Oldenburg

Apotheken-Schließung nach 419 Jahren

Berlin - 29.05.2017, 13:45 Uhr

Kein Nachfolger in Sicht: Apotheker Horst Lube aus Oldenburg muss seine Rats-Apotheke schließen, eröffnet wurde sie im Jahr 1597. (Foto: Rats-Apotheke)

Kein Nachfolger in Sicht: Apotheker Horst Lube aus Oldenburg muss seine Rats-Apotheke schließen, eröffnet wurde sie im Jahr 1597. (Foto: Rats-Apotheke)


Die Rats-Apotheke in Oldenburg eröffnete im Jahr 1597 erstmals. Wenn Apotheker Horst Lube nun Ende Juni in Ruhestand geht, wird sich die Tür der Offizin ein letztes Mal schließen. Junge Pharmazeuten für die Nachfolge seien einfach nicht zu finden gewesen.

Zwei Mal in ihrer über 400 Jahre währenden Geschichte brannte die Rats-Apotheke in der niedersächsischen Stadt Oldenburg ab und wurde wiederaufgebaut – beim großen Stadtbrand 1676 nach einem Blitzschlag und 1792 nach einem wohl missglückten Experiment der Lehrlinge im Labor. Nun sind es nicht unvorhergesehene Katastrophen, die der Traditions-Apotheke ihr Ende bereiten, sondern wohl eher wirtschaftliche Gründe und der Mangel an Fachkräften. Wenn der Inhaber Horst Lube Ende Juni mit 69 Jahren in den Ruhestand geht, wird es keinen Nachfolger geben, der die Apotheke weiter betreibt. Am 24. Juni schließt Lube seine Offizin daher endgültig zu und wird sie abwickeln.

„Der Umsatz ist zu gering, die Miete wird dagegen zu teuer sein, das sind wohl die Gründe, warum ich keinen Nachfolger gefunden habe“, sagt Lube. Vier Jahre lang habe er nach einem Nachfolger gesucht, mit allen Mitteln, doch vergebens. „Es gibt einfach keine approbierten Fachkräfte hier in der Gegend“, sagt er. Dabei sei Oldenburg mit seinen rund 164.000 Einwohnern ja eine aufstrebende Stadt und besitze eine Universität, sagt Lube. Pharmazie gehört dabei allerdings nicht zum Studienangebot der Hochschule.

Alle Mitarbeiter haben bereits neue Jobs

Zwei Apotheken hätten in jüngster Zeit bereits aufgegeben und nach der mit der Rats-Apotheke ältesten der Stadt werde wahrscheinlich noch eine weitere in naher Zukunft schließen, sagt der Apotheker. Zu wenig Umsatz sei vor allem das Problem. Rund 900.000 Euro Netto-Jahresumsatz erwirtschaftete Lube bislang. Das sei vielen im Verhältnis zu den Kosten wohl zu wenig, weshalb alle Interessenten dann doch nicht zugesagt hätten. „Das hier wäre eine Apotheke für einen jungen Apotheker, der sich voll reinhängt“, meint Lube. Aber die fände man einfach nicht.

Er selbst will nach seinem Rückzug in den Ruhestand vielleicht nur noch ab und zu Vertretungen machen. Eigentlich hatte er schon mit 65 in den Ruhestand gehen wollen. „Ich bin schon etwas traurig, die Apotheke zumachen zu müssen, aber ich konnte mich ja nun einige Jahre darauf vorbereiten“, sagt er. Auch seine sieben Mitarbeiter, Apotheker und PTAs, gehen nicht unvorbereitet. Sie hätten bereits alle neue Stellen gefunden, sagt Lube.



Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Eine neue Kerbe im Colt

von Ratatosk am 29.05.2017 um 18:35 Uhr

Ist wirklich schade um solche Apotheken, unsere gelebte Geschichte !
Die Feinde der Apotheken, von Lauterbach über Glaeske, den neuen Bäckerheiligen Schulz etc. wird es sehr freuen, eine weiter Kerbe im Colt.

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