Enterohämorrhagische Escherichia coli

EHEC - wie schützt man sich?

07.06.2017, 17:45 Uhr

Sprossen und Streichelzoo: Infektionswege für EHEC. (Foto: dima_pics / Fotolia)

Sprossen und Streichelzoo: Infektionswege für EHEC. (Foto: dima_pics / Fotolia)


Ein zweijähriges Kind ist an EHEC gestorben. Das Enterohämorrhagische E. coli-Bakterium kann schwere, blutige Durchfälle auslösen und führt in manchen Fällen zu Nierenversagen und Tod. Wie wird EHEC übertragen? Ist eine antibiotische Therapie bei EHEC sinnvoll? DAZ.online hat die EHEC-Fakten zusammengetragen.

Enterohämorrhagische Escherichia coli – das verbirgt sich hinter dem geläufigen Namen EHEC. 2011 machte das Toxinproduzierende gramnegative Stäbchen von sich reden – es löste schwere Fälle eines Hämolytisch-Urämischen Syndroms (HUS) aus. Als Übertragungsweg wurden damals Sprossen identifiziert. Danach wurde es erst einmal wieder still um das Bakterium. Verschwunden ist es natürlich nicht – jährlich verzeichnet das Robert-Koch-Institut (RKI) mehrere Hundert EHEC-Meldungen, allein 2015 erkrankten bundesweit 1604 Patienten an dem E.Coli-Keim. Nun ist ein zweijähriges Mädchen aus Bayern an EHEC gestorben. Welche Tipps können Apotheker ihren Patienten zum Schutz vor EHEC geben?

Wie infiziert man sich mit EHEC?

Reservoir für die gramnegativen Erreger sind Wiederkäuer – Rinder, Schafe, Ziegen aber auch Wild. Übertragen wird EHEC fäkal-oral, also durch Aufnahme infizierter Fäkalien. Das kann sowohl in direktem Kontakt mit Tieren erfolgen, aber auch durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel. Der Infektionsweg variiert je nach Alter: Kinder unter drei Jahren stecken sich mit EHEC vor allem durch Tierkontakt an, während ältere Kinder und Erwachsene sich meist über kontaminierte Lebensmittel infizieren. Die infektiöse Dosis ist gering, sie liegt bei weniger als 100 Erregern und ist hinsichtlich der Virulenz somit den Noroviren vergleichbar. EHEC kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Und selbst beim Baden in verunreinigten Gewässern kann man sich das unliebsame Bakterium einfangen. Verantwortlich an der Pathogenese sind von Enterohämorrhagischen Escherichia-coli gebildete Shigatoxine. 

Wen treffen EHEC-Infektionen bevorzugt? Kinder. Die Erkrankungshäufigkeit ist altersabhängig. Insbesondere Säuglinge und Vorschulkinder infizieren sich mit EHEC, zeigen klinische Symptome beziehungsweise entwickeln eskalierte Verläufe. Gefährdet sind außerdem ältere Menschen oder immungeschwächte Patienten. 

Symptome einer EHEC-Infektion?

EHEC äußerst sich meist durch wässrige Durchfälle. Diese können auch mit Übelkeit und Erbrechen, seltener mit Fieber einhergehen. Zehn bis 20 Prozent der Patienten entwickeln Komplikationen mit blutigen Durchfällen. Auch hiervon sind insbesondere Kinder betroffen. Gefürchtetste Komplikation ist das sogenannte HUS – Hämolytisch-Urämisches-Syndrom. Charakteristisch hierfür ist eine hämolytische Anämie durch Auflösen der Erythrozyten, eine Thrombozytopenie und Nierenfunktionsstörungen. Teilweise gipfelt diese Trias in völliger Anurie und kurzzeitiger Dialysepflicht der Patienten. Zwei Prozent der Patienten, die eine HUS entwickeln, versterben.

Vom Zeitpunkt der Ansteckung bis zur klinischen Symptomatik vergehen im Durchschnitt drei bis vier Tage. Die Inkubationszeit liegt bei zwei bis zehn Tagen. Ansteckend ist der Patient so lange, wie er EHEC-Bakterien ausscheidet. Das kann unter Umständen mehrere Wochen dauern, selbst wenn der Patient klinisch bereits wieder unauffällig ist.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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