Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

30.07.2017, 07:25 Uhr

War das schon ein Religionskrieg in dieser Woche? (Foto: Andi Dalferth)

War das schon ein Religionskrieg in dieser Woche? (Foto: Andi Dalferth)


Der Aufreger der Woche, das homöopathische Armageddon der Mechthild Heil, Verbraucherschützerin der CDU/CSU: Globuli mit deutschen Namen und raus aus der Apotheke. Oh Gott, wollte sie einen Religionskrieg anzetteln? Da stellen sich sogar die Versandapoliebhaberinnen von SPD und den Grünen auf die Seite der Apotheke. Apropos Versand: Verbraucher dürfen ihre bestellten Arzneimittel zurückschicken, die danach in die Tonne müssen – ach wie schade. Und der alte Zopf der Importquote poppt auf: Wann wird der abgeschnitten?  

24. Juli 2017 

Oh Gott, die CDU/CSU! Da sticht sie in ein Wespennest. Und kickt sich selbst ins Aus. Rütteln an der Apothekenpflicht für Homöopathika! Ist die denn von allen guten Geistern verlassen? Also, mein liebes Tagebuch, man kann ja zur Homöopathie stehen wie man will, aber zu verlangen, dass Globuli, Dilutiones und Hochpotenzen im Supermarkt stehen sollen, dass Etiketten mit deutschen Namen drauf kleben sollen und sogar noch mit Indikationen in Deutsch – nein, das ist ein No Go bei der Homöopathie: Dann ist der Zauber weg. Und damit die Chance, dass vielen Menschen, die für Zauber und Voodoo empfänglich sind, mit sanfter Medizin – manche sprechen auch von Edelplacebos –  geholfen werden kann. Mein liebes Tagebuch, ich glaube, Mechthild Heil, Verbraucherschutzbeauftragte der Unionsfraktion, war sich gar nicht bewusst, was sie mit ihrer dünnen Pressemitteilung, in der sie die Eindeutschung forderte, losgestoßen hat. Sie scheint auch nicht verstanden zu haben, dass der Zauberzucker von Globuli nicht gleichzusetzen ist mit Waren wie Gummibärchen, Lollypops oder Schokoriegel. Homöopathika haben es nun einmal geschafft, und das muss auch die gute Mechthild H. anerkennen, den Status der registrierten Arzneimittel erreicht zu haben. Was die Verständlichkeit der Namen angeht, so hilft vermutlich eine Übersetzung dem Verbraucher herzlich wenig. Was hat er davon, wenn auf dem Globulifläschchen Wiesenkuhschelle statt Pulsatilla pratensis oder Todesbaum statt Okoubaka steht. Und dann noch die Anwendung: „Todesbaum gegen Verdauungsstörungen“ – bringt’s das wirklich? Es gibt doch Apotheker, die helfen beim Übersetzen gerne weiter! Wenn Mechthild H. meint, den Verbraucher schützen zu müssen, indem sie diese Stoffe und Zubereitungen in den Drogeriemarkt abwandern lässt, dann tut sie dem hilfesuchenden Patienten einen Bärendienst. Und deutsche Bezeichnungen zu fordern, ist irgendwie populistisch – da müssten erstmal Politiker lernen, sich verständlich auszudrücken. Wenn Sie der Überzeugung ist, Homöopathika sind Humbug, dann soll sie einen Antrag auf Verbot dieser Zubereitungen einbringen. Hätte allerdings keine Chance. Und wenn doch, gäbe es die Globuli als Schmuggelware auf dem Schwarzmarkt für teures Geld. Also, mein liebes Tagebuch, was soll diese Aktion? Stimmenfang im Wahlkampf? SPD und Grüne nutzen diese Mechthildschen Entgleisungen bereits: Sie setzen auf die Beratung in der Apotheke – denn Menschen, die Homöopathika suchen, haben ein Gesundheitsproblem und da sollten sie nicht in den Dromarkt, sondern in die Apotheke. Mein liebes Tagebuch, vielleicht lässt sich Mechthild H. mal von ihren Gesundheitspolitikern in der eigenen Partei beraten, wo die Linie langgeht.

