Hautwunden schneller heilen

Wirkstoff aus weißen Blutkörperchen mit verblüffendem Potential

Remagen - 10.08.2017, 16:00 Uhr

forscher von der Uni Wien haben einen Wirkstoff entwickelt, der großes Potenzial haben soll. 

forscher von der Uni Wien haben einen Wirkstoff entwickelt, der großes Potenzial haben soll. 


Ein neuer Wirkstoff, der an der Medizinischen Universität Wien entwickelt wurde, soll Hautwunden schneller heilen lassen. Er wird aus weißen Blutkörperchen gewonnen und hat sich am Menschen bereits als gut verträglich erwiesen. 

Eine Forschergruppe rund um den Thoraxchirurgen Hendrik Jan Ankersmit, Leiter des Christian Doppler-Labors für Diagnose und Regeneration von Herz- und Thoraxerkrankungen an der MedUni Wien, hat einen neuen erstaunlichen Wirkstoff entwickelt. Die patentierte biologische Substanz mit Namen APOSEC wird aus weißen Blutkörperchen gewonnen. Diese werden bestrahlt und schütten während des Zelltods den späteren Wirkstoff aus. Sie fungieren damit nach der Beschreibung der Erfinder als „Bioreaktor“. Der zelluläre Bestandteil der Blutkörperchen wird nach einer Kulturperiode im Reagenzglas verworfen. Wichtig ist das entstehende „Sekretom“. Der therapeutische Effekt kommt durch das Gemisch der abgesonderten Inhaltsstoffe, wie löslichen Eiweißstoffen, Exosomen und Lipiden zustande.

Vielfältige Wirkungen möglich

In präklinischen Versuchen hat sich bereits heraus gestellt, dass das Sekretom vielfältige therapeutische Wirkungen hat. So soll es unter anderem antibakteriell wirken, die Neubildung von Gefäßen induzieren und die Wundheilung aktivieren. Damit könnte es in den Indikationen Herzinfarkt, Schlaganfall, Rückenmarksverletzungen und Wundheilung einsetzbar sein, so hoffen seine Erfinder. Auf der Basis dieser vielversprechenden Ergebnisse wurde für die Zulassung als Arzneimittel „APOSEC zur Anwendung am Menschen“ entwickelt. Es wird klassifiziert als biologisches Arzneimittel und soll entweder personalisiert als autologes Produkt oder auch über einen allogenen Ansatz als gepooltes Produkt eingesetzt werden können. Für die erste Studie in der Phase I der klinischen Erprobung zur äußeren Wundheilung wurde zunächst autologes APOSEC verwendet.  

Erfolg in der ersten Phase I-Studie

Die Ergebnisse der Studie mit der Bezeichnung „Marsyas-1“ wurden gerade in „Nature Scientific Reports“ publiziert  Es handele sich um die weltweit erste Sekretom-basierte Regenerationsstudie der Haut, heißt es in einer Mitteilung der MedUni Wien. In der monozentrischen, randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie wurden zwei verschiedene Dosen von APOSEC auf der Haut von zehn männlichen Probanden mit künstlichen Hautwunden am Oberarm appliziert. Das Ziel der Studie, die Sicherheit des Wirkstoffes bei dermatologischen Wunden nachzuweisen, konnte erreicht werden. Ein Einfluss auf die Wundheilung wurde nicht beobachtet, was die Forscher auf die kurzfristige Anwendung zurück führen. Nach eigenen Angaben arbeitet das Entwicklerteam auch schon an der Herstellung von APOSEC aus allogenem Zellmaterial, also jenem von fremden Spendern. Auf diese Weise wäre eine kostengünstige Produktion in großer Menge möglich und das Medikament könnte in gefriergetrocknetem Zustand für die sofortige Anwendung zur Verfügung stehen. Das gesamte Projekt wurde im Rahmen einer Private-Public-Partnership zwischen der MedUni Wien, der Christian Doppler Forschungsgesellschaft, der FFG und der Aposcience AG ermöglicht. 


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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