Versandapotheke

Wirtschaftsministerin Zypries besucht DocMorris

Berlin - 01.08.2017, 13:45 Uhr

Zu Besuch beim Holland-Versender: Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (5. von links) besuchte die niederländische Versandapotheke DocMorris. (Foto: DocMorris)

Zu Besuch beim Holland-Versender: Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (5. von links) besuchte die niederländische Versandapotheke DocMorris. (Foto: DocMorris)


Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hat am gestrigen Montag die niederländische Versandapotheke DocMorris besucht. Einer Mitteilung von DocMorris zufolge hat sich Ministerin über neue e-Health-Anwendungen informiert, insbesondere über einen „Live-Chat“, bei dem Apotheker mit Kunden verbunden werden.

Das Verhältnis zwischen Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und den Apothekern war in den vergangenen Monaten nicht einfach: Zypries‘ Wirtschaftsministerium hatte noch unter Leitung ihres Vorgängers Sigmar Gabriel gegen die neuen, höheren Rezepturhonorare für Apotheker protestiert. Anschließend widersprach Zypries vehement dem vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) vorgelegten Rx-Versandverbot als Reaktion auf das EuGH-Urteil zur Preisbindung. Das BMWi hatte damals in der Ressortabstimmung erklärt, es sehe „erhebliche verfassungsrechtliche und europarechtliche Schwächen“. Außerdem hatte das Ministerium behauptet, dass eine Bedrohung der flächendeckenden Versorgung „nicht erkennbar“ sei und durch den Versandverbot-Entwurf auch nicht nachvollziehbar belegt worden sei.

(Foto: DocMorris)
Zypries in der Rezeptur von DocMorris

Zypries‘ Besuch bei DocMorris dürfte das Verhältnis zu den Apothekern nun erneut beschweren. Die Ministerin ließ sich am gestrigen Montag durch die Zentrale der niederländischen Versandapotheke in Heerlen führen, testete den Live-Chat aus und ließ sich in der DocMorris-Rezeptur fotografieren. Auf Nachfrage von DAZ.online äußerte sich das BMWi zum Besuch der Ministerin in Heerlen bislang nicht. In einer DocMorris-Pressemitteilung heißt es aber, dass Anlass des Besuchs ein Eckpunktepapier der Ministerin aus dem Mai 2017 gewesen sei. Zur Erklärung: In dem Papier hatte Zypries erklärt, wie sie die Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft voranbringen wolle.

In der Mitteilung von DocMorris heißt es dazu: „Dies war Anlass, sich vor Ort im deutsch-niederländischen Business-Park-Avantis der Städte Aachen und Heerlen über die Strukturen, Abläufe und digitalen Lösungen von Europas größter Versandapotheke zu informieren.“ Zypries selbst wird in der Unternehmensmitteilung wie folgt zitiert: „Die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet uns die Chance, gerade in ländlichen Regionen die medizinische und pharmazeutische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern und zu erleichtern. Unser Ziel muss es daher sein, Hemmnisse weiter abzubauen und Innovationen mehr Luft zum Atmen zu geben, um die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft voranzutreiben.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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15 Kommentare

Protektion ausländischen Großkapitals durch Deutsche Wirtschaftsministerin!

von Heiko Barz am 02.08.2017 um 11:14 Uhr

Was sich diese "Antiwirtschafts" Ministerin mit ihrer PR Aktion zur Belebung ausländischer Kapitalpiraten geleistet hat, müßte eine "Ad Hoc" Entlassung aus dem Amt nach sich ziehen. Minister - Eid ?
Wie ist es nur möglich, dass unser Aller sendungsbewußter "Zukunftskanzler" der 100% Martin Schulz solch eine SPD-unwürdige Arbeitsplatzvernichtungs - Kampagne nicht schon im Keim verhinderte.
Was ist noch übrig von dieser "Bebelschen Sozialen Grundidee Partei? Die Spirale des Grauens weitet sich immer weiter aus, wenn man sich die Namen derer einprägt, die auf der schleimigen Spur des Großkapitals hin und her rutschen.
Hier darf auch nicht die Ausrede diskutiert werden, dass die genannten Protagonisten für Ihre "Nachkarriere" eine berufliche Zukunft suchen möchten.
Noch deutlicher kann die SPD ihre Unglaubwürdigkeit und die staatstragende Unfähigkeit zum Regieren nicht mehr toppen!
Eins wird aber deutlich, die "zyprische Spilefeldanalyse" der zukünftigen Arzneimitteldistrbution wird die Analyse zur Honorardiskussion einer 'unabhängigen' Bewertungskommissiion nicht gerade beflügeln.

