Weiteres Pestizid entdeckt

Nicht nur Fipronil, sondern auch Amitraz

Stuttgart - 18.08.2017, 17:15 Uhr

Offnebar wurde der Reinigungslösung für Ställe noch eine weitere verbotene Substanz beigemischt. (Foto: dpa)

Offnebar wurde der Reinigungslösung für Ställe noch eine weitere verbotene Substanz beigemischt. (Foto: dpa)


Weil es illegalerweise einer Reinigungslösung für Ställe beigemischt worden war, ist das Insektizid Fipronil in Hühnereier gelangt – der Einsatz des Wirkstoffs ist bei lebensmittelliefernden Tieren verboten. Bei der Analyse der Reinigungsmittel ist nun aber noch ein Pestizid nachgewiesen worden: Amitraz, das bei Geflügel laut BVL nicht zugelassen ist. 

Bei einer Analyse der Desinfektionslösung „Dega 16“, das als Auslöser des Fipronil-Skandals gilt, ist in Belgien auch das Pestizid Amitraz entdeckt worden. Das erklärte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presseagentur (dpa). Zuvor hatte der „Spiegel“ vorab über die Untersuchungsergebnisse berichtet. Belgische Behörden hätten bei der Untersuchung von sichergestellten „Dega 16“-Kanistern Spuren des Giftstoffs gefunden, zitiert das Nachrichtenmagazin aus einem vertraulichen Bericht, der über das europäische Schnellwarnsystem RASFF verbreitet wurde. Laut „Spiegel“ soll Belgien den Fund bereits im Juli über dieses Lebensmittel-Warnsystem an die übrigen EU-Staaten übermittelt haben. Es seien auch „einige Eiproben“, die ursprünglich auf Fipronil getestet wurden, auf Amitraz untersucht worden - mit negativem Ergebnis, heißt es beim Spiegel. Die belgische Lebensmittelaufsicht FASNK habe dem Nachrichtenmagazin die Amitraz-Funde in zwei Dega-16-Proben bestätigt. Eine Gefährdung für Konsumenten habe jedoch „zu keinem Moment bestanden“, so die Behörde gegenüber dem Nachrichtenmagazin. 

Wie wirkt Amitraz?

Amitraz ist ein insektizider und akarizider Wirkstoff aus der Gruppe der Amidine. Er wird in der Tiermedizin als Mittel gegen Ektoparasiten wie Milben und Insekten, vor allem aber als Halsband bei Hunden zur Vorbeugung und Behandlung des Zeckenbefalls eingesetzt. Amitraz führt zu einer irreversiblen Blockade der Octopamin-Rezeptoren im Gehirn der Parasiten beziehungsweise Insekten. Octopamin ist ein spezifischer Neurotransmitter bei Wirbellosen. In der Folge kommt es rasch durch Übererregung zur Lähmung der Mikroorganismen. Diese führt innerhalb kürzester Zeit zum Tod. Bei Warmblütern hat es eine agonistische Wirkung an den α2-Adrenorezeptoren und wirkt außerdem noch schwach antiserotonerg. Darauf beruhen auch die möglichen unerwünschten Wirkungen, darunter Dämpfung, Lethargie, niedriger Blutdruck, langsamer Puls, Unterkühlung, Appetitlosigkeit, Erbrechen, erhöhter Blutzucker, häufiges Wasserlassen und Verdauungsbeschwerden. Über Resistenzen wurde berichtet. Im Fall einer Überdosis kann der α2-Antagonist Atipamezol als Antidot verabreicht werden. 

Amitraz kann bei grundsätzlich vielen Haus- und Heimtieren in Form einer Bade- oder Waschlösung gegen Milben, Zecken oder Tierläuse eingesetzt werden. in Deutschland ist es aber derzeit nur für Hunde zugelassen. Es ist ein Kombinationsarzneimttel auf dem Markt, das neben Amitraz noch Methopren und Fipronil enthält: Certifact® spot on. 

Pflanzenschutzmittel mit Amitraz sind EU-weit keine mehr zugelassen.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


dpa-AFX, Nachrichtenagentur
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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