25. Juli 2017 

Nochmal zum Aufreger der Woche: Auch die Pharmaindustrie hat kein Interesse, die Apothekenpflicht bei Homöopathika aufzuheben, wie sie deutlich herausstellt. Hätte ja sein können, dass die Industrie das gar nicht so schlecht findet: Homöopathika bei Edeka, Rossmann, Müller und Co. Und schon bald mit anderer Verpackung bei Aldi und Lidl. Ein Riesengeschäft, oder? Vermutlich nicht. Homöopathika ohne Apotheke funktioniert nicht. Und mal im Ernst: Letztlich geht es hier um die sachgerechte Beratung in der Apotheke und die Möglichkeit, dass die Apotheke eben auch nicht zu Homöopathika rät, wenn sie nicht angebracht zu sein scheinen. Also, mein liebes Tagebuch, man sollte den Menschen ihr Glück in kleinen Dosen lassen. 

26. Juli 2017

O.k., mein liebes Tagebuch, vom Versandhandel sind sie berauscht, die beiden Gesundheitspolitikerinnen von Rot und Grün, Sabine Dittmar (SPD) und Kordula Schulz-Asche (Die Grünen). Aber immerhin, irgendwie scheinen sie die Apotheke vor Ort nicht ganz aufgegeben zu haben. Dittmar jedenfalls, von Haus aus Ärztin, weiß um den Wert des Heilberuflers Apotheker. Und auch Schulz-Asche, weiß, dass die Apothekenpflicht durchaus Sinn macht. Aktueller Anlass: das homöopathische Armageddon der CDU-Verbraucherschützerin Mechthild Heil, die den Zauberzucker am liebsten mit deutschen Bezeichnungen im Supermarkt stehen haben möchte. Dittmars Argumentation: Patienten, die nach Homöopathika fragen, haben ein medizinisches Problem und sind daher in der Apotheke und nicht im Drogeriemarkt bestens aufgehoben. Und auch Schulz-Asche ist sich im Klaren darüber, dass gerade die Apothekenpflicht eine falsche oder unangebrachte Einnahme verhindern kann. Also, mein liebes Tagebuch, Immerhin wissen die beiden, dass der Apotheker so verkehrt in unserem Gesundheitssystem nicht ist. Wenn man ihnen nur den kindlichen Glauben an den vermeintlichen Segen der Päckchenschicker nehmen könnte. Und ansonsten:  Der Sturm im homöopathischen Wasserglas wird sich hoffentlich bald wieder legen.

Aber interessant war’s schon in dieser Woche: Zu beobachten, wie die Evidenzbasierten gegen die Hahnemannschen Brüdern und Schwestern aufeinander losgegangen sind. Nur weil eine, sagen wir mal, etwas unbedarfte CDU-Verbraucherschützerin glaubte, die harte, streng naturwissenschaftliche Linie fahren zu müssen (oder versuchte, Wahlkampf zu machen?): Alle homöopathischen Präparate raus aus der Apotheke und alle Bezeichnungen auf Deutsch, da kein knallharter Wirksamkeitsnachweis vorliegt. So tickt halt leider nicht die Welt und schon gar nicht der Mensch. Erstens sollte sie sich zu Herzen nehmen, dass es den Placebo-Effekt gibt – und der kann heftig sein! Zweitens sollte sie wissen, dass Homöopathie eine Glaubensfrage ist, eine Religion ist – die kann man den Menschen, die daran glauben, nicht nehmen. Und drittens geht es halt doch um gesundheitliche Probleme – und da sind die Menschen am besten beim Apotheker und Arzt aufgehoben, nicht im Super- oder Dromarkt. Basta. Schluss. Aus.

Noch ein Schlag ins Kontor des Arzneimittelautomaten von DocMorris: Auch die Zur-Rose-Tochter Tanimis N.V., die für DocMorris die Räumlichkeiten in Hüffenhardt anmietete und dem Versender für sein versuchtes Automatengeschäft zur Verfügung gestellt hatte, wurde abgemahnt. Das Mosbacher Landgericht hat geurteilt, dass Tanimis den Versender DocMorris nicht durch das Bereitstellen von Räumlichkeiten unterstützen darf, in denen apothekenpflichtige und/oder rezeptpflichtige Arzneimittel abgegeben werden. Geklagt hatte sofort der LAV-Baden-Württemberg, nachdem das Konstrukt von Tanimis und DocMorris bekanntgeworden war. Sollte das wieder passieren, ist ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro fällig. So ist’s recht. 

