Pforzheim

Ein ganzer Stadtteil ohne Apotheke

Düsseldorf - 19.06.2017, 09:20 Uhr

Mit dem Bus in die nächste Apotheke: In der baden-württembergischen Stadt Pforzheim muss das Stadtviertel Oststadt künftig ganz ohne Apotheke auskommen. (Foto: dpa)

Mit dem Bus in die nächste Apotheke: In der baden-württembergischen Stadt Pforzheim muss das Stadtviertel Oststadt künftig ganz ohne Apotheke auskommen. (Foto: dpa)


Wenn es in den vielen Diskussionen um die Zukunft des Apothekenmarktes derzeit um die rückläufige Apothekenzahl geht, werden eigentlich immer ländliche Gebiete als Beispiel genannt. Doch auch in den Städten zeigen sich erste Auswirkungen: In der baden-württembergischen Stadt Pforzheim gibt es 20 Apotheken. Ein ganzer Stadtteil jedoch, die Oststadt, muss ohne auskommen – die letzte Offizin dort hat geschlossen. Die Gegend gilt als Problemstadtteil.

Rund 122.000 Einwohner leben in der baden-württembergischen Großstadt Pforzheim, rund 8200 davon im Ortsteil Oststadt, der zur Kernstadt der achtgrößten Stadt des Bundeslandes gehört. Die letzte Apotheke in dem Stadtteil – die Portus-Apotheke, benannt nach dem Namen der römischen Siedlung Portus, auf der Pforzheim wurzelt – hat allerdings bereits vor einiger Zeit geschlossen. Nur noch das alte Apotheken „A“ hängt über der ehemaligen Offizin im Erdgeschoss des Portus-Ärztehauses an der Östlichen Karl-Friedrich-Straße.

„Die Portus-Apotheke hat sicherlich nicht deshalb geschlossen, weil ihr die Kunden die Türen eingerannt hätten“, bringt es Christian Kraus auf den Punkt. Der Sprecher der Pforzheimer Apotheker, der auch Vorsitzender der Region Pforzheim im Landesapothekerverband Baden-Württemberg ist, weiß um die Probleme des Stadtteils. Seine drei Apotheken liegen zwar weiter entfernt davon in anderen Stadtteilen, doch die Oststadt ist Stadtgespräch. Die Bild-Zeitung und der Focus listeten den Stadtteil im vergangenen Jahr bei einem Themenschwerpunkt zu Problemvierteln unter den schlimmsten Stadtteilen Deutschlands, warnten vor einer „Ghetto-Gefahr in deutschen Städten“.

Keine echte Perspektive für eine Apotheke

Die Situation im Stadtteil sei einfach schwierig, sagt Kraus. „Wenn es dort Perspektiven für eine Apotheke gäbe, hätte sich bestimmt bereits wieder eine angesiedelt“, sagt er. Aber die fehlten dort bislang. Städtebaulich gesehen sei die Oststadt ein sehr „heterogener Stadtteil“ heißt es von der Stadt Pforzheim. Es sei ein „vielfach benachteiligter Ortsteil“. Rund 1000 der 8200 Einwohner leben von Hartz-IV, ein Blockheizkraftwerk gibt es in dem Viertel, und Wohnblocks prägen überwiegend das Bild. Ein kleineres Einkaufszentrum ist vorhanden. „Dort könnte sich ja vielleicht in Zukunft mal eine Apotheke ansiedeln, so wie ich meine auch in einem Einkaufszentrum betreibe“, sagt Kraus. Allerdings müsse die Stadt dazu erst viel von den Plänen umsetzen, die es bereits einige Zeit gebe, um die Oststadt insgesamt wieder aufzuwerten – vor allem wieder Infrastruktur zum Nutze der Einwohner schaffen.

Denn derzeit ist es nicht nur eine Apotheke, die dort fehlt. Auch etliche Einzelhändler wie Metzger und Bäcker haben in der Vergangenheit in der Oststadt aufgeben müssen. „Dort, wo in Pforzheim die Fußgängerzone aufhört, fängt in etwa die Oststadt an“, erklärt Kraus. Das sei ein Teil des Problems. Denn die Lagen in der Fußgängerzone und damit im Nachbarstadtteil seien natürlich attraktiver. Dort finden die Patienten dann auch die nächsten Apotheken vor.

Von Unterversorgung kann man eher nicht sprechen

Von einer generellen Unterversorgung könne man in der Stadt aber definitiv nicht sprechen, sagt der Verbandssprecher. Insgesamt gibt es rund 20 Apotheken, darunter auch zwei, die dem Vorsitzenden des Deutschen Apotheker-Verbandes, Fritz Becker, gehören. Viele konzentrieren sich im Zentrum Pforzheims, von der Oststadt abgesehen verteilen sie sich aber ansonsten gleichmäßig über die Stadt. 

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„Aber die Leute gehen ja auch dort in die Apotheke, wo sie zum Arzt gehen. Und das ist häufig eher im Zentrum“, sagt Kraus. Auch von der Oststadt aus seien die nächsten Apotheken nicht extrem weit entfernt. Mit einem längeren Fußmarsch oder per Bus sei das möglich. „Ich habe jedenfalls noch von niemandem gehört, dass ihm eine Apotheke in der Oststadt total fehlen würde“, sagt Kraus. Insgesamt jedenfalls sei die Stadt gut mit Apotheken versorgt, sagt er.

Und wenn es mit der Oststadt wieder bergaufgehe, sei dort sicherlich auch wieder eine Apotheke möglich.


Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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