rechnen damit, dass mehr als jeder Dritte das Angebot wahrnimmt. Es gebe eine hohe Sensibilität.


dpa-AFX / DAZ.online
redaktion@daz.online


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