Ein interessantes Urteil: Versandapotheken müssen akzeptieren, dass Verbraucher ihre Arzneimittelbestellungen zurückschicken dürfen. Wenn Versender meinten, bei apotheken- und verschreibungspflichtigen Arzneimitteln bestehe nach Übergabe der Arzneimittel kein Widerrufsrecht, dann trifft das nicht zu. Also, um das mal klar zu stellen: „Verbraucher haben grundsätzlich das Recht, Bestellungen im Internet innerhalb einer bestimmten Frist zu widerrufen“, auch bei Arzneimitteln. Mein liebes Tagebuch, tja, so ist das nun mal mit dem Versand. Entweder macht man mit oder nicht, ganz oder gar nicht. Da kullern mir doch ein paar Krokodilstränen über die Wange, vor allem, wenn man überlegt, was wäre, wenn Patienten und Versandhandelskunden das weidlich ausnützen würden. Mal nebenbei gefragt: Was passiert eigentlich mit den zurückgesandten Arzneimitteln? Sie müssen vernichtet werden, denn Arzneimittel, die schon mal in Patientenhände gelangt sind, dürfen nicht wiederverkauft werden. Sagt im Übrigen auch die ABDA. Die unversehrte Qualität der zurückgesandten Arzneimittel lässt sich nicht sicherstellen. Eine aktuelle Studie zeigt es: Allein die Temperaturbedingungen beim Versand werden in vielen Fällen nicht eingehalten, schon gar nicht, wenn Patienten ihre Arzneimittel zurückschicken. Also, Versender, aufgepasst: zurückgesandte Arzneien müssen in die Tonne, auch wenn’s schwerfällt. Und wer kontrolliert’s?

27. Juli 2017 

Importe und Importquote – mein liebes Tagebuch, was sind das für alte Zöpfe! Das sollte doch schon längst der Vergangenheit angehören. Das stammt aus einer Zeit, als es nur wenige Generika gab, als die Kassen noch keine Billigarzneimittel per Rabattverträge hatten. Heute sind Importe und die Quote doch so was von überholt und bringen zudem kaum noch Einsparungen. Das sehen sogar die Kassen so, beispielsweise die AOK-Baden-Württemberg, und das will was heißen! Ihr Chef, Rabattvertragspabst Christopher Hermann, dem man sicher nicht nachsagen kann, nicht den letzten Cent aus Apotheken herauszuquetschen, sieht im Handel mit den Parallelimporten eine „Blackbox“ und in den Importquoten ein „bürokratisches Monster“. Er setzt sich sogar aktiv für die Abschaffung der Quote ein. Aktuelle Untersuchungen zeigen zudem, dass aufgrund der deutschen Importpflicht Länder wie Rumänien unter Arzneimittel-Lieferengpässen leiden. Mein liebes Tagebuch, Deutschland nimmt Rumänien die Arzneimittel weg! Nee, das kommt nicht gut. Klar, der Importeur Kohlpharma wehrt sich gegen diese Behauptungen und sagt, der Bericht von RTL und dem Recherche-Netzwerk Correctiv sei unseriös und tendenziös. Da steht nun Aussage gegen Aussage. Mein liebes Tagebuch, ganz abgesehen davon sind Importe in der heutigen Zeit ein Einfallstor für Fälschungen. Klar, unsere Importeure heulen bei diesen Zeilen auf wie die Wölfe bei Vollmond. Aber das kommt doch alles nicht ganz überraschend – vielleicht sollten sie mal darüber nachdenken, ob es für sie nicht ein anderes Geschäftsfeld statt Importe gibt.  Da wird sich doch was finden lassen.

28. Juli 2017 

In Wahlkampfzeiten kommen sie schon mal in die Apotheke, die Gesundheitspolitiker, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Das sollten wir nutzen. Die Aesculap-Apotheke in Melsungen hat Edgar Franke (SPD), den Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, eingeladen – und er kam. Die drei Aesculap-Apothekerinnen nahmen kein Blatt vor den Mund: „Warum hat die SPD das Rx-Versandverbot blockiert?“ Für den gelernten Juristen Franke habe das Gesetz null Chancen gehabt, deswegen habe er vorgeschlagen, Rx-Boni über das Sozialrecht für einen Zeitraum von zwei Jahren zu verbieten mit der Ausnahme, einen Bonus bzw. Werbegaben von maximal 1 Euro zuzulassen. Tja, mein liebes Tagebuch, klar hätte man darüber nachdenken können. Aber dem Bundesgesundheitsminister Gröhe, der das ultimative Rx-Versandverbotsgesetz vorgelegt hatte und es durchziehen wollte, hätten die Apotheker nicht in den Rücken fallen können. Die Situation war einfach verfahren. Und jetzt? Franke sieht, dass der Rx-Versand und die freien Preise im Ausland die Apotheken bedroht. Er sei sich „ziemlich sicher, wir werden eine Regelung finden“, meint er im typischen unverbindlichen Politikersprech. Mein liebes Tagebuch, es bleibt uns wohl nichts Anderes übrig, als abzuwarten, oder?  Eine echt desolate, verfahrene Situation. 

