Krebsbehandlung

Linke befragt die Bundesregierung zu Methadon

Berlin - 09.08.2017, 10:30 Uhr

Viele Krebspatienten setzen ihre Hoffnung auf Methadon, doch gibt es bislang keine aussagekräftigen Daten hierzu. (Foto: dpa)

Viele Krebspatienten setzen ihre Hoffnung auf Methadon, doch gibt es bislang keine aussagekräftigen Daten hierzu. (Foto: dpa)


Mehrere Medienberichte haben sich in den vergangenen Monaten prominent dem Einsatz von Methadon in der Tumortherapie gewidmet: Verschiedene Forscher und Ärzte präsentieren es als wirkungsvolles Krebsmittel, klinische Studien fehlen jedoch bislang. Nun fragt die Linke-Bundestagsfraktion bei der Bundesregierung an.  

Nachdem weitreichenstarke Sendungen wie die Tagesschau, ARD-„PlusMinus“ oder Stern TV über Methadon in der Krebstherapie berichtet haben, ist der Off-Label-Einsatz des Drogenersatzstoffes auch für viele Apotheker ein Thema. Bislang fehlen klinische Studien am Menschen, dennoch machen sich aufgrund der Berichterstattung viele Krebspatienten Hoffnung, auch ihnen könnte Methadon helfen.

Unterdrückt etwa die „Pharmaindustrie“ ein wirksames Krebsmittel, um eigene teure Präparate besser verkaufen zu können? Und warum werden bislang keine Studien mit öffentlichen Geldern gefördert? Um mehr Informationen sowie eine Einschätzung der Lage von der Bundesregierung zu erhalten, hat nun die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Kathrin Vogler, im Bundestag eine kleine Anfrage gestellt.

Für die – „oft erfolglose oder mit geringem Zusatznutzen verbundene“ – Behandlung durch Chemotherapie riefen Pharmakonzerne Jahrestherapiekosten auf, die mehrere zehntausend bis über 100.000 Euro pro Tumorpatienten betragen können, kritisiert die Linksfraktion. In die Erforschung solcher Arzneimittel stecke die Industrie daher große Summen. Zu Methadon fehle hingegen trotz einiger positiver präklinischer Ergebnisse „eine breit angelegte Forschung mit verlässlichen Ergebnissen“, von dessen Einsatz in der Krebsmedizin Verbände wie die Deutsche Schmerzgesellschaft daher abrieten.

„Die Ulmer Chemikerin Dr. Claudia Friesen vermutet, dass das mangelnde Forschungsinteresse bei der Industrie daran liegt, dass das patentfreie Methadon zwölf Euro für vier bis sechs Wochen Behandlungszeit kostet, die Industrie aber mit konkurrierenden Medikamenten in der gleichen Zeit 20.000 oder 25.000 Euro verdienen kann“, erklärt die Linksfraktion. Auch kritisiere Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Ärzteschaft, dass klinische Studien überwiegend von der Pharmaindustrie finanziert werden und Steuermittel für unabhängige Forschung nur völlig unzureichend zur Verfügung stünden. Das sei aber notwendig, um Ergebnisse zu bekommen, die nicht vom pharmazeutischen Hersteller möglicherweise verzerrt seien.

Neben Fragen nach dem aktuellen Forschungsstand zu Methadon in der Krebstherapie fragt die Linksfraktion die Bundesregierung daher auch, inwiefern sie Forschungsgelder für Krebsmittel zur Verfügung stellt. Den Linken sind die bislang investierten Steuermittel deutlich zu wenig – sie hatten zuletzt im vergangenen Jahr die Bereitstellung von 500 Millionen Euro zur „Förderung der nichtkommerziellen Pharmaforschung“ gefordert, erinnern sie die Bundesregierung.

Spannend dürfte auch die Antwort auf die Frage sein, inwiefern die Bundesregierung die Beforschung von Methadon zur Krebsbehandlung für ausreichend hält. „Sind der Bundesregierung Fälle bekannt, in denen die Forschung durch die Industrie nicht in die Richtung ging, die für die Patientinnen und Patienten sinnvoll und notwendig gewesen wäre, sondern an Profitmöglichkeiten ausgerichtet war“, fragt die Linksfraktion außerdem. Mit den Antworten ist in der kommenden Woche zu rechnen.


Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Anfrage d.linkspartei zu methadon

von Helmers sigrid am 16.09.2017 um 20:22 Uhr

Mich interessiert die.antwort der CDU diesbezueglich

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