Eierkontrollen in Niedersachsen

Bislang kein Amitraz in Eiern nachgewiesen

Berlin / Stuttgart - 22.08.2017, 12:45 Uhr

Bislang wurde in Eiproben in Niedersachsen kein Amitraz nachgewiesen. (Foto: picture alliance/APA/picturedesk.com)

Bislang wurde in Eiproben in Niedersachsen kein Amitraz nachgewiesen. (Foto: picture alliance/APA/picturedesk.com)


Bei Eierkontrollen in Niedersachsen ist das Pestizid Amitraz bislang nicht nachgewiesen worden. Nachdem vergangene Woche bekannt geworden war, dass in Belgien bei einer Analyse der mit Fipronil versetzten Desinfektionslösung ein weiteres verbotenes Pestizid, eben Amitraz, gefunden wurde, wurden Eier auch dahingehend analysiert. 

Bei Kontrollen von Eiern sind in Niedersachsen bislang keine Proben mit dem Pestizid Amitraz festgestellt worden. Das teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium in Hannover am Dienstag mit. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass in Belgien bei einer Analyse der Desinfektionslösung „Dega 16" auch Amitraz gefunden wurde. Belgische Behörden hatten bei der Untersuchung von sichergestellten Dega 16-Kanistern Spuren des Giftstoffs gefunden, zitierte das Nachrichtenmagazin Spiegel aus einem vertraulichen Bericht, der über das europäische Schnellwarnsystem RASFF verbreitet wurde. Auch in Belgien sind offenbar „einige Eiproben“, die ursprünglich auf Fipronil getestet wurden, auf Amitraz untersucht worden – mit negativem Ergebnis. Die belgische Lebensmittelaufsicht FASNK habe dem Nachrichtenmagazin die Amitraz-Funde in zwei Dega-16-Proben bestätigt. Eine Gefährdung für Konsumenten habe jedoch „zu keinem Moment bestanden“, so die Behörde gegenüber dem Nachrichtenmagazin. 

Dega 16 gilt als Auslöser des Fipronil-Skandals. Das Mittel, das zur Desinfektion von Hühnerställen eingesetzt wird, war illegalerweise mit Pestiziden versetzt worden. Im Gegensatz zu Amitraz ist aber Fipronil auch in Eiern nachgewiesen worden. Händler haben sie reihenweise aus dem Verkehr gezogen. Das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)  geht allerdings davon aus, dass Fipronil-haltige Mittel offenbar schon seit Längerem illegalerweise eingesetzt werden und demnach Verbraucher dem Insektizid bereits eine ganze Weile ausgesetzt sind. Laut einer ersten Schätzung des BfR ist eine gesundheitliche Gefährdung der Verbraucher jedoch unwahrscheinlich.

Wie wirkt Amitraz?

Amitraz ist ein insektizider und akarizider Wirkstoff aus der Gruppe der Amidine. Er wird in der Tiermedizin als Mittel gegen Ektoparasiten wie Milben und Insekten, vor allem aber als Halsband bei Hunden zur Vorbeugung und Behandlung des Zeckenbefalls, eingesetzt. Amitraz führt zu einer irreversiblen Blockade der Octopamin-Rezeptoren im Gehirn der Parasiten beziehungsweise Insekten. Octopamin ist ein spezifischer Neurotransmitter bei Wirbellosen. In der Folge kommt es rasch durch Übererregung zur Lähmung der Mikroorganismen. Diese führt innerhalb kürzester Zeit zum Tod. Bei Warmblütern hat es eine agonistische Wirkung an den α2-Adrenorezeptoren und wirkt außerdem noch schwach antiserotonerg. Darauf beruhen auch die möglichen unerwünschten Wirkungen, darunter Dämpfung, Lethargie, niedriger Blutdruck, langsamer Puls, Unterkühlung, Appetitlosigkeit, Erbrechen, erhöhter Blutzucker, häufiges Wasserlassen und Verdauungsbeschwerden. Über Resistenzen wurde berichtet. Im Fall einer Überdosis kann der α2-Antagonist Atipamezol als Antidot verabreicht werden. 

Amitraz kann bei grundsätzlich vielen Haus- und Heimtieren in Form einer Bade- oder Waschlösung gegen Milben, Zecken oder Tierläuse eingesetzt werden. in Deutschland ist es aber derzeit nur für Hunde zugelassen. Es ist ein Kombinationsarzneimttel auf dem Markt, das neben Amitraz noch Methopren und Fipronil enthält: Certifact® spot on. 


dpa-afx / jb
redaktion@daz.online


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