Therapie mit Sovaldi und Co.

vfa: Prognosen zur Hepatitis-C-Behandlung waren überzogen

Berlin - 28.07.2017, 07:00 Uhr

Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags am heutigen 28. Juli legt der Herstellerverband vfa Zahlen zur Hepatitis-C-Behandlung dar.  (Foto: kamasigns / Fotolia)

Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags am heutigen 28. Juli legt der Herstellerverband vfa Zahlen zur Hepatitis-C-Behandlung dar.  (Foto: kamasigns / Fotolia)


Die forschenden Arzneimittelhersteller sind besorgt um die Anerkennung ihrer Innovationen. Derzeit warnen Kassen immer wieder vor immensen Kostensteigerungen, unter anderem durch neue Krebsmedikamente oder antivirale Mittel. Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags am heutigen 28. Juli zeigt der Herstellerverband vfa am Beispiel der Hepatitis-C-Therapie auf: So manche Prognose ist überzogen und blendet wichtige Aspekte aus.

Am heutigen Freitag ist  Welt-Hepatitis-Tag. Ein guter Grund für den Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa) eine Sonderauswertung aus dem jährlich präsentierten Arzneimittel-Atlas zu Hepatitis-C vorzulegen. Und zwar mit einer positiven Botschaft: Die Therapie dieser Erkrankung hat sich grundlegend und erfolgreich gewandelt.

Prof. Bertram Häussler, Leiter des Berliner IGES-Instituts, das den Arzneimittel-Atlas herausgibt, zeigte die Entwicklung der vergangenen Jahre auf. Vor 2014 ging man von rund 267.000 Hepatitis-C-Infizierten in Deutschland aus – darunter 153.000 diagnostizierte Fälle. Jedes Jahr kamen schätzungsweise 5000 Fälle dazu – ihnen standen knapp mehr Todesfälle, etwa infolge von Leberkrebs oder Leberzirrhose, gegenüber. Die neuen Fälle lassen sich kaum vermeiden. Denn sie sind meistens Folge intravenösen Drogengebrauchs oder sind auf eine zunehmende Zahl von Einwanderern aus Ländern mit höherer Krankheitsprävalenz zurückzuführen. Beide Risiko-Gruppen sind schwer zu erreichen und zu kontrollieren. Eine Impfung, wie es sie gegen Hepatitis B gibt, ist nicht in Sicht.   

Die Situation vor 2014

Dennoch sind und waren es jährlich rund 10.000 Erkrankte, die medikamentös behandelt wurden. Vor 2014 mit Interferonen und Ribavirin. Diese Therapie war in der Regel langwierig, schlecht verträglich und ging häufig mit Depressionen und dem Fatigue-Syndrom einher – dies alles wirkte sich nicht positiv auf die Compliance aus und führte dazu, dass bei 60 Prozent die Behandlung erfolglos blieb.

Doch seit dem Jahr 2014 gibt es bekanntlich Arzneimittel, mit der Hepatitis C zu heilen ist – bei bis zu 99 Prozent der Patienten lässt sich das Virus eliminieren. Meist bereits nach zwölf Wochen. Und das ohne die Nebenwirkungen, die die vorherigen Interferon-Therapien mit sich brachten. Die neuen Arzneimittel greifen nicht mehr den gesamten Körper an, sondern zielen direkt auf das Virus ab, betonte Häussler. Auch die Ärzte reagierten prompt auf diese neue Therapiemöglichkeit: „Es kommt selten vor, dass Ärzte so schnell auf etwas Neues aufspringen“, räumt auch Häussler ein. Doch Wirksamkeit überzeugt. Schon nach knapp neun Monaten hatte Sovaldi die Therapie mit Interferon und Ribavirin von 90 Prozent auf unter 50 Prozent gedrückt. Mittlerweile werden Interferone nur noch in Ausnahmefällen verabreicht, ihr Anteil am Verbrauch liegt bei nur noch rund 10 Prozent, der von Ribavirin bei etwas mehr. 



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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