Trotz Kritik

Bayer will Monsanto-Übernahme bis Jahresende abschließen

Düsseldorf - 20.06.2017, 14:00 Uhr

Freude über die Einigung am 14. September 2016: Bis Jahresende soll der Deal zwischen Bayer-CEO Werner Baumann und Monsanto-Chef Hugh Grant umgesetzt sein. (Foto: dpa)

Freude über die Einigung am 14. September 2016: Bis Jahresende soll der Deal zwischen Bayer-CEO Werner Baumann und Monsanto-Chef Hugh Grant umgesetzt sein. (Foto: dpa)


Bis Dezember soll alles in trockenen Tüchern sein: Zwar muss noch die Europäische Kommission die Übernahme von Monsanto genehmigen, doch Bayer sieht die baldige Fusion als realistisch an. Konzernchef Werner Baumann verspricht, genmodifiziertes Saatgut nicht durch die Hintertür nach Europa zu bringen. 

Der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer will noch in diesem Jahr die 66 Milliarden Dollar teure Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto abschließen. „Das ist realistisch“, bekräftigte Bayer-Chef Werner Baumann am Montagabend in Düsseldorf. Der noch ausstehende Genehmigungsantrag bei der EU-Kommission soll deshalb noch in diesem Monat eingereicht werden. Die Gespräche mit den Wettbewerbshütern seien sehr gut und konstruktiv. Dennoch sei eine vertiefte Prüfung des Vorhabens durch die EU-Kommission wahrscheinlich.

Der Bayer-Chef betonte, der Leverkusener Pharma- und Pflanzenschutzkonzern werde den Erwerb von Monsanto nicht dazu nutzen, „gegebenenfalls durch die Hintertüre das genmodifizierte Saatgut in Europa zur regulatorischen Freigabe zu bringen“. Bayer gehe davon aus, dass die Diskussion gesellschaftlich abgeschlossen sei. In Europa gebe es mehr Stimmen dagegen als dafür. „Wir haben dazu eine dezidiert andere Meinung“, erklärt er. „Wir akzeptieren aber selbstverständlich das Votum der Europäischen Gesellschaften.“

Baumann räumte ein, dass durch den Megadeal im Pflanzenschutz die Investitionsmöglichkeiten von Bayer in anderen Unternehmensparten zunächst begrenzt seien. Es gebe keine Möglichkeit, in den nächsten Jahren im Pharmabereich eine größere Akquisition zu stemmen. Doch gebe es auch keine Notwendigkeit für hektische Zukäufe in diesem Bereich.

Erhebliche Kritik an der Übernahme

Auf der Hauptversammlung hatte Bayer die Rekordübernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto vor seinen Aktionären verteidigt. „Durch die vereinbarte Übernahme wollen wir Bayer weiter stärken", hatte Baumann erklärt. „Und wir wollen damit langfristig erheblichen zusätzlichen Wert schaffen." Die Übernahme passe „perfekt“ und sei „der richtige Schritt zur rechten Zeit“ – für die Aktionäre, Kunden, Mitarbeiter sowie für die Gesellschaft insgesamt.

Großaktionäre wie etwa Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment oder Hendrik Schmidt von der Deutschen Asset Management hatten nicht nur das enorme Übernahme-Volumen von 66 Milliarden US-Dollar kritisiert, sondern auch die damit verbundenen Risiken für Bayer etwa durch die hohe Verschuldung, die breitere Aufstellung und mögliche Reputationsschäden.

Auch bei Umweltschützern, Nicht-Regierungsorganisationen, kirchlichen Gruppen oder Parteien stieß die Übernahme auf scharfen Widerstand. Sie befürchten eine Zunahme von Abhängigkeiten der Landwirte von Großkonzernen, höhere Preise sowie eine geringere Artenvielfalt.


hfd / DAZ.online
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