Biotech-Branche

Immer mehr Biopharmazeutika in der Apotheke

Berlin - 27.06.2017, 14:55 Uhr

Die Diagnose Krebs müssen immer mehr Menschen wegstecken. Pharmaunternehmen versprechen neue Arzneimittel. (Foto: zinkevych / Fotolia)

Die Diagnose Krebs müssen immer mehr Menschen wegstecken. Pharmaunternehmen versprechen neue Arzneimittel. (Foto: zinkevych / Fotolia)


Biopharmazeutika boomen: 2016 waren von 38 neu zugelassenen Arzneimitteln bereits 15 gentechnisch hergestellt. Biotech-Unternehmen sind vor allem in der Onkologie aktiv. Und anders als so manche Krankenkasse machen sie sich auch keine Sorgen um die Finanzierbarkeit ihrer Präparate.

Die Biotech-Branche freut sich: Wie aus dem aktuellen Branchenreport „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2017“ hervorgeht, belief sich der Umsatz mit gentechnisch hergestellten Medikamenten im Apotheken- und Klinikmarkt im Jahr 2016 auf 9,3 Milliarden Euro (netto, abzüglich gesetzlicher Rabatte). Im Jahr zuvor waren es noch 8,2 Milliarden Euro. Während der Gesamtmarkt 4,2 Prozent wuchs, ging es für Biopharmazeutika um 12,4 Prozent nach oben. Ihr Anteil erreichte 24,8 Prozent am Gesamtmarkt (2015: 22,9 Prozent). Tendenz steigend.

Denn auch der Anteil der Biopharmazeutika an den Neuzulassungen wächst beständig. 2016 waren es 37 Prozent: Von 38 neu zugelassenen Arzneimitteln waren 15 gentechnisch hergestellt, drei davon waren Biosimilars, also „Nachahmer“ älterer Biopharmazeutika. In den drei Jahren zuvor waren es jeweils rund 30 Prozent.

Volle Pipeline

Und die Unternehmen haben noch einiges vor: Insgesamt befänden sich 636 biopharmazeutische Entwicklungsprojekte in allen Phasen der klinischen Erprobung, berichtete Dr. Frank Mathias, Vorsitzender des Biotech-Interessenverbands im Verband der forschenden Pharma-Unternehmen, vfa bio, und CEO der Rentschler Biotechnologie GmbH, bei der Vorstellung des Reports am 26. Juni. Bei 598 davon handelt es sich um neue Wirkstoffe, 39 sind Biosimilars. Phase III der klinischen Entwicklung haben 91 neue Wirkstoffe und 34 Biosimilars erreicht.

Die beiden größten und umsatzträchtigsten Bereiche für Biopharmazeutika sind die Immunologie und die Onkologie. Letzteres Segment steht aktuell im Fokus vieler Debatten – nicht zuletzt wegen der hohen Kosten der Arzneimittel. Auch der Biotech-Report nimmt ihn in diesem Jahr genauer unter die Lupe: 19 Neuzulassungen gab es in den vergangenen zehn Jahren, zehn davon in den vergangenen zwei Jahren, sagte Mathias. 226 onkologische Wirkstoffe hatten die Unternehmen 2016 in ihrer Pipeline – und zwar gegen 37 verschiedene Krebserkrankungen.

Erfolge der Krebstherapie

Mathias verwies darauf, dass die Zahl der Krebs-Neuerkrankungen in den vergangenen Jahrzehnten zwar beständig gewachsen ist – die Zahl der Todesfälle sei jedoch annähernd konstant geblieben. Auch die 5-Jahres-Überlebensraten seien seit 1970 signifikant gestiegen. Hatte ein Mann mit der Diagnose Prostatakrebs Anfang der 1970er-Jahre noch eine 62-prozentige Chance, die nächsten fünf Jahre zu überleben, lag diese 2012 bereits bei 93 Prozent. Ähnlich auffällige Sprünge gab es bei der Behandlung des Melanoms.

vfa bio / BCG

Die Branche ist stolz auf ihre zielgerichteten Krebsmedikamente, die – anders als Chemotherapeutika – vorrangig Krebszellen statt alle teilungsaktiven Zellen angreifen. Daneben gibt es Immunonkologika, die gezielt das Immunsystem des Patienten in die Krebsbekämpfung einbeziehen.



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