Klinische Studie

Positive Daten für Therapie gegen Erdnuss-Allergie

Stuttgart - 22.08.2017, 13:30 Uhr


Bei einer klinischen Studie zu einer Hyposensibilisierung mit einer Kombination von Erdnussproteinen und Probiotika aßen nach vier Jahren 16 von 24 Kindern ohne größere Probleme die Nüsse. Auch weitere Parameter zeigten langfristige Verbesserungen.

Wie australische Forscher in der vergangenen Woche im Fachmagazin „The Lancet Child & Adolescent Health“ berichteten, zeigte eine Hyposensibilisierungs-Therapie gegen Erdnuss-Allergien positive Langzeitergebnisse. Die Wissenschaftler hatten Kinder mit einer Kombination aus Erdnussproteinen und Probiotika behandelt – letztere sollten die Wirksamkeit der „probiotic and peanut oral immunotherapy“ (PPOIT) genannten Therapie erhöhen, indem sie die Darmflora stimulieren und zu einer Aktivierung von Immunzellen führen.

In einer Folgestudie erhoben sie nun an 48 Kindern, wie die Langzeitwirkung des Ansatzes ausfällt. Weder in der Gruppe der 24 behandelten Kinder noch in der gleich großen Placebo-Gruppe kam es zu einem anaphylaktischen Schock. Vier der behandelten und sechs der unbehandelten Versuchsteilnehmer berichteten von allergischen Reaktionen nach beabsichtigtem oder unbeabsichtigtem Erdnuss-Konsum – wobei es große Unterschiede hierbei gab: 16 Kinder berichteten, dass sie Erdnüsse essen, während nur ein Kind aus der unbehandelten Gruppe die Nüsse aß. Gleichzeitig werteten die Forscher Fragebögen aus – und stellten fest, dass allergische Reaktionen im Prick-Test in der behandelten Gruppe signifikant geringer waren.

Einige Fragen sind noch offen

„Die Kinder konnten Erdnüsse als Teil ihrer Ernährung frei zu sich nehmen“, erklärte die Forscherin Mimi Tang zur Veröffentlichung der Studie. „Dies ist ein großer Schritt in die richtige Richtung bei der Suche nach einer effektiven Behandlung“, betonte sie. Gleichzeitig könnten die Ergebnisse womöglich helfen, „das Problem von Nahrungsmittelallergien in westlichen Gesellschaften zu adressieren“, erklärte Tang.

Doch auch nach Ansicht der Forscher bedarf es weiterer größerer Studien, die die Ergebnisse bestätigen. Für die nicht an der Arbeit beteiligte Pädiaterin Anna Nowak-Wegrzyn vom Mt. Sinai Hospital in New York ist noch unklar, welchen Effekt die Probiotika gespielt haben – dies wurde nicht getrennt untersucht. Es würde Sinn machen, dass sie den Effekt der Immuntherapie erhöhten, erklärte die Forscherin dem „Time“-Magazin – doch es sei nur eine Vermutung und „kein Beweis“, sagte sie. 


Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Wie lange nocht warten..?

von Max am 19.03.2018 um 11:58 Uhr

Wenn ich den ausführlichen, englischen Artikel korrekt verstehe, der unter thelancet.com/child-adolescent veröffentlicht wurde, wäre die Behandlung ein Kinderspiel:
– Täglich 1-2 Kapseln Lactobacillus rhamnosus (10-20Mrd Kolonien)
– Dazu 2 Leerkapseln mit Erdnussmehl gefüllt (2-3 Gramm)
Das wären drei Artikel die jeweils für ein paar Euros überall zu haben sind.

Geißfuß an der Geschichte ist die dauerhafte Überwachung der Kindes.
Auch mit dem Notfallset in der Hinterhand wäre mir dies aktuell noch etwas zu riskant.

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