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Rabattverträge

von M. Schulz am 02.08.2017 um 6:30 Uhr

Eine Frage hätte ich zur Telepharmazie.
Wie wird diese den Kunden überzeugen, das neue Rabattvertragsarzneimittel zu akzeptieren bei einem (erneuten) Präparatewechsel?
Werden die Sorgen der Kunden ernst genommen und gebenenfalls Minuten lang Überzeugungsarbeit geleistet? Wird auch gegebenfalls zum Beispiel bei Schluckbeschwerden trotz anders lautetenden Rabattvertrag doch Tabletten statt Kapseln abgegeben? (pharmazeutische Bedenken)
Ich sehe jeden Tag Kunden, die diese Rabattvertragsarzneimittel in den Müll werfen würden ohne meine Beratung.
Die Krankenkassen und Politiker gehen davon aus, dass das Adherenzproblem längst kein Problem mehr ist. (Wirklich?!)

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Merkt es wirklich keiner?

von Karl Friedrich Müller am 01.08.2017 um 21:57 Uhr

Die Politik treibt es mit jedem Thema so. Hauptsache Konzerne profitieren. Das nennt sich zwar Neoliberalismus, ist in Wirklichkeit Lug und Betrug.
So wird nun behauptet, dass in der Dieselaffaire ( eine Verniedlichung des Problems ist dieser Ausdruck) die "Softwarelösung " her müsse, um den Dieselfahrer zu "schützen".
Ein weiterer Versuch, die Bevölkerung für dumm zu verkaufen. Nichts interessiert hier weniger als der Fahrer oder getäuschte Käufer. Nur die Autokonzerne sollen vor zu hohen Forderungen geschützt werden. Die Bevölkerung ist doch egal, sie dient nur als Vorwand.
Ebenso wird die Bevölkerung als Argument missbraucht, um Arzneimittelversand durchzusetzen. Dabei müsste, nähme man sie ernst, das Gegenteil passieren.
Lügner, Betrüger, Gesetzesbrecher werden von der Politik gefördert. Man darf hier ruhig mal fragen, inwieweit sich die Politik noch von den so Geschützten noch unterscheidet.
Vielleicht in der Schlichtheit des Gemüts? Für ein paar Euro und ein Essen verkaufen Politiker die Güter Deutschlands und machen die Bevölkerung zu Sklaven der Konzerne mit Minijobs, schlechter Bezahlung, Ausbeutung und Armut.
Politiker überbieten sich mit weitergehenden Vorschlägen, sogar im Wahlkampf. Keiner bemerkt das.
Keinen regt es offensichtlich auf. Keiner wehrt sich?
Warum?
Hier im Kreis läuft die Diskussion über Krankenhausschließungen. Schulterzucken der Medien. Wirtschaftlichkeit ist wichtig, klar. Nicht die Menschen, für die die Nahversorgung abgeschafft wird. Nicht für den Notfall, der auf dem weiten Weg zur Rettung stirbt. Für die Schwangere, die am Straßenrand niederkommt.
Ein Häufen junger Menschen, die protestierten, wurde nur ein mitleidiges Lächeln geschenkt, nicht ernst genommen.
Wo leben wir eigentlich?
Hat jeder morgens schon eine Tavor im Kaffee?
Ich verstehe das nicht!
Das sind nur 2 Bereiche. Aber es ist überall so!

