TK-Gesundheitsreport 2017

Antidepressiva-Verordnungen haben sich seit 2007 verdoppelt

Berlin - 01.08.2017, 13:05 Uhr

Insgesamt haben erwerbstätige TK-Mitglieder 2016 Rezepte über 22,8 Millionen Präparate bei Apotheken eingereicht. (Foto: picture alliance/chromorange)

Insgesamt haben erwerbstätige TK-Mitglieder 2016 Rezepte über 22,8 Millionen Präparate bei Apotheken eingereicht. (Foto: picture alliance/chromorange)


Stressbedingte Krankschreibungen nehmen zu, ebenso wie die Zahl der verordneten Antidepressiva. Die hat sich laut Techniker Krankenkasse seit 2007 nämlich verdoppelt. Statistisch gesehen soll demnach jeder Beschäftigte im letzten Jahr für durchschnittlich zwei Wochen Antidepressiva verschrieben bekommen haben. 

Zwar werden Fehlzeiten am Arbeitsplatz insgesamt weniger – das geht aus dem Gesundheitsreport 2017 der Techniker Krankenkasse hervor. So ist von 2015 auf 2016 ein Rückgang um 1,2 Prozent zu verzeichnen. Zurückgegangen ist allerdings nicht Zahl der Krankschreibungen, sondern deren Dauer. Zugenommen hat jedoch laut TK die Zahl der stressbedingten Krankschreibungen. So entfällt zwar der größte Anteil der Fehlzeiten auf Muskel-Skelett-Erkrankungen – Rückenschmerz ist dabei die wichtigste Einzeldiagnose – psychische und Verhaltensstörungen kommen aber direkt dahinter.

Und auch die Zahl der verordneten Antidepressiva ist laut TK gestiegen. Seit 2007 hat sie sich verdoppelt, teilt die Kasse mit. Während 2006 durchschnittlich 12,8 Tagesdosen (DDD) Arzneimittel zur Behandlung des Nervensystems, zu denen die Antidepressiva zählen, je Versicherungsjahr verordnet wurden, waren es 2016 22,4 DDD je Versicherungsjahr und damit 74,4 Prozent mehr als 2006. Die Antidepressiva hatten dabei mit 14,1 Millionen DDD je Versicherungsjahr mit Abstand den größten Anteil. Auf Platz zwei liegen die Antiepileptika mit 2,2 Millionen DDD je Versicherungsjahr.

Bei Männern ist der Anstieg schneller

Dabei ist das Verordnungsvolumen bei männlichen Beschäftigten schneller gestiegen als bei weiblichen. Sie erhielten 2016 im Schnitt für 10,5 Tage Arzneimittel gegen Depressionen, das sind 114 Prozent mehr als 2007. Bei Frauen stieg laut TK die verordnete Dosis im selben Zeitraum „nur“ um 93 Prozent von 8,7 auf 16,8 Tageseinheiten. Grundsätzlich bekommen Frauen insgesamt weniger Arzneimittel verordnet als Männer, aber mehr Antidepressiva. 

Insgesamt haben erwerbstätige TK-Mitglieder 2016 Rezepte über 22,8 Millionen Präparate mit 1.284 Millionen definierten Tagesdosen (DDD) zulasten der TK bei Apotheken eingereicht. 70,3  Prozent der erwerbstätigen Versicherten lösten 2016 mindestens ein Rezept ein. TK-Versicherte erhielten 2016 im Durchschnitt Rezepte über 4,54 Präparate mit insgesamt 252 Tagesdosen.

Im Vorjahr waren es 4,53 verordnete Präparate und 248 Tagesdosen. Die Zahl der verordneten Präparate ist also um 0,4 Prozent und damit kaum gestiegen. Das  Verordnungsvolumen, gemessen in definierten Tagesdosen, nahm um 1,4 Prozent zu. Die höchsten Verordnungsvolumina finden sich in Sachsen-Anhalt. Verhältnismäßig niedrig liegen die Gesamtverordnungsvolumen demgegenüber, wie bereits in den Vorjahren, in Baden-Württemberg, Bayern und Bremen.

Für den Gesundheitsreport 2017 wertete die TK Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der 4,8 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus. Der vollständige Report steht unter www.tk.de/gesundheitsreport zum Download.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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