Schaffen wir die Digitalisierung oder haben wir sie schon verpennt? Schwer, ganz schwer zu beurteilen. Schaut man einzelne Apotheken an, dann gibt es sie schon, die High-Tech-Leuchttürme, bei denen es von Automaten, Monitoren, Bildschirmen, Touchscreens und Tablets nur so wimmelt – willkommen an Bord von Raumschiff Enterprise. Aber das ist eigentlich nur ein bisschen digital. Fürs echte Digitale fehlt der große Überbau, der eigentlich von unserer Berufsvertretung massiv vorangetrieben werden müsste: die Vernetzungen, die sicheren Tunnelverbindungen, die Plattformen, die Datenbanken. Und da hapert’s gewaltig. Der LAV Baden-Württemberg hat einen Arbeitskreis „Digitalisierung/Neue Medien“ ins Leben gerufen. Gut so. Schon vor mehreren Jahren hat der Verband eine eigenes Vorstandsressort „IT/Neue Medien“ gebildet. Auch gut. Und bei der ABDA gibt’s seit geraumer Zeit auch eine IT-Arbeitsgruppe. Mein liebes Tagebuch, dass der LAV ein eigenes Ressort samt eigenem Arbeitskreis auf die Beine gestellt hat, ist vor dem Hintergrund schon bemerkenswert. Geht ihm das in Berlin zu langsam? Vielleicht, aber das Große und Ganze wird er nicht stemmen können. Dem Arbeitskreis in Ba-Wü geht es denn auch nicht um große Kommunikationslösungen mit Ärzten und Krankenkassen, sondern eher um das Kleinklein des Digitalen in der Apotheke. Und hier praxisnahe Hilfestellung zu geben, ist nicht verkehrt. Solange ein Apotheker noch in Tränen ausbricht, wenn man ihm sein Faxgerät wegnehmen will, hat der LAV-Arbeitskreis noch kräftig zu tun. 


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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11 Kommentare

Niedliche Placebo-Kügelchen?

von Dr. Petersen am 30.07.2017 um 22:50 Uhr

Es wäre schön, wenn Journalisten nicht nur auf das allgemeine "Homöopathie-Bashing" aufspringen würden, sondern sich auch die Mühe machen würden, sich ernstzunehmende Studien zur Homöopathie genauer anzusehen.

Die heute umfangreichsten Untersuchungen in der Gesundheitsforschung sind groß angelegte HTA-Berichte, die die „Real-Word-Effectiveness“ von medizinischen Behandlungen am Patienten (und nicht im Reagenzglas) untersuchen.

z.B. hier: Homöopathie in der Krankenversorgung - Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit (Perspektiven - Schriften zur Pluralität in der Medizin) Taschenbuch – 15. November 2006, von Gudrun Bornhöft (Herausgeber), Peter F Matthiessen:

Auszug: Review von Kleijnen et al.(1991); 107 Studien; Fazit:
„Die Menge der positiven Belege, auch unter den besten Studien, überraschte uns. "

Außerdem eine seriöse Quelle für Homöopathiestudien:

http://www.wisshom.de/index.php?menuid=102

Auch hier werden Beobachtungsstudien beschrieben:

http://www.homoeopathie-online.info/versorgungsforschung-zur-homoeopathie/

Das Vorurteile schwerer wiegen als die „kleinen süßen Kügelchen“ ist leider nicht so schwierig.

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Tagebuch: kohpharma wehrt sich gegen CORRECTIVE und RTL

von Karsten Wurzer am 30.07.2017 um 19:09 Uhr

Lieber Herr Dietzel,

wir sind ein mittelständisches Unternehmen und zeigen gerne was wir machen und wie wir es machen - sogar kritischer Presse, die sich mit dem Wunsch um eine Firmenbesichtigung und ein Interview zum Thema der Einsparungen durch Importe an uns wendet. Erst vor Ort wurden wir mit dem Thema Knappheiten in Rumänien konfrontiert und haben dennoch offen Stellung bezogen.