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AW: Dieselaffäre, Krankenhausschließungen

von Holger am 02.08.2017 um 8:16 Uhr

Ich fahre keinen Diesel, bin also nicht betroffen. Aber für vollkommen abwegig halte ich die Softwarelösung nicht. Schließlich halten die Fahrzeuge ja auf dem Prüfstand die Messwerte ein, weil die Trick-Software die Prüfsituation erkennt und den Motor entsprechend ansteuert. In einer normalen Verkehrssituation hingegen ...
Wenn man also dafür durch entsprechende Konfiguration der Software dafür sorgen würde, dass der Motor auch im normalen Verkehr so läuft wie unter Testbedingungen, wäre diesen Anforderungen Rechnung getragen. Was dies allerdings für die Leistung des Motors, für den Kraftstoffverbrauch, für die zu erwartende Lebensdauer etc. bedeutet, vermag ich nicht zu beurteilen. Hier müssten dann die allgemeinen Regeln des Schuldrechts aus dem BGB greifen, nach denen der Kunde, wenn das Produkt nicht über die vom Verkäufer angepriesenen Eigenschaften verfügt, das Recht auf Nachbesserung, Wandlung (Umtausch) oder Minderung (Rabatt) hat. DAS würde so richtig teuer für die Automobilindustrie :))


Krankenhausschließungen wären meines Erachtens - und ich arbeite selbst im Krankenhaus - dann kein wirkliches Problem, wenn sie mit Sinn und Verstand erfolgen würden, man sich also überlegen würde, in welcher Region welches Angebot benötigt würde und welches eben nicht. Das passiert aber nicht, sondern man dreht einfach allen Krankenhäusern so lange den Geldhahn immer weiter zu, bis nur noch die insgesamt "notwendige" Zahl an Häusern/Betten übrig ist. Wenn dann nur die Krampfader-Bllinddarm-Kliniken übrigbleiben und die Herzinfarkt-Schlaganfall-Einrichtungen alle schließen, oder die Häuser in der Peripherie dicht machen, die in den Ballungsräumen überleben - Pech gehabt. Hier wäre in der Tat die Politik gefordert, die Interessen der Gesellschaft zu definieren und dann auch durchzusetzen. Früher hieß das mal Landeskrankenhausplan. Aber das würde eben nicht nur bedeuten, dass man dem einen oder anderen Krankenhauskonzern auf die Füße treten müsste, sondern es müssten eben auch Landräte/Bürgermeister auf "ihr" Krankenhaus verzichten. Chancenlos ...

Glaubwürdigkeit

von Reinhard Rodiger am 01.08.2017 um 20:04 Uhr

Frau Zypries hat schon als Staatssekretärin Geld (4000€) von DocM generiert.Da sind nützliche PR-Massnahmen schon zu erwarten.Parteiinteresse vor Gemeinwohl.
Es ist schon traurig, dass solch durchsichtige Abhängigkeiten gepflegt werden (dürfen).So einen Rest an Anstand oder Ehrgefühl sollte es schon geben.
Bedrückend ist jedoch, dass hier PR gegen das Gemeinwohl und diejenigen gemacht wird, die dem dienen.
Unerträglich ist dieser Politikstil.Die Quittung folgt.Die SPD hat nichts gelernt.Wer nichts lernt,den bestraft das Leben.

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AW: ausländische Großkonzerne

von Dr. Arnulf Diesel am 02.08.2017 um 15:06 Uhr

Daß man Propaganda für Docmorris macht und bei Rechtsbruch beide Augen zudrückt ist nicht verwunderlich. An der DocMorris Mutter zur Rose AG ist ja seit letztem Jahr (die DAZ berichtete) eine Investmentgruppe aus Saudi Barbarien als Großaktionär beteiligt. Dieses Königreich ist u.a. Großkunde der deutschen Rüstungsindustrie, für das gute freundschaftliche Verhältnis kann man die deutschen Apotheken ja ausliefern...

Aufgabe einer Witschaftsministerin

von Jochen Ebel am 01.08.2017 um 19:26 Uhr

Da hat Frau Zypries mal wieder was falsch verstanden - Aufgabe einer deutschen Wirtschaftsministerin ist nicht die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Leider ist sie nicht Holland geblieben.

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Doc-Morris.....Rezeptur?

von G.Röscheisen-Pfeifer am 01.08.2017 um 18:56 Uhr

Mensch, was ist die Rezeptur sauber! Sieht aus wie nie benutzt!

