Bundeswirtschaftsministerium

„Das DocMorris-Geschäftsmodell geht mit der Zeit“

Berlin - 02.08.2017, 17:37 Uhr

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries zeigte sich von ihrem Besuch bei DocMorris sehr angetan. (Foto: picture alliance / Rolf Kremming)

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries zeigte sich von ihrem Besuch bei DocMorris sehr angetan. (Foto: picture alliance / Rolf Kremming)


Anfang der Woche besuchte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) die niederländische Versandapotheke DocMorris. Was waren die Gründe für diesen Besuch? Und plant die Ministerin, auch eine Apotheke vor Ort in Deutschland zu besuchen? DAZ.online hat nachgefragt.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hat in dieser Woche für Aufregung im Apothekerlager gesorgt: Am Montag besuchte sie die niederländische Versandapotheke DocMorris, die nicht nur aufgrund von Rx-Boni oder einem Arzneimittel-Abgabeautomaten in Hüffenhardt unter vielen deutschen Vor-Ort-Apothekern keinen guten Ruf hat. Wie kam es zu dem Besuch, bei dem Zypries einen Live-Chat testete und die Rezeptur von DocMorris besuchte – und wie bewertet die Ministerin ihn im Nachhinein? DAZ.online hat im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) nachgefragt.

Zu den Gründen des Besuchs erklärte eine Sprecherin: „Nach Veröffentlichung der BMWi-Eckpunkte zur Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft hat Frau Ministerin den Besuch zum Anlass genommen, sich über die Strukturen, Abläufe und digitalen Lösungen eines in der Gesundheitswirtschaft tätigen Unternehmens zu informieren.“ Ähnlich hatte es auch schon DocMorris in seiner Presseerklärung formuliert. „Die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet uns die Chance, gerade in ländlichen Regionen die medizinische und pharmazeutische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern und zu erleichtern“, zitierte die Versandapotheke am Dienstag die Ministerin. „Unser Ziel muss es daher sein, Hemmnisse weiter abzubauen und Innovationen mehr Luft zum Atmen zu geben, um die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft voranzutreiben.“

Und wie erlebte Zypries ihren Holland-Ausflug? Die Pressesprecherin dazu: Die Ministerin sei „sehr freundlich“ von der Geschäftsführung und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern empfangen worden. „Die Belegschaft arbeitet motiviert und mit viel Engagement“, erklärt das Bundeswirtschaftsministerium. Die Versorgungsideen und Vorgehensweisen von DocMorris scheinen Zypries und das BMWi zu überzeugen: „Das Unternehmen geht mit seinem Geschäftsmodell mit der Zeit: Die Digitalisierung kann und wird auch im Gesundheitsbereich durch Innovationen großen Nutzen für Patienten, Kunden und Unternehmen gleichermaßen stiften.“ Bei DocMorris handele es sich um ein in Sachen Digitalisierung „sehr interessantes Unternehmen“, sagt die Pressesprecherin.



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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12 Kommentare

Sehr geehrte Frau Zypries,

von Stefan Haydn am 03.08.2017 um 13:48 Uhr

modern und digital arbeiten kann ich auch. Viedochat/Beratung, kein Problem, Bestellung per whats app oder email/homepage auch kein Problem.
Wenn da nur nicht immer der deutsche Datenschutz wäre!

Aber seit der Postkartenaktion von DocMo wissen wir ja, dass der auch nur für deutsche Apotheken verpflichtend ist.
(War ja jemand böses, der DocMo linken wollte.)

Bei mir hat der Patient in aller Regel seine Ware am selben Tag, mit Beratung. Ohne Rezept-Schickerei und unbedingt meine Apotheke aufsuchen muß er auch nicht (Es soll ja noch so was wie Telefon geben!)

Dazu beschäftige ich zu 100% Frauen, zahle meine Steuern und Sozialabgaben in Deutschland und unterstütze örtliche Vereine.

Aber all das interessiert Sie sicher nicht, da ich ja nicht genug für Sie spende.
Wie kann man sich als Politikerin nur so derart selbst demontieren und dem Wähler so offen die A..Karte zeigen?
(Ich hoffe die Netiquette deckt das noch)

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„Das DocMorris-Geschäftsmodell geht mit der Zeit“ - Frau Zypries

von Klaus Debring am 03.08.2017 um 10:38 Uhr

In Abänderung des alten Spontispruchs "Atomkraft ? Bei mir kommt der Strom aus der Steckdose" könnte man sagen "Internetbestellung ? Bei Frau Zypries kommt die die Ware übers Netz". Völlig virtuell und dieselfrei!
Darüberhinaus: einen Versorgungsenpass, der gar nicht besteht, durch Versandhandel beheben zu wollen mutet aus heutiger Sicht mehr als naiv an.
Versorgungsengpässe gab es in der früheren DDR zuhauf. Die Lösung sollte der Versandhandel bringen. Das Ergebnis ist bekannt.
Zu was 4000 € Zuwendung in 2014 doch führen kann ?!