Etwas überrascht waren wir, was wir trotz der telefonisch vorab zugesagten ausgewogenen Gegenüberstellung der Positionen, dann zu nachtschlafender Zeit zu sehen bekamen: Einen verzweifelten Vater, der alles tun würde, um seinem Sohn das lebenswichtige Präparat Trileptal zu besorgen, dafür angeblich hunderte Kilometer bis Ungarn fährt, da es in Rumänien nicht zu beschaffen sei. Was er aber nicht tut, ist diesen Missstand mit offenem Visier und unter Nennung seines Namens anzuprangern.
Dann sehen wir, eine Apothekerin oder Helferin, die nicht einmal gefragt wurde, ob sie sich offen äußern würde. Hier wird mit versteckter Kamera gefilmt. Was sie sagt, ist selbst für Muttersprachler nicht zu verstehen. Wir sollen RTL glauben?! Wir kennen Apotheker als Patienten zugewandte Menschen, die keine Scheu haben, Probleme offen auszusprechen. Was ist nun aber die Wahrheit? Trileptal ist in Deutschland generisch und für den Import daher eher für einige Privatpatienten interessant, denen das Original verschrieben wird. Wir kaufen es gar nicht in Rumänien ein, was wir der Redaktion schriftlich auf Anfrage geantwortet haben. Leider wurde dies bewusst ignoriert. Warum wohl? Laut Auskunft der rumänischen Schwester der Alliance Health Deutschland war es in den letzten Monaten immer verfügbar und wird jetzt von Novartis aus kommerziellen Gründen vom Markt genommen.

Dann sahen wir Schwarzmarkthändler, die bei McDonalds ungekühltes Humira aus Spanien teurer als in Rumänien an den Mann bringen will. Das alles sei nur möglich, weil böse Importeure den Rumänen ihre Arzneimittel wegkaufen. Inzwischen meint die Redaktion von Corrective schriftlich nie behauptet zu haben, Humira oder Avastin wären knapp. Was war dann die Story? Importeure handeln mit nicht knapper Ware? Wohl kaum ein Skandal!
Ein Skandal ist allerdings, dass schlecht recherchierende oder interessengeleitete Redakteure versucht haben, den Ruf eines tadellos und moralisch arbeitenden Unternehmen und seiner Mitarbeiter zu unterminieren.
Meist gibt es nach unserer Kenntnis für solche Stories vorher einen Tipp. In diesem Fall vielleicht von dem Einzigen, der in dem Machwerk Gesicht zeigt und seinen Namen sagt, dem sog. Patientenvertreter Cezar Irimia. Der ist allerdings höchst interessengeleitet, wird er doch ausweislich seiner Homepage vom who is who von Big Pharma finanziert. Das Sprichwort "Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe" kennen Sie bestimmt.

Da der Parallelhandel Patienten und Kostenträgern in allen europäischen Staaten einen Nutzen bringt und Wettbewerb bei Rx-Arzneimitteln sichert, machen wir weiter.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Tagebuch: kohpharma wehrt sich gegen

von Hermann Balleis am 31.07.2017 um 2:26 Uhr

Die Recherche von Correctiv als Herauspicken von Einzelfällen abzutun ist nicht seriös. Da Deutschland mit der Einführung der Kosten Nutzen Bewertung nun auch zu einem Billig- Arzneimittelmarkt geworden ist, haben wir hier Lieferengpässe auf Grund der Kontigentierung von preisregulierten Arzneimitteln. Dem Großhandel wird hier regelmäßig nicht die Menge geliefert, die er bestellt. Das Imperium der forschenden Pharma Firmen schlägt so zurück. Da es immer schwieriger wird an billige Ware zu kommen, werden die Vertriebskanäle dubioser (Fälschung?) und länger.(Lagertemperatur?) Die viel beschworene Arzneimittelsicherheit bleibt auf der Strecke. Da hilft auch kein Secupharm, wenn der Echtheits- Code erst beim Importeur aufgedruckt wird.

