Erste Einschätzung 

BfR hält Gesundheitsgefährdung durch Fipronil für unwahrscheinlich

Stuttgart - 14.08.2017, 11:30 Uhr

Wie schädlich sind Fipronil-haltige Eier? Das BfR hat eine erste Einschätzung abgegeben. (Foto: picture alliance)

Wie schädlich sind Fipronil-haltige Eier? Das BfR hat eine erste Einschätzung abgegeben. (Foto: picture alliance)


Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat eine vorläufige Schätzung dazu abgegeben, inwiefern der Verzehr Fipronil-belasteter Lebensmittel die Gesundheit gefährdet. Dabei geht das BfR davon aus, dass Fipronil-haltige Mittel offenbar schon seit Längerem illegalerweise eingesetzt werden und demnach Verbraucher dem Insektizid bereits eine ganze Weile ausgesetzt sind.

Der Fipronil-Skandal zieht immer weitere Kreise. Jedem vierten Verbraucher soll einer Umfrage zufolge die Lust auf Eier vergangen sein. Immerhin gibt es jetzt bezüglich der Gesundheitsgefährdung ein wenig Entwarnung. Das BfR hat eine erste vorläufige Schätzung des Risikos für Verbraucher durch den Verzehr von Fipronil-haltigen Hühnereiern und Hühnerfleisch, inklusive allen daraus zubereiteten Lebensmitteln, abgegeben. Dieser nach Aussage des BfR konservativen Schätzung zufolge wurden bislang die lebenslang duldbaren täglichen Aufnahmemengen nicht überschritten – und zwar in keiner der betrachteten Altersgruppen. Die höchste durchschnittliche tägliche Fipronil-Aufnahme haben demnach zwei- bis vierjährige Kinder. Sie schöpfen den „Acceptable Daily Intake“ (duldbare tägliche Aufnahmemenge) bis zu 76 Prozent aus. Bei Erwachsenen sind es im Schnitt 24 Prozent. Folglich sei eine gesundheitliche Gefährdung unwahrscheinlich, so das BfR. 

Acceptable Daily Intake (ADI)

ADI ist die duldbare tägliche Aufnahmemenge. Sie gibt die Menge eines Stoffes an, die ein Verbraucher täglich und ein Leben lang ohne erkennbares Gesundheitsrisiko aufnehmen kann.

Bei dieser Schätzung wurde unter anderem berücksichtigt, dass davon ausgegangen wird, dass Fipronil seit Monaten illegal in Ställen mit Jung- und Legehennen zur Eierproduktion eingesetzt wird. Es besteht laut BfR die Möglichkeit einer Belastung über einen Zeitraum von Wochen bis Monaten.

Das BfR hat bisher keine repräsentativen Daten zu Eiern, die die tatsächliche Marktsituation und somit die durchschnittlichen Fipronil-Gehalte beschreiben. Dazu sei die Sache zu aktuell, heißt es. Daher basiert die Berechnung der Langzeit-Aufnahme nur auf Messdaten betroffener Betriebe. Bezüglich einer langfristigen Exposition ist das eine sehr konservative Annahme, erklärt das BfR. Es sei nämlich sehr unwahrscheinlich, dass ein Verbraucher über Wochen und Monate ausschließlich Eier aus entsprechenden Betrieben verzehrt hat. Masthähnchen sollen nach aktuellem Kenntnisstand nicht belastet sein. 

Möglicherweise 10,7 Millionen 

Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht davon aus, dass rund 10,7 Millionen „möglicherweise mit Fipronil belastete Eier“ aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert wurden. Zahlreiche Länder in der EU sind betroffen. Auch in der Schweiz und in Hongkong sind Eier oder Eierprodukte aufgetaucht, die belastet sind. Bislang wurden in Belgien, Frankreich, den Niederlanden und in Deutschland nach EU-Angaben Höfe von Geflügelzüchtern gesperrt, weil dort mutmaßlich Fipronil verwendet wurde. Die Verwendung von Fipronil bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU verboten. Derzeit wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller einem gängigen Reinigungsmittel verbotenerweise Fipronil beigemengt hat und die Mischung an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkaufte. Das Insektizid soll Tiere vor Flöhen, Läusen und Zecken schützen.

Auf Vorschlag Deutschlands hin soll es Anfang September erste politische Gespräche über eine mögliche EU-Reaktion auf den Fipronil-Skandal geben.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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1 Kommentar

nix passiert, also harmlos

von Karl Friedrich Müller am 14.08.2017 um 15:43 Uhr

erinnert mich an die Grenzwerte im Trinkwasser. Werden sie nicht eingehalten, werden einfach die Grenzwerte erhöht.

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