Belastete Hühnereier

Gefährdet Fipronil die Grippeimpfung? 

Stuttgart - 15.08.2017, 16:15 Uhr

Influenzaviren (hier H1N1) werden in Hühnereiern gezüchtet. Welches Risiko bringt Fipronil? (Foto: dpa -Report)

Influenzaviren (hier H1N1) werden in Hühnereiern gezüchtet. Welches Risiko bringt Fipronil? (Foto: dpa -Report)


Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht davon aus, dass rund 10,7 Millionen „möglicherweise mit Fipronil belastete Eier“ aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert wurden. Von einer Gesundheitsgefährdung für die Verbraucher geht man derzeit nicht aus. Aber was ist mit den Grippeimpfstoffen, für deren Produktion Hühnereier genutzt werden?

Ist die Sicherheit der Grippeimpfstoffe durch Fipronil gefährdet? Laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ist das nicht der Fall. Wie die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker mitteilt, gibt das PEI in einer Sicherheitsinformation Entwarnung. Das PEI führt dafür mehrere Gründe an:

  • So stammen die Eier, die für die Anzucht von Influenza-Viren zur Produktion von Grippeimpfstoffen genutzt werden, nicht aus normalen Hühnerbetrieben. Sie kommen laut PEI aus speziellen Zuchtbetrieben, für die besondere Qualitätsanforderungen gelten, die entsprechend überwacht werden.
  • Zudem werden die Viren nach Anzucht und Isolation mehrfach aufgereinigt. So sollen mögliche Verunreinigungen effektiv entfernt werden. Am Ende sind nur Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Der Grenzwert laut Europäischem Arzneibuch liegt bei maximal 1 µg Hühnereiweiß pro Impfdosis.
  • Außerdem ist Fipronil sehr lipophil und reichert sich vor allem im Eidotter an, weniger im Eiklar. 

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Auch keine Gefahr bei anderen Impfstoffen 

Aufgrund der Kontrollen der Zuchtbetriebe und der Aufreinigung der Influenza-Impfstoffe, die sehr aufwändig ist, sieht das PEI alles in allem keine Gefahr für den Patienten. Dasselbe gilt nach Ansicht des PEI auch für alle anderen Impfstoffe, die Hühnereiweiß enthalten. Das sind zum Beispiel Vakzine gegen FSME, Mumps-Masern-Röteln und Tollwut. Werden Patienten mit diesen Impfstoffen geimpft, ist nach Ansicht des PEI nicht davon auszugehen, dass die Gesundheit des Patienten durch Fipronil gefährdet ist.

Die AMK bittet, wie immer, Apotheken, Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen im Zusammenhang mit der Anwendung von Impfstoffen zu melden.

Auch beim Verzehr Fipronil-belasteter Eier scheint nach derzeitigem Kenntnisstand keine Gefahr für die Gesundheit zu bestehen. Zu diesem Schluss ist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) anhand einer vorläufigen Schätzung gekommen. Dieser nach Aussage des BfR konservativen Schätzung zufolge wurden bislang die lebenslang duldbaren täglichen Aufnahmemengen nicht überschritten – und zwar in keiner der betrachteten Altersgruppen. Die höchste durchschnittliche tägliche Fipronil-Aufnahme haben demnach zwei- bis vierjährige Kinder. Sie schöpfen den „Acceptable Daily Intake“ (duldbare tägliche Aufnahmemenge) bis zu 76 Prozent aus. Bei Erwachsenen sind es im Schnitt 24 Prozent. Folglich sei eine gesundheitliche Gefährdung unwahrscheinlich, so das BfR.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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