Zulassungsempfehlung

Dreifach-Kombi gegen COPD

Stuttgart - 22.05.2017, 17:15 Uhr

Folgt die EU-Kommission der Empfehlung des CHMP, könnte demnächst eine fixe Dreierkombination zur Behandlung der COPD in den Apotheken zu haben sein. (Foto:  beltado / Fotolia)

Folgt die EU-Kommission der Empfehlung des CHMP, könnte demnächst eine fixe Dreierkombination zur Behandlung der COPD in den Apotheken zu haben sein. (Foto:  beltado / Fotolia)


Der Humanarzneimittelausschuss der EMA (CHMP) hat sich für die Zulassung der ersten fixen Dreierkombination zur Behandlung der COPD ausgesprochen. Sie besteht aus einem langwirksamen Betasympathomimetikum plus Muscarin-Rezeptor-Antagonisten plus inhalatives Glucocorticoid. Bei Letzterem empfiehlt allerdings die neue Leitlinie, zurückhaltend zu sein.

Beclometason, Formoterol und Glycopyrronium – so lautet die Zusammensetzung einer neuen Fixkombination zur Behandlung der mittelschweren bis schweren COPD. Das Arzneimittel, das der Humanarzneimittelausschuss der EMA vergangene Woche zur Zulassung empfohlen hat, soll unter dem Handelsnamen Trimbow vermarktet werden. Es ist das erste Präparat, das ein inhalatives Glucocorticoid (ICS), einen langwirksamen Betaagonisten (LABA) und einen langwirksamen Muscarin-Antagonisten (LAMA) in fester Kombination enthält. Darreichungsform ist ein Dosieraerosol. Laut Summary soll das Arzneimittel in der Lage sein, die Exazerbationsrate zu senken und die Symptome wie Kurzatmigkeit und Husten positiv zu beeinflussen.

Corticoide bei COPD nicht erste Wahl

Wenn das Mittel zugelassen wird – darüber entscheidet letztendlich die Kommission –, darf man gespannt sein, welcher Stellenwert ihm eingeräumt wird. Zwar sind in der COPD-Therapie in vielen Fällen Kombinationspräparate gegenüber der Therapie mit Einzelwirkstoffen von Vorteil, da sie die Adhärenz fördern. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die enthaltenen Wirkstoffe im individuellen Fall in der jeweiligen Dosierung auch sinnvoll eingesetzt sind. Und bei Trimbow ist das, wenn man sich nach der Anfang 2017 neu erschienenen Leitlinie richtet, in vielen Fällen infrage zu stellen. In der neuen Leitlinie, dem sogenannten GOLD-Report 2017, heißt es nämlich, dass ICS bei COPD zurückhaltender als bisher eingesetzt werden sollten. Sie kommen demnach nur noch für Patienten mit häufigen Exazerbationen in Betracht. Aber selbst dort kann Studien zufolge die duale Bronchodilatation, also LABA plus LAMA ohne ICS, überlegen sein. Empfehlungen, die für Trimbow zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt kamen.

Eine klare Indikation für ICS (und damit vielleicht auch für Trimbow, die neue Dreifach-Kombi) besteht dagegen beim Asthma-COPD-Overlap-Syndrom. Denn in der Therapie des Asthma bronchiale sind ICS nach wie vor unverzichtbar. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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