Vergiftungen in der Schweiz

Paracetamol, Wasserpfeife-Rauchen und Gemüsebrei

24.08.2017, 10:15 Uhr

Gefährlicher Spinatbrei? Bei dem Nitrat-reichen Gemüse kann durch Bakterien Nitrit entstehen. In der Schweiz führte dies zu Methämoglobinämie bei Kleinkindern. (Foto: Ramona Heim / Fotolia)

Gefährlicher Spinatbrei? Bei dem Nitrat-reichen Gemüse kann durch Bakterien Nitrit entstehen. In der Schweiz führte dies zu Methämoglobinämie bei Kleinkindern. (Foto: Ramona Heim / Fotolia)


In der Schweiz gab es im letzten Jahr rund 32.000 beabsichtigte oder versehentliche Vergiftungen. Die meisten Vorfälle betrafen Vorschulkinder. Überdosierungen von Paracetamol haben erheblich zugenommen. All dies steht im Jahresbericht 2016 des Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums „Tox Info Suisse“.

Das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum „Tox Info Suisse“ hat seinen Jahresbericht 2016 vorgelegt. Hiernach traten von den rund 32.000 Giftkontakten im Jahr 2016 mehr als die Hälfte (56 Prozent) bei Kindern auf (knapp 18.000). Die meisten Vorfälle waren in der Altersklasse der Kinder unter fünf Jahren zu verzeichnen (fast 46 Prozent). Im Erwachsenenalter waren deutlich mehr Frauen betroffen als Männer (59 versus 41 Prozent). Knapp drei Viertel aller Vergiftungen in der Schweiz waren im letzten Jahr auf Arzneimittel (35 Prozent), Haushaltsprodukte oder Pflanzen zurückzuführen. Sechs der neun Todesfälle gehen auf das Konto der Medikamentenvergiftungen. Drei Beobachtungen hebt Tox Info Suisse besonders hervor

Vergiftungen mit Paracetamol

Die Anzahl der Vergiftungen durch Überdosierungen des Schmerzmittels Paracetamol hat sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt. Während bei Tox Info Suisse bis 2005 rund 600 Fälle jährlich beraten wurden, stieg diese Zahl danach im Jahr 2016 auf etwa 1200 an. Bis 2004 enthielten orale Paracetamol-Präparate in der Schweiz maximal 500 mg des Wirkstoffs, danach kamen auch Tabletten mit 1000 mg auf den Markt. Die Schweizer Gift-Experten vermuten, dass der Anstieg der Paracetamol-Intoxikationen damit zusammenhängt. Seit 2005 seien vermehrt schwere, zum Teil auch tödliche Paracetamol-Vergiftungen gesehen worden. Zwar seien diejenigen mit den höher dosierten Präparaten nicht statistisch signifikant schwerer verlaufen als bei den schwächer dosierten Formulierungen. Jedoch seien seit der Einführung der 1000-mg-Präparate mehr Patienten mit beabsichtigter Einnahme in den potenziell hepatotoxischen Dosisbereich geraten und hätten im Krankenhaus mit dem Gegenmittel behandelt werden müssen. 



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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