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In Deutschland gibt es auch Computer

von Politik-Kritiker am 03.08.2017 um 9:12 Uhr

Es wurde ja bereits alles gesagt. Es würde mich aber schon interessieren, was an dem Geschäftsmodell von DocMo so besonders ist. Neckermann und Quelle gab es schon vor ewigen Zeiten. Die haben auch nur Päckchen verschickt. Oder meinte Frau Zypries den Video-Chat?
Meist ungelernte Arbeiter stopfen Medikamente in einen Pappkarton, kleben den zu und werfen ihn auf einen LKW. That's it. Analoger geht es gar nicht.
Oder ist es, dass man sieht, wie sich ein Krebsgeschwür langsam über den deutschen Gesundheitsmarkt her macht und ihn tötet. Frau Zypries, Sie sollten sich einen anderen Job suchen - hiervon verstehen sie offensichtlich nichts. In welchem Zeitalter leben Sie eigentlich, denn Computer und automatische Warenlager nebst Logistik gibt es in Deutschland schon länger als es DocMo gibt.

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Zeitgeist

von Anita Peter am 03.08.2017 um 8:12 Uhr

Mit der Zeit gehen heisst also:

- völlig analog Päckchen verschicken
- keine Temparaturkontrolle der AMs während des Versands
- Rabattschlacht auf Kosten der flächendeckenden Versorgung
- Rosinenpickerei, nur das Anbieten was Geld bringt, der Rest bleibt für die Vor Ort Apos.
- Bezahlte Abendessen mit politischen Entscheidern
- Bezahlte Auftritte von politischen Entscheidern
- Spargelfahrten
- Ausgleich der Firmenverluste durch Scheichs
- Ständige Gesetzesbrüche

Respekt Frau Ministerin, Sie gehen wirklich voll mit der Zeit! Nur sollte die SPD dann das S aus ihrem Parteinamen streichen.... Die Partei des kleinen Mannes, ich lach mich schlapp!

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Mit der Zeit gehen...

von Pharmi am 02.08.2017 um 22:44 Uhr

Gegen geltendes Recht zu verstoßen ist also "Mit der Zeit gehen"... Interessante Rechtsauffassung hat die Ministerin da...

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DocMorris geht mit der Zeit...

von Christiane Patzelt am 02.08.2017 um 19:32 Uhr

...wie sehr würde ich mir das wünschen, dass die einfach gehen....

Frau Zypries reiht sich für mich in die Reihe Ulla Schmidt, Andrea Fischer und Biggi Bender ein...selbsterklärend und in der Wählerschaft mit etwas Köpfchen rufen diese "Dull-Girls" einfach nur noch Fremdschämen hervor!
Warum stellen sich solche Menschen in den Dienst der Bevölkerung und was erwarten sie für Reaktionen, wenn sie total am Volke vorbei regieren,agieren und beschließen?

Möchte man sich nicht am Morgen im Spiegel anschauen und ein bißchen stolz darauf sein, dass man für das Gemeinwohl tätig war? Zählen solche Werte denn in der Politikerreihe gar nichts mehr?

Wie weit eine Branche so geht, sehen wir an den Autobauern, die von der Politik gepampert geradewegs einen Knaller nach dem anderen liefert....und wir alle zahlen den Preis...


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Besuch der Ministerin in Holland

von Dr. Christian Gerninghaus am 02.08.2017 um 18:21 Uhr

Diese Besuch ist unfassbar und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Apothekers in Deutschland. Da wird der Eindruck erweckt, deutsche Vor-Ort-Apotheken seien nicht innovativ und digitalisierungsfeindlich, während ausländische Versender Hemmnisse abbauen und Nutzen stiften. Lachhaft! Das Gegenteil ist der Fall: kaum eine Branche in Deutschland ist schon heute so digitalisiert wie die der Apotheken. Und wir könnten mit Modellen zur Versorgung schon viel weiter sein, aber die Hemmnisse liegen in der unglaublichen Überregulierung unserer täglichen Arbeit. Dabei ist eines nicht zu vergessen: Digitalisierung, wenn es um die Gesundheit von Menschen geht, hat auch ihre Grenzen! Nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch sinnvoll und kann den direkten Kontakt zwischen hochqualifizierten Apothekenmitarbeitern und Patienten ersetzen. Arzneimittel sind keine Ware wie Bücher oder Schuhe. Mit Büchern oder Schuhen kann man keinen wirklichen Schaden anrichten, mit Medikamenten, auch mit vermeintlich harmlosen und allgemein bekannten sehr wohl.

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Zerstörerisches Geschäftsmodell

von Reinhard Rodiger am 02.08.2017 um 17:07 Uhr

Frau Zypries spricht es aus: Nur Kapitalgesellschaften haben politisch gesehen eine Überlebenschance also gehen mit der Zeit. Das ist die Vollendung des Abbaus dem Gemeinwohl verpflichteter Strukturen.Fair-Play, Orientierung an Gesetzen,Einhaltung von Regeln,Solidarität - alles nichts mehr wert.
Dies und das Geld aus obskuren Quellen bringt die neue SPD-Gerechtigkeit.