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Anschlußverwendung

von ratatosk am 01.08.2017 um 18:32 Uhr

Auf das muß man erst mal kommen, rosinenpickende Großkonzerne die den ländlichen Raum besser versorgen - ich schmeiß mich weg - aber mal ehrlich !
Die Frau kann ich verstehen, so wie die SPD arbeitet und in ihrem Alter würde ich auch für später mich schon mal umschauen.
Das mit dem Ministereid nimmt ja auch keiner mehr so ernst, mit Schaden vom Volk abhalten und so. Aber leider arbeiten fast alle Minister ja so, man denke nur an Schäuble und die Registrierkassen und den Milliarden Schaden für den Steuerzahler, da muß man den ja wohl auch mit Gewalt zum Durchgreifen zwingen, sind leider alls Firmen mit so schönen Pfründen.

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Es ist wie mit den Hütchenspielern...

von Christiane Patzelt am 01.08.2017 um 17:56 Uhr

DocMo zaubert den Kleinen aus der Politik was vor und schon sind alle begeistert und klatschen in die Hände!

Wie viel mehr Wert ist es denn, wenn der Apotheker nicht nur das 3D-Modell am Tablet sondern den echten Vorführ-Inhalator benutzt und überprüfen kann, ob der Patient die Inhalation auch korrekt ausführt und zuhause auch alleine korrekt ausführen kann?

Wie unpersönlich soll die Medizin und die Pharmazie denn werden?

Die Politik lässt gerade den älter werdenden Menschen so im Regen stehen und jeder soll sich um sich selber kümmern, hier wird doch soziale Kälte gefördert!! Der Patient ist bei DocMo doch einfach nur ne Nummer! Empathie gleich null, oder warum haben wir vor-Ort-Apotheken immer noch Kundschaft und Patienten in unseren Offizinen?

Frau Zypries, Sie fördern hier die Falschen! Sie sind auf dem Holzweg und lassen sich mit billigen Zaubertricks reinlegen!

DIE SPD IST UND BLEIBT UNWÄHLBAR (ich denke nur an das Hartz-4-Debakel und an die Rentenverschlimmbesserungen...), denn sie zerstört meine Apotheke vor Ort!!

Euer Wahlzettel bestimmt eure Zukunft, werte Kollegen!!

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Bananenrepublik

von Frank ebert am 01.08.2017 um 15:33 Uhr

Kann es denn noch deutlicher sein ? Geld regiert die Welt! Wir sollten aufhören uns über andere Länder aufzuregen. I Warum war ich nicht der Hamburger Apotheker. Ich hätte Schulz medienwirksam rausgeworfen !

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Vielen Dank

von Anita Peter am 01.08.2017 um 14:53 Uhr

Auch von meiner Seite an herzliches Dankeschön an Frau Zypries! Es fehlte nur noch das Schild buy local....

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Rent a Sozi

von Torben Schreiner am 01.08.2017 um 14:42 Uhr

Abgeorndenten Watch veröffentlichte doch damals diese Liste:

https://www.abgeordnetenwatch.de/blog/2016-12-22/rentasozi-diese-unternehmen-zahlten-fur-gesprache-mit-spd-politikern

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AW: Rent a Sozi

von Anita Peter am 01.08.2017 um 15:09 Uhr

Geschmiert läuft der Motor eben besser.....

deutsche Ministerin in den Niederlanden?

von Peter Bauer am 01.08.2017 um 14:25 Uhr

Was macht eine deutsche Ministerin in einer niederländischen Versandapotheke??Hat Deutschland keine Versandapotheken?Verfünffachung der RX-Kunden nur(!) im ersten Quartal(=drei Monate!!!!)bei DocMorris.An die 50% Umsatzsteigerung (OTC)bei anderen ausländischen Versendern?Keine Gefährdung der flächendeckenden Versorgung??????Frau Zypries da gehen Umsatz-und Einkommenssteuer,Arbeitsplätze vor allem für Frauen verloren.Frau Zypries ,bekommen sie dafür Geld von der Großindustrie,weil anders kann ich mir Ihr für uns erschütterndes Statement im Ausland nicht erklären?

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