Nördlingen in Bayern

Stadtrat will dm-Drogerie statt Apotheke

Düsseldorf - 14.07.2017, 16:15 Uhr

Keine Apotheke im Einkaufszentrum: In der bayerischen Kleinstadt Nördlingen will der Stadtrat lieber eine dm-Drogerie als eine Apotheke haben. (Foto: dpa)

Keine Apotheke im Einkaufszentrum: In der bayerischen Kleinstadt Nördlingen will der Stadtrat lieber eine dm-Drogerie als eine Apotheke haben. (Foto: dpa)


Noch gibt es keine endgültige Entscheidung, doch in der bayerischen 20.000-Einwohner-Stadt Nördlingen wird Apotheker Werner Metzger wohl keine Apotheke im Einkaufszentrum am Stadtrand eröffnen können. Allerdings zieht wohl eine dm-Filiale dort ein.

„Es ist noch nicht vom Tisch, aber wahrscheinlich wird es keine Mehrheit geben“, sagt Werner Metzger, Senior-Chef der Ries-Apotheke in der bayerischen rund 20.000 Einwohner-Stadt Nördlingen in Schwaben. Eigentlich hätte der Apotheker gerne eine Filiale im EGM-Einkaufszentrum im nordwestlichen Stadtteil Baldingen eröffnet – außerhalb der vollständig erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauern Nördlingens. Doch daraus wird wohl nichts. Am 18. Juli wird der Bauausschuss der Stadt Nördlingen wohl beschließen, dass es in dem seit den 70er-Jahren bestehenden Einkaufszentrum zwar demnächst einen Drogeriemarkt, jedoch keine Apotheke geben wird.

Ein Einzelhandelsgutachten eines externen Gutachters gibt dabei wohl den Ausschlag. Dieser hatte bescheinigt, dass ein Drogeriemarkt dort möglich sei, ohne die Geschäfte der Altstadt zu beeinträchtigen. Gleichzeitig hatte er sich aber gegen eine Apotheke am gleichen außerhalb liegenden Standort ausgesprochen. „Für mich ist das jetzt nicht so schlimm“, sagt Metzger, der bereits unter Vorbehalt einen Mietvertrag mit dem Besitzer des Einkaufszentrums geschlossen hatte. Ohne die Zustimmung des Stadtrates wird der dann, ohne dass Kosten entstünden, hinfällig. „Ich komme auch ohne die Filiale gut zurecht. Aber für die Stadt Nördlingen und die Einwohner ist das eigentlich eher schade“, sagt der Apotheker.

Viele Kunden von außerhalb fahren nicht ins Zentrum

Vielleicht seien da einige Stadträte oder der Gutachter etwas zu konservativ. Natürlich würden viele, die in der Innenstadt zum Arzt gingen, dann auch zur nächsten Apotheke gehen, um ihre Rezepte einzulösen. „Aber in dem Einkaufszentrum gibt es auch Potenzial“, sagt er. Viele auch von außerhalb würden gar nicht bis in die Innenstadt fahren. „Schon wegen der Parkplätze“, sagt der Apotheker. Aus dem Umland führen eben viele zum Einkaufen in EGM-Center in dem nordwestlichen Stadtteil. „Und ringsum gibt es ja auch Landärzte, die Rezepte ausstellen.“

Ein wenig zwiegespalten sei er aber schon. Auf der anderen Seite könne er natürlich auch die Politik verstehen, die versuche, die Einzelhändler der Innenstadt zu schützen, sagt der Senior-Chef. „Aber es ist ja noch nichts endgültig entschieden, und solche Beschlüsse müssen ja nicht ewig wären“, sagt er. Falls sich doch noch was in dem Einkaufszentrum ergebe, könne er sich vorstellen, dass er oder sein Sohn, dem er bereits die Ries-Apotheke übergeben hat, nochmal Interesse bekunden würden.

Im Zentrum sieht niemand Bedarf für neue Apotheken

Als Drogeriemarkt wird wohl eine Filiale von dm einziehen. Ein entsprechender Vertrag sei laut der Eigentümer des Zentrums bereits unterzeichnet, heißt es. Bereits seit Herbst vergangenen Jahres hatte sich der Eigentümer für die Ansiedlung sowohl der Drogerie als auch der Apotheke stark gemacht. Der von der Stadt beauftragte Gutachter hatte unter anderem Kunden und Händler befragt und war zu dem Schluss gekommen, dass es für einen weiteren Drogeriemarkt innerhalb der Stadtmauern, also im Stadtzentrum auf absehbare Zeit keine ausreichenden freien Flächen gebe und daher die Politik von der bisher vertretenen Linie „Innen vor Außen“ abweichen könne. Für eine weitere Apotheke mit weniger Platzbedarf gebe es aber noch Flächen innerhalb der Mauern.

Bislang gibt es in Nördlingen acht Apotheken. Unter anderem Metzger aber auch Mitglieder verschiedener Fraktionen des Stadtrates sehen keinen zusätzlichen Bedarf an Apotheken innerhalb der Stadtmauern. Im Stadtrat gibt es allerdings auch Befürworter einer Apotheke in dem Einkaufszentrum.


Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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