Man könnte sagen, Auslieferung abhängiger (weil kranker) Menschen an Rendite-unternehmen ist ja allgemeiner Politikstil. Also nichts besonderes. Doch so drastisch einseitige, die Auswirkungen ignorierende Parteinahme ist verantwortungslos.

Dies gilt besonders,weil der Auftrag besteht, die (Unter)-Finanzierung der eigentlichen Leistungserbringer zu untersuchen.Von neutraler Beurteilung kann nicht mehr gesprochen werden.

Gerade vom Wirtschaftsministerium ist zu erwarten, unterschiedliche Funktionalitäten von Klein(st)-Unternehmen versus Kapitalgesellschaften bezogen auf den Leistungsauftrag differenziert zu gewichten. Dann geböte der Anstand, auf einseitige Parteinahme mit dem korrupten Beigeschmack zu verzichten.Aber das gehört wohl nicht mehr dazu.

Gegen kapitalgestützte Digitalisierung ist kontaktorientiertes Betreuen(selbstverständlich digital unterstützt) chancenlos.Das erstere ist automatisierbar und führt zu massiver Arbeitsverdichtung.Menschliche Kontakte kosten mehr Arbeitskraft und brauchen politische Rückendeckung.

Das sind die Zusammenhänge,die ausserhalb der Betrachtung bleiben.

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AW: Zerstörerisches Geschäftsmodell

von Christiane Patzelt am 02.08.2017 um 19:34 Uhr

Zeige mir einen Menschen, der nicht über den Tellerrand hinaus schauen kann und dabei Weitblick zeigt.

Es gibt leider keine Qualifikation für Politiker.

Ergänzung der Vor Ort Apotheke?

von Peter Bauer am 02.08.2017 um 17:03 Uhr

Warum kommen eigentlich alle Vollvernetzten in die Apotheke und lassen sich beraten,beraten und nochmal beraten ,um dann mit dem Satz:"Das überlege ich mir nochmal" den Artikel im Internet zu kaufen.Das nennt man dann Ergänzung der Vor Ort Apotheke ,oder ganz allgemein des Einzelhandels ,durch das Internet?Der einzige Grund Arzneimittel im Internet zu bestellen sind die abstrusen Rabatte ,die dort gewährt werden und nichts anderes.Nachdem vor allem das Internet für die angebliche Landbevölkerung zur Versorgung so wichtig ist,würde mich mal konkret die Region in Deutschland namentlich interessieren wo die Versorgung mit Arzneimitteln mangelhaft ist.Müssen die Menschen in diesen Regionen dann eigentlich zum Arzt oder kommt da der Arzt?Dann ist es nämlich ziemlich selten ,dass da keine Apotheke vor Ort ist.Frau Zypries ,das sind alles Allgemeinplätze ,die Sie da von sich geben und entspricht nicht im entferntesten der Realität.Deutschland ist auch ohne Versandapotheken bestens versorgt

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Wer geht mit der Zeit??

von Ann-Katrin Kossendey-Koch am 02.08.2017 um 16:37 Uhr

Frau Zypries spricht von Digitalisierung und zukunftsweisendem Modell und hat selber keine Facebook-Seite...Doc Morris geht mit der Zeit, Frau Zypries im Herbst wohl auch.

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Chapeau!

von Anderstellemalanonym am 02.08.2017 um 16:15 Uhr

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen...
Eine deutsche Wirtschaftsministerin besucht eine ausländische Versandapotheke, die nicht nur die deutschen Sozialkassen plündert, ohne hier auch nur die geringsten Steuern zu zahlen und dessen Geschäftsmodell die Vernichtung der Apotheke vor Ort betreibt, welche ein frauendominierter Arbeitsmarkt ist, mit hoch ausgebildeten Fachkräften, die problemlos damit Beruf und Familie über Teilzeitmodelle unter einen Hut bekommen können. Die regionale Versorgungssicherheit ist dadurch gefährdet, eben weil die Apotheke vor Ort innerhalb kürzester Zeit (eben schneller als jeder Versender) notwendige Medikamente beschafft und sich mit den regionalen Befindlichkeiten der verschreibenden Ärzte auch auf dem kurzen Telefonweg austauschen kann. Verorgungsstrukturen, die auch patientenindividuelle Rezepturen anfertigt und durch geballte Kompetenz die Patienten versorgt und somit sogar die Kosten im Gesundheitssystem senken kann. Und das von einer SPD-Ministerin. Gegen mehr Prinzipien der eigenen Partei verstoßen kann man wohl nicht an einem Tag.

An einem solchen Beispiel könnte die Vermutung aufkeimen, dass die Spenden von DM ihre Wirkung zeigen. Ich erinnere nur an die Personalie Lauterbach...

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