Temperaturkonstanzeinhaltung am DAT - und was kommt hinten raus?

von Dr. Christoph Mauz am 30.07.2017 um 11:51 Uhr

Vorsicht, Vorsicht Herr Ströh.... auch hier gilt die alte Kohlsche Formel "entscheidend ist, was hinten rauskommt".
Das mit dem DAT-Antrag könnte in die falsche Richtung gehen. Der m.E. einzige, der bisher kompetent das Thema aus Sicht der Apotheke analysiert hat, war mal wieder unser "Pharmakritiker" Reinhard Herzog (nicht böse gemeint - bin sehr froh, dass wir ihn haben!). Der DAZ-Artikel (2013/39: "Trau keinem über 25...") sollte eigentlich Standardliteratur für alle heimsuchenden Pharmazieräte sein. Aber die dürfen offensichtlich weiterhin ungestraft solche Analysen als "Gschwätz" und die druckende Zeitung als (Zitat) "Pamphlet, das keiner liest" bezeichen.
Das Fazit: Leider haben seit damals viele Kollegen immer noch nicht die Ratschläge von Herzog umgesetzt und meinen, sie seien bei diesem Thema aussen vor.

Das andere Geschäftsmodell, das nur der Versandhandel bieten kann, ist eigentlich das viel interessantere für den Smartshopper. Privat oder auf Kasse Medikamente im Versand zu bestellen und dann nach Abrechnung die Medikamente an den Versandhändler zurück und die Quittungsbelege an die GKV, PKV zur Zahlung zu schicken, das lässt doch wieder mal die "gleichlangen" Spiesse erheblich gegen uns ausrichten. Und wenn wir dann auf dem DAT die Massnahmen dagegen verlangen, dann wird eher der Spiess umgedreht, als dass er sich gegen den Versand richtet.

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Rücknahme AM

von Silke Hans am 30.07.2017 um 10:27 Uhr

Man stelle sich vor, ganz ganz viele Apotheker und Angestellte und Freunde bestellen was Teures und schicken es dann zurück...aber nein. Das würde keiner tun ...
:-)

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Rücknahme AM

von Frank ebert am 30.07.2017 um 12:42 Uhr

Genau dies habe ich getan ! Nachzulesen unter Ihrem Kommentar !

Retoure

von Frank ebert am 30.07.2017 um 10:14 Uhr

Jetzt wird es spannend. Habe meine Packungen vom Privatrezept zurück geschickt

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Retoure

von Bernd Jas am 30.07.2017 um 10:54 Uhr

War es wenigstens ordentlich teuer?

Hämmopattie, die würkt; un´ wie

von Bernd Jas am 30.07.2017 um 9:50 Uhr

Einen wunderschönen guten Morgen Herr Ditzel,

wo Sie grad´ sagen Homöopathie, deutsche Bezeichnungen und der deutsche Patient.
Das erinnert mich an die Zeit meines Praktikums, als sich eine Dame mittleren Alters eines schönen Arbeitstags mehr als erbost darüber echauffierte, das ihr naturheilkundlicher Arzt versuche Sie zu vergiften.
"Ich hob des genauestens nachgelese, nix als Gift hadde mer do drin."
Cyankali, Quecksilber, Tollkraut, Schierling, .....usw.
Sie sah auch schon ganz schlecht aus und war wirklich der Überzeugung und auch nicht davon abzubringen, dass Sie nun ihren Arzt verklagen müsse.
Tja, soweit kann´s kommen mit dem aufgeklärten deutschen Patienten.

Viel Spaß bei den weiteren Auseinandersetzungen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Hämmopattie, die würkt; un´ wie

von Hermann Balleis am 31.07.2017 um 2:43 Uhr

Als Apotheker würde ich die "Kügelchen" gerne loswerden.
Gerade die furchterregenden Inhaltsstoffe zu "erklären" fordert immer wieder Überwindung..
Aber man braucht ja das weiße apothekerliche Deckmäntelchen um das kultische Primborium und Hokuspokus glaubhaft zu machen. Was auch die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln etc. leidlich ausnutzen.
Ich komme mir manchmal vor wie ein Priester, der Wasser in Wein verwandelt. Und die Gläubigen sind dankbar.

Manche mögen es heiss...

von Ulrich Ströh am 30.07.2017 um 9:41 Uhr

Die Temperaturkonstanzeinhaltung für Arzneimittel im Versand....
....das gehört in die Diskussion auf dem nächsten DAT in Düsseldorf.

Welcher Delegierte bringt das vor?
Schweigen ist keine